Leben nach MobilCom Gerhard Schmid, der Glückbringer

MobilCom-Gründer Gerhard Schmid hat einen beispiellosen Absturz hinter sich. Einst als Börsenstar gefeiert, jetzt als MobilCom-Lenker gefeuert. Doch Schmid wäre nicht Schmid, wenn er nicht bereits etwas Neues in petto hätte.

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Gerhard Schmid: Einst hießen seine Pferde "MobilCom Goldika" und "Landstreicher MobilCom"
[M] DPA;SPIEGEL ONLINE

Gerhard Schmid: Einst hießen seine Pferde "MobilCom Goldika" und "Landstreicher MobilCom"

Hamburg - Genau genommen ist Gerhard Schmids neue Geschäftsidee die ehrlichste, die er je hatte. Erst jüngst kündigte Mr. MobilCom im Magazin "Focus" an, er wolle seine eigene Lotto-Gesellschaft gründen. Spieler können also künftig ausrechnen, worauf sie sich einlassen, wenn sie dem Selfmade-Unternehmer ihr Geld anvertrauen. Mathematiker veranschlagen die Wahrscheinlichkeit, den angepriesenen Sechser zu tippen, auf eins zu 14 Millionen.

Ganz andere Chancen hatte sich der inzwischen ebenfalls geschasste France-Télécom-Chef Michel Bon ausgerechnet, als er Schmid die Blanko-Vollmacht erteilte, mit Hilfe der neuen Mobilfunk-Generation UMTS das Geld auf Deutschlands Straßen aufzulesen. Im Vertrauen darauf, dass Schmid schon seine berühmt-berüchtigten Unternehmer-Instinkte nutzen werde, um die Kassen aller Beteiligten zu füllen, lieferte Bon seinen Einsatz gleich lastwagenweise ab. Deutlich mehr als zehn Milliarden Euro investierte er in die Kooperation, ohne auch nur eines seiner hochgesteckten Ziele zu erreichen.

"Wer das Ding nicht hat ..."

Geblieben ist den Franzosen lediglich die Beteiligung von 28,5 Prozent an der Büdelsdorfer Telefongesellschaft, die - bei einer Marktkapitalisierung von knapp 250 Millionen Euro - noch etwa rund 71 Millionen Euro wert ist.

Doch man täte Schmid Unrecht, wenn man ihm böse Absichten unterstellte. Auch der MobilCom-Gründer hatte fest daran geglaubt, mit dem Einstieg in das UMTS-Geschäft das Geschäft seines Lebens zu machen. "Wer das Ding nicht hat, kriegt Probleme", meinte der Unternehmer, der selbst noch die Auktion für die UMTS-Lizenzen zum PR-Event für MobilCom umzufunktionieren wusste. Gleich in der ersten Versteigerungsrunde zog er alle Aufmerksamkeit auf sich, als er die Konkurrenten mit einem Gebot in Milliardenhöhe schockte.

Raus, endgültig raus

Klotzen, nicht kleckern war schon immer das Motto, dem Schmid sich verpflichtet fühlte, bis sein französischer Partner zu Anfang des Jahres kalte Füße bekam. Unter dem Druck der enormen eigenen Schuldenlast in Höhe von rund 70 Milliarden Euro wollte Bon die Investitionen zum Ausbau des UMTS-Netzwerks strecken, Schmid dagegen pochte auf die Einhaltung der Verträge.

Im Sommer schließlich kam es zum offenen Bruch. Als eine seiner letzten Amtshandlungen stoppte Bon alle Zahlungen und kündigte den Büdelsdorfern die Partnerschaft auf. Die Zahlungsunfähigkeit von MobilCom konnte nur durch eine Millionenbürgschaft der Bundesregierung verhindert werden.

Die Weggefährten enttäuscht

Nach wochenlangen zähen Verhandlungen erklärte sich die France Télécom im November schließlich bereit, die MobilCom-Schulden in Höhe von rund sieben Milliarden Euro zu bezahlen und zusätzlich bis zu 580 Millionen Euro für das Einfrieren der UMTS-Aktivitäten zuzuschießen. Bedingung: Schmid muss raus – endgültig. Um Querschüsse in Zukunft auszuschließen, musste Schmid sogar die Kontrolle über sein Aktienpaket an einen Treuhänder übertragen. Schließlich fand sich Ex-RTL-Chef Helmut Thoma, der diese Aufgabe übernahm.

Bei MobilCom selbst hoffen jetzt 3250 der 5000 Angestellten, dass die Sanierung gelingt. Für ihren einstigen Chef, der gleichzeitig ihr Idol war, haben nur noch die wenigsten etwas übrig. Zu offensichtlich hatte Schmid während des Verhandlungspokers versucht, seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen.

Nur einer noch hält bedingungslos zu ihm: Der Springreiter Toni Hassmann, der die sieben Pferde von Schmid trainiert. Ursprünglich gesponsert von MobilCom reitet Hassmann jetzt als Angestellter für den Privatmann Schmid. Nur die Namenszusätze der Pferde wurden gestrichen. "MobilCom Goldika" und "Landstreicher MobilCom", heißen künftig nur noch "Landstreicher" und "Goldika". "Herr Schmid wollte das so", sagt Hassmann. Das habe wohl damit zu tun gehabt, dass sein Unternehmen etwas in Verruf gekommen sei.



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