Lebensmittel Chinas Milchdurst treibt die Preise hoch

Die Milchseen erschöpft, die Butterberge abgetragen. Und jetzt bekommen auch noch die Chinesen immer mehr Durst auf Proteine. Die Folge: Weltweit schnellen die Preise für Molkereiprodukte rasant in die Höhe - vor allem ärmere Länder leiden unter dem Nachfrageboom nach Milch.

Von Joachim Hoelzgen


Hamburg - Für den Bauern Bruno Knab in Wolfegg im Allgäu lohnt es sich jetzt, dass er in den vergangenen Jahren immer wieder in seinen Pachthof investiert hat. Obwohl die Molkereien immer weniger für Kuhmilch zahlten, schaffte Knab moderne Gerätschaften wie lasergesteuerte Melkroboter an. Jetzt darf er die Früchte seiner Arbeit ernten, denn zum ersten Mal seit 1998 steigen in Deutschland die Preise für Milch. Für Milcherzeuger wie Knab bleiben durchschnittlich acht Cent pro Liter übrig, wie der Deutsche Bauernverband mitteilt.

Die Verbraucher dagegen müssen sich aus einem Schlaraffenland verabschieden: Die Zeiten permanent billiger Milch und preiswerter Butter sind offenkundig vorbei. Denn inzwischen haben die Molkereien wieder die Möglichkeit, um Großkunden wie Aldi, Lidl, Penny, Rewe und Edeka mehr für ihre Ware abzuknöpfen.

Kräftig erhöhten die Milchverarbeiter Anfang Mai bereits die Preise für abgepackte Butter, das bekommen auch die Verbraucher zu spüren: Die Regalpreise der Discounter gingen um vier Cent nach oben, und von Juni an verteuert sich auch die Milch – der Literkarton wird dann rund 60 Cent kosten, sechs Cent mehr als bisher.

Harmloses Vorspiel

Gegen den Preisschub, der sich derzeit abzeichnet, erscheint dies aber nur wie ein harmloses Vorspiel. Weltweit ist auf dem Markt der Milchprodukte eine beispiellose Hausse in Gang gekommen – vor allem bei Milchpulver, dem Grundstoff des globalen Milchgeschäfts.

Preisexplosion: "Vorher nie erlebt"
DER SPIEGEL

Preisexplosion: "Vorher nie erlebt"

Es seien "Bewegungen nach oben festzustellen, wie man sie vorher nie erlebt hat", warnt die Preisberichtstelle ZMP der deutschen Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft, "marktnah notierte Preise können derzeit von einem Tag zum anderen überholt sein".

Die Preise für das gelbliche Milchpulver haben wie eine Rakete abgehoben – um 60 Prozent stieg der Preis allein im vergangenen halben Jahr. Das ist bereits der zweite Preisschub in Folge, denn im Vorjahr war er auch schon um 63 Prozent in die Höhe geschnellt. Bei Flüssigmilch sieht es nicht anders aus. An der Warenterminbörse in Chicago sind die Preise im Futures-Handel zuletzt auf 41 Dollar je 100 Liter hochgeklettert, auch das ein Rekord.

Australien kann nicht liefern

Dass sich Milch und Milchpulver so regelrecht vergolden, hängt mit der Nachfrage zusammen, die den Weltmarkt seit längerem aus den Fugen bringt. Täglich werden derzeit 1,9 Milliarden Liter Milch getrunken oder zu Käse und Produkten wie Eiscreme verarbeitet – eine Menge, mit der sich fünf Supertanker füllen ließen.

Zur Explosion der Milch- und Milchpulverpreise trägt bei, dass mit Australien ein Großlieferant ausgefallen ist. Dürre lähmt auf dem Fünften Kontinent die Produktion, und die Herstellung von Milchpulver ist dadurch massiv eingeschränkt.



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