Letzte Daten vor der Wahl Bundesagentur sieht leichte Belebung auf dem Job-Markt

Zum letzten Mal vor der Bundestagswahl im September hat die Bundesagentur für Arbeit heute die offizielle Zahl der Arbeitslosen bekannt gegeben. Die Quote sei etwas stärker gesunken als im August üblich, sagte der BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise.


Logo der Bundesagentur: Zahlen mit Zündstoff
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Logo der Bundesagentur: Zahlen mit Zündstoff

Nürnberg - Das Ritual war das gleiche wie in jedem Monat, dennoch war der heutige Tag für die Nürnberger Bundesagentur und die Berliner Politik ein besonderes Datum: Die BA gab die zum letzten Mal in diesem Wahlkampf Arbeitsmarktdaten bekannt - und sowohl der Bundeskanzler als auch die Opposition mühten sich, sie in ihrem Sinne zu interpretieren.

Die nackten Daten sehen folgendermaßen aus: Die Zahl der offiziell registrierten Arbeitslosen betrug im August 4,728 Millionen - das waren 44.000 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote reduzierte sich demnach gegenüber dem Juli von 11,5 auf 11,4 Prozent. Im Westen sei die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat um 7000 auf 3,166 Millionen gesunken, im Osten sei sie um 37.000 auf 1,562 Millionen zurückgegangen, teilte BA-Chef Weise mit.

Im August zeigten sich regelmäßig die ersten Anzeichen der Herbstbelebung, sagte Weise bei der Präsentation in Nürnberg. In diesem Monat sei die Blebung aber etwas stärker ausgefallen als jahreszeitlich üblich.

Tatsächlich ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Juli der stärkste in einem August seit elf Jahren. Dazu haben aber vor allem die steigende Zahl gemeinnütziger Ein-Euro-Jobs und eine künstliche Bereinigung der Statistik durch die telefonische Überprüfung des Status' von Arbeitslosengeld-II-Beziehern beigetragen.

Vergleichen mit dem August 2004 gab es bundesweit 382.000 Arbeitslose mehr. Dieses Plus ist aber größtenteils durch den statistischen Effekt der Hartz-IV-Reform bedingt, durch die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden.

Kanzler in Wahlkampf (in Augsburg): Hunderte neue Jobs pro Tag?
DPA

Kanzler in Wahlkampf (in Augsburg): Hunderte neue Jobs pro Tag?

Die Zahlen sind noch aus einem anderen Grunde schwer zu interpretieren: Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse ist die Zahl der Arbeitslosen im Vormonatsvergleich nur um 12.000 zurückgegangen. Damit fiel die Besserung bei den saisonbereinigten Zahlen etwas schwächer aus als von Volkswirten prognostiziert.

So bieten die Daten der Politik viel Möglichkeiten für kontroverse Debatten. Glaubt man dem Wahlkämpfer Schröder, zeigen die Zahlen eine Trendwende. Schon am Abend betonte der Bundeskanzler in der ARD, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sei seit April im Schnitt täglich um 1500 gestiegen.

Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement spricht von einer Trendwend. Die Marke von fünf Millionen Arbeitslosen liege "endgültig hinter uns", sagte er in Berlin. Zu dem "Trendwechsel" passe auch, dass im August erstmals wieder mehr Arbeitsstunden geleistet worden seien.

IW: Von Trendumkehr kann keine Rede sein

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet indes erst für 2007 eine Trendwende am Arbeitsmarkt. IW-Chef Michael Hüther sagte der "Berliner Zeitung", er rechne damit, dass bei einer auf Wachstum ausgerichteten Politik einer neuen Bundesregierung 2006 ein Wachstum von bis zu 1,5 Prozent erreicht werden könnte. Das reiche noch nicht. Hüther betonte: "2006 wird wie bereits in diesem Jahr der Entlassungsdruck weiter abnehmen. Das kommende Jahr wird die Vorbereitung einer Trendwende bringen. Die Trendwende selbst mit einem deutlichen Anstieg bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erwarten wir für 2007."

Die von der Union angestrebte Halbierung der Arbeitslosigkeit in Deutschland wird nach Ansicht des IW nicht in diesem Jahrzehnt zu erreichen sein. "Für die Halbierung der Arbeitslosenquote wird man mindestens zwei Legislaturperioden brauchen. Das heißt, bis Mitte des nächsten Jahrzehnts", sagte Hüther.

Gerhard Schröder hatte vor seiner Wahl 1998 angekündigt, er wolle seine Politik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt messen lassen. Seit seinem Amtsantritt erhöhte sich zwar die Zahl der Erwerbstätigen von 37,9 Millionen auf etwa 39 Millionen. Dies ist jedoch vor allem auf die Entstehung von Teilzeit- und Minijobs zurückzuführen. Sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze wurden kaum geschaffen.



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