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LeBron James: Wall Street wirbt um Basketball-Superstar

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LeBron James Wall Street umwirbt den Basketball-Superstar

Es ist eine Übernahmeschlacht der etwas anderen Art: Basketball-Superstar LeBron James sucht ein neues Team. Wall-Street-Konzerne und sogar ganze Städte umgarnen den Rekordsportler - er verspricht einen Geldregen von Abermillionen Dollar.

Selbst der legendäre Warren Buffett buhlt um seine Freundschaft. Er habe ihm "Milkshakes und Hamburger spendiert", erinnerte sich der US-Investmentguru an die erste Begegnung, wie an das erste Date mit der großen Liebe. "Ich war verblüfft, wie reif er für sein Alter war, nicht nur physisch, sondern auch in finanziellen Fragen." Mehr noch: "Wenn LeBron eine Aktie wäre, dann würde ich ihn kaufen."

LeBron James

Der Mann, dessen Loblied Buffett dergestalt im US-Magazin "Forbes" sang, ist kein junger Börsenhai, kein neuer Star-Trader, kein "Master of the Universe". Sein Universum ist der Court: spielt Basketball - und zwar besser als sonst jemand. Mit nur 25 wurde der NBA-Profi bereits zweimal in Folge "wertvollster Spieler der Saison" (MVP). Er besitzt zwei olympische Medaillen. Er ist der beste, bestbezahlte, bekannteste Basketballer der USA. Sie nennen ihn auch "King James".

Buffetts Börsenvergleich kommt aber nicht von ungefähr. Kein Sportler ist so eng mit der Wall Street verwoben wie James, durch Verträge, Partnerschaften, persönliche Anlagen und natürlich seinen PR-Wert. Der 2,03-Meter-Hüne ist viel mehr als ein Rekord-Dribbler. James kontrolliert ein Multimillionenimperium aus Sponsoren, Markennamen und Investments.

Am Wochenende nun begann James, der bisher für die Cleveland Cavaliers spielte, sich ein neues Team zu suchen. Als "free agent" ist er auf dem freien Spielermarkt verfügbar: Wer das beste Angebot macht, kriegt den Zuschlag.

Konzerne, Politiker - sie alle wollen ihn

Seitdem gibt es in den USA einen beispiellosen Hype, der an Börsengänge wie den von Google   erinnert und sogar die Fußball-WM und Wimbledon aus den Schlagzeilen verdrängte. "Eine internationale Seifenoper", staunte die "New York Times" - und widmete dieser Seifenoper dann selbst etliche Artikel, ebenso wie das "Wall Street Journal", das James eines Kommentars für würdig befand.

Denn nicht nur die konkurrierenden Teams umgarnen James. Sondern auch Konzerne, Politiker, Prominente, ja, ganze Städte. Sie machen hochfliegende Versprechungen, offerieren Privatjets und Penthäuser, derweil die Börsenkurse der Sponsoren vor Vorfreude nach oben klettern. In New York spielt gar Bürgermeister Michael Bloomberg höchstselbst den Lockvogel. "C'mon, LeBron!", ruft er auf einem Promo-Video in die Kamera. "Komm schon, LeBron!"

Denn vor allem die Wall Street ist heiß auf ihn. LeBron James' Jahreseinkommen - NBA-Salär plus diverse Sponsorengelder - beläuft sich auf schätzungsweise 43 Millionen Dollar. Danach lechzt die Goldman-Sachs-Garde nur.

All das ist eine lohnende Investition: Welches Team, welche Stadt, welcher Top-Sponsor es auch immer schafft, sich diesen Fisch zu angeln - James könnte, so Experten, allein den Buchwert seiner Basketball-Mannschaft um bis zu 250 Millionen Dollar hochtreiben. Zum Vergleich: "Forbes" schätzt den Wert der New York Knicks auf 586 Millionen Dollar und den der Los Angeles Lakers, des wertvollsten Teams der NBA, auf 607 Millionen Dollar.

Ganz zu schweigen von der Anziehungskraft, die Geld bekanntlich auf noch mehr Geld ausübt. Allein in New York, so hat Bloomberg offiziell ausrechnen lassen, würde James' Wechsel der lokalen Wirtschaft im Jahr 57,8 Millionen Dollar an Mehreinnahmen bringen.

Lukrative Verträge mit Nike und Co.

Da läuft auch den Sponsoren das Wasser im Mund zusammen. Schon so hat James - der "CHOSEN 1" (der Auserwählte) quer über den Rücken tätowiert hat und es im April 2008 als erster Schwarzer aufs Coverfoto von "Vogue" schaffte - extrem lukrative Verträge mit Nike  , McDonald's   und anderen Top-Firmen.

Allein Nike zahlt ihm bereits mehr als zehn Millionen Dollar im Jahr, im Gegenzug für ein Vielfaches an Umsatz, das er dem Konzern mit dessen Schuhkollektion beschert. McDonald's serviert rund vier Millionen Dollar pro Jahr dazu.

James' künftiger Kultstatus - etwa in New York, der Welthauptstadt der Werbung, oder mit einem Siegerteam wie den Miami Heat - würde diesen Marketing-Effekt nur potenzieren. Egal, ob er nun eine Talentschmiede wie Miami wählt oder eine Verliererriege wie die New Jersey Nets: Seine neue Mannschaft, so glauben die meisten, werde allein durch James zum Sieger.

Also standen die Freier seit Freitag Schlange, in einem gesichtslosen Bürobau in Akron in Ohio, wo James' Marketingfirma LRMR - eher eine Selbstvermarktungsfirma - ihren Sitz hat und wo der König die Bittsteller empfing. Hochwürden selbst rollte mit seinem weißen Cadillac-SUV zur Audienz an, in Trainingshose, grauem Nike-T-Shirt und dunkler Sonnenbrille.

Auch Rapper Jay-Z mischt mit

Den Bieterkrieg eröffneten die Nets, die sich - wie die rivalisierenden New York Knicks - als New Yorker Team verkaufen können, da sie 2012 nach Brooklyn umziehen. Leiter der Delegation: Nets-Mehrheitseigner Mikhail Prokhorov, der russische Multimilliardär und Finanzier (ebenfalls ein Zwei-Meter-Mann), flankiert von Rap-Mogul Jay-Z, dem Mitbesitzer des Teams und seinerseits ein Multimillionär.

Das ungleiche Duo symbolisierte den Clash von Cash und Celebrity in diesem Geschäft. Offen blieb, ob Jay-Z die Offerte mit seinem aktuellen Hit "Empire State of Mind" garnierte, die neue, inoffizielle Hymne New Yorks, in der James sogar eine eigene Zeile hat - die er sich allerdings mit Dwyane Wade teilen muss, seinem Rivalen aus Miami, der gerade selbst nach einem neuen Team Ausschau hält.

Während die Nets mit VIPs locken, haben die Knicks, die als nächstes vorsprachen, einen anderen Trumpf: den Madison Square Garden, die legendäre Sport- und Konzertarena mitten in Manhattan - das Mekka aller Basketball-Jünger. Knicks-Besitzer James Dolan, der die Gespräche mit James führte, ist hauptberuflich Chef des Kabelgiganten Comcast und dessen elf TV-Sportsendern sowie der Entertainment-Gruppe MSG, zu der die Knicks, der "Garden" und die Radio City Music Hall gehören.

Der "Pitch" der Knicks hatte einen Angelpunkt: James könnte mit dem Team - trotz dessen Pechsträhne - in New York auf Lebenszeit fast eine Milliarde Dollar verdienen. Auf diese Zahl war die Marketingfirma Interbrand gekommen, die das mit anderen Städten verglich: Cleveland (700 Millionen Dollar), Chicago (690 Millionen Dollar), Miami (600 Millionen Dollar).

Sponsoren hoffen auf Millionenmetropolen wie New York oder Miami

Das sind natürlich keine uneigennützigen Argumente. Für MSG würde ein Wechsel von James höhere Werbeeinnahmen, höhere Pay-TV-Abonnentengebühren und höhere Gewinne durch Merchandising bedeuten, was wiederum den MSG-Börsenkurs kräftig steigern könnte. Auch die Ticketpreise für den "Garden" oder für das geplante Barclays Center, die neue Knicks-Arena in Brooklyn, dürften mit James zulegen. Der Ökonom Patrick Rishe bezifferte den potentiellen Umsatzsprung für MSG auf bis zu 20 Millionen Dollar - allein im ersten Jahr.

Zu den anderen Konzernen, die auf James spekulieren, zählen nicht nur seine Sponsoren Nike und McDonald's. Sondern auch Adidas  , das einen langjährigen Vertrag mit der NBA hat, und das Hollywood-Studio Lions Gate, das die Rechte zu "More Than a Game" hält, den Dokumentarfilm über James' Leben, der bisher nur in relativ wenigen Kinos lief. Von einer Wiederauflage des Streifens wiederum würde auch der Firmenjäger Carl Icahn profitieren, der 32 Prozent Anteile an Lions Gate besitzt.

Die Sponsoren sind zwar nicht direkt an den Team-Verhandlungen beteiligt, haben aber ein großes Interesse an seiner Wahl: Je größer der Werbemarkt, umso besser. Millionenmetropolen wie New York oder Miami haben aus dieser Sicht also einen Heimvorteil - Erwägungen, die James sicher mit in Betracht ziehen dürfte.

Neben den zwei New Yorker Teams und Miami liegen deshalb auch noch die Chicago Bulls und die Los Angeles Clippers mit vorne im Rennen. Wettbüros sehen sogar die Bulls als führend und die New Yorker eher als Underdogs.

In Chicago könnte James in Michael Jordans Fußstapfen treten. Überdies bekamen die Bulls den bisher hochrangigsten Flankenschutz - von Präsident Barack Obama. Der verwandte sich persönlich für seine Heimatstadt: "Man könnte sich gut vorstellen, dass LeBron da ziemlich gut reinpasst", sagte er dem TV-Sender TNT.

Sollte James unschlüssig sein, kann er ja Warren Buffett fragen. Der prahlte, er habe James und seinem Kompagnon Maverick Carter schon ein paarmal telefonischen Rat gegeben. "Keiner von beiden hat meine Hilfe nötig, aber wenn sie mich brauchen - ich bin verfügbar."

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