Legende vom Sommermärchen Fußball-WM war Wirtschafts-Flop

Das DIW räumt auf mit der Legende vom wirtschaftlichen Sommermärchen: Entgegen der Beschwörungsformeln vieler Politiker hatte die Fußball-WM im vergangenen Jahr dem Institut zufolge keine nachweisbaren Effekte auf die Wirtschaft.


Berlin - Ökonomisch gesehen war die Fußball-WM ein Total-Flop: Zwar sei Deutschland eine überzeugende Außendarstellung gelungen, von ihr seien aber "keinerlei nennenswerte positive gesamtwirtschaftliche Effekte ausgegangen", heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Fans bei der WM: "Ein Mosaikstein im Wandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft"
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Fans bei der WM: "Ein Mosaikstein im Wandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft"

Danach lockte das Fußball-Fest zwar zahlreiche Besucher ins Land, "aber die ökonomischen Wirkungen ihrer Ausgaben war nicht so groß, dass sie konjunkturell spürbar waren", erklärten die Experten. "Insgesamt dürften allenfalls 500 Millionen Euro von ausländischen Gästen ausgegeben worden sein." Diese Schätzung sei bereits sehr optimistisch und bleibe weit hinter den Erwartungen zurück, die durch diverse Prognosen geweckt worden seien. Dasselbe gilt der Studie zufolge für die über mehrere Jahre verteilten Investitionen, zum Beispiel in den Ausbau der Stadien.

Vielleicht seien im Zusammenhang mit den Spielen verstärkt Elektro- und Sportartikel gekauft worden, erklärte das DIW. An den Umsätzen des Einzelhandel sei dies aber nicht zu erkennen. "Einen Anstieg des privaten Konsums hat es jedenfalls zur Zeit der WM nicht gegeben."

Das widerspricht einer Reihe von Prognosen, die vor der WM wirtschaftliche Effekte in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt hatten. Die eigentliche Bedeutung der Weltmeisterschaft für den Standort Deutschland sieht das DIW denn auch auf einem anderen Feld: "Die WM 2006 war gleichwohl ein Mosaikstein im Wandel der deutschen Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, die weltweit auch von Events gekennzeichnet ist."

ase/AP



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