Lehman-Pleite Verbraucherzentrale will Citibank wegen Betrugsverdachts anzeigen

Die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale will gegen die Citibank vorgehen. Der Vorwurf: Das Kreditinstitut habe Anlegern bewusst die Risiken von Lehman-Zertifikaten verschwiegen. Die Citibank sicherte die Prüfung der Beschwerden zu.


Düsseldorf - Im Namen von Lehman-Anlegern will die Verbraucherzentrale NRW die Citibank wegen Betrugverdachts anzeigen. Deren Mitarbeiter hätten die Zertifikate gezielt älteren, unerfahrenen Kunden angeboten, Risiken verschwiegen und Beratungsprotokolle manipuliert, sagte Verbraucherzentralen-Vorstand Klaus Müller am Mittwoch in Düsseldorf. Die US-Bank Lehman Brothers Chart zeigenwar im September im Zuge der Finanzkrise zusammengebrochen, die Zertifikate verloren ihren Wert.

Citibank in Düsseldorf: "Zertifikate gezielt älteren, unerfahrenen Kunden angeboten"
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Citibank in Düsseldorf: "Zertifikate gezielt älteren, unerfahrenen Kunden angeboten"

Über ein Umfrage-Formular im Internet habe die Verbraucherzentrale in den vergangenen zehn Tagen Fälle von 300 Betroffenen mit insgesamt rund 5,5 Millionen Euro Verlust zusammengetragen. Gut jeder Dritte sei Kunde der Citibank. An zweiter Stelle folge die Dresdner Bank.

Die Citibank kündigte auf Nachfrage an, jede einzelne Kunden-Beschwerde darauf zu überprüfen, ob die Beratungsstandards eingehalten wurden. "Jeder Kunde erhält beim Kauf alle Informationen über die Chancen, die ein Papier bietet, aber ebenso ausführliche Hinweise auf die Risiken, die mit einem Investment verbunden sind", teilte ein Sprecher am Sitz in Düsseldorf mit. Die Lehman-Zertifikate seien für den Käufer als Fremd-Produkt erkennbar gewesen.

"Wir schauen hier derzeit in Abgründe", sagte dagegen der Finanzexperte der Verbraucherzentrale, Thomas Bieber. Um hohe Provisionen zu kassieren, hätten Citibank-Mitarbeiter zum Teil über 80-Jährige aus sicheren Anlagen in die Risiko-Zertifikate gelockt. "Man hat bewusst das langjährige Vertrauen der Kunden in diese Bank ausgenutzt", sagte Bieber.

Die Citibank erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, es gebe bei der Beratung "sehr hohe Standards". Jede Beschwerde werde aber individuell überprüft. "Sollten in einzelnen Fällen diese Standards nicht eingehalten worden sein, werden wir entsprechend individuell reagieren."

Die Verbraucherzentrale kritisiert weiter, dass auch die Beratungspraxis mancher Sparkassen sich nicht von der der Privatbanken unterscheide. Auch bei der Hamburger und der Frankfurter Sparkasse seien Lehman-Papiere mit fragwürdigen Methoden an den Mann gebracht worden. Um kurzfristige Gewinne zu erzielen oder Provisionen einzustreichen, drängten Banken ihre Kunden immer häufiger in intransparente und riskante Anlageformen, sagte Müller. Die Verbraucherzentrale fordert deshalb unter anderem eine Ampel-Kennzeichnung für Finanzdienstleistungen.

Auch Sprecher der Sparkassen betonten gegenüber SPIEGEL ONLINE, die Kunden seien über die Risiken aufgeklärt worden.

Die am Dienstag angekündigte Entschädigung von Kunden der deutschen Lehman-Tochter hat nach Einschätzung von Anwälten unterdessen bei Privatanlegern für Verwirrung gesorgt. Für Tausende von Inhabern von Lehman-Zertifikaten bedeute die Ankündigung der Finanzaufsichtsbehörde BaFin rein gar nichts, erklärte der Frankfurter Anlegeranwalt Klaus Nieding am Mittwoch. Zu den wenigen Kunden der in Frankfurt sitzenden Lehman Brothers Bankhaus AG gehören vor allem große institutionelle Kunden wie zum Beispiel die Deutsche Rentenversicherung oder die Barmer Ersatzkasse, deren Einlagen nunmehr über den Einlagensicherungsfonds geschützt sind.

Nieding sprach sich dafür aus, aus moralischen Gründen auch den privaten Zertifikate-Inhabern zu helfen. So sollten sich Banken zu einer Entschädigung dieser Leute verpflichten müssen, falls sie Mittel aus dem staatlichen Bankenrettungspaket in Anspruch nehmen wollten. Bei den bundesweit bis zu 50.000 Geschädigten handele es sich überwiegend um Rentner, denen die Zertifikate als sichere Geldanlage verkauft worden seien.

kaz/dpa-AFX/dpa

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Seite 1
joga_bonito 24.10.2008
1.
Zitat von sysopDie Börsen beben, Banken geht das Geld aus, Sparer sind verunsichert: Wie soll man derzeit sein Geld anlegen? Was würden Sie machen? Wo fühlen Sie sich gut beraten?
K_O_N_S_E_R_V_E_N! weltwirtschaft=TILT!
triplchen 24.10.2008
2.
Zitat von sysopDie Börsen beben, Banken geht das Geld aus, Sparer sind verunsichert: Wie soll man derzeit sein Geld anlegen? Was würden Sie machen? Wo fühlen Sie sich gut beraten?
Eine gute Investition ist zur Zeit, Schuldenabbau in Kombination mit Bildung in traditionellen Bereichen. Also lokal in den traditionellen Mittelstand.
m*sh, 24.10.2008
3. Gleiche Situation
Ich befinde mich praktisch in der gleichen Situation wie sie die Autorin im Artikel hier (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,585736,00.html) schildert. Allerdings kann ich das Geld nicht langfristig anlegen, da ich es in zweieinhalb Jahren brauchen werde. An meinem kuenftigen Wohnort purzeln derzeit die Immobilienpreise (30% seit Anfang 2008), weshalb ein vorgezogener Immobilienkauf (noch) nicht in Frage kommt. Das beste (sichere) Angebot, das mir bislang unterbreitet wurde, ergibt fuer den Zeitraum von 20 Monaten eine Rendite von weniger als 5% nach Abzug von Steuern und Gebuehren. Das sind weniger als 2.5% p.a. Geld anlegen macht im Moment keinen Spass.
cgill, 24.10.2008
4.
Die 50.000 € decken sich ziemlich gut mit dem was ich zur zeit auf der Hohen Kante habe. Aktuell habe ich das wie folgt angelegt. 10.000 € in physischem Silber (Barren & Münzen) bei mir zu Hause. Keine Zertifikate, keine Edelmetalle in Schliessfächer bei der Bank (bei denen man unter Umständen wenn es wirklich knallt nicht ran kommt) sondern at home für den Worst Case (der hoffentlich nicht eintritt). 5.000 € in Bargeld Cash at home. Auch für den schlimmsten Fall der hoffentlich nicht eintritt. Der Rest 35.000€ in Tagesgeld bei Consors. BNP Tochter mit 70.000€ Einlagensicherung. Zweitgrösste Bank Europas mit AA+ Rating. Denke das dürfte zur Zeit noch die sicherste Bank Europas bzw. Deutschlands sein. Aktien, Fonds und co. werden erst wieder gekauft wenn der 30-Tage Schnitt des Dax den 200-Tages Schnitt nach oben durchstösst. Derivate (Optionsscheine & Zertifikate) sind mir persönlich zu stressig. Das mit der Erholung an der Börse wird dieses Jahr aber wohl nix mehr. Ich denke wenn man jetzt an Abgeltungssteuer sparen möchte und einsteigt zahlt man dafür teures Lehrgeld in Form sinkender Kurse. Ich fürchte das schlimmste an der Börse ist noch lange nicht vorbei ... Wo das Fallen des Dax aufhört ? Hoffentlich bei 4000 Punkten. Möglicherweise aber auch erst bei 2500 Punkten. Daher abwarten und das Pulver trocken halten. Genügend Essensvorräte (Konserven) zu Hause zu haben klingt erstmal albern. Denkt man aber mal in Ruhe darüber nach relativiert sich das ein wenig. Wenn man aber bedenkt das man sich auch im Auto anschnallt ohne das man die letzten 10 Jahre jemals eine Unfall hatte kann das so verkehrt nicht sein. Was kostet es wenn man die Konserven umsonst gekauft hat ? Und was würde man machen wenn tatsächlich mal für 1-2 Monate die Geschäfte geschlossen blieben?
Arthi, 24.10.2008
5.
Das Geld möglichst "verschwinden" lassen. So das es beim Eintritt in Harz 4 oder Pflegefall in der Familie nicht mehr zu finden ist.
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