Verkauf an RWE Letzter Landwirt am Tagebau Garzweiler gibt auf

Die Äcker von Eckardt Heukamp wurden zum Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle. Nun musste der Landwirt seinen Hof an den Energiekonzern RWE verkaufen. Nach Jahren der Konfrontation brauche er »eine Verschnaufpause«.
Landwirt Heukamp: »Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik«

Landwirt Heukamp: »Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik«

Foto: Thomas Banneyer / dpa

Lang hat Eckardt Heukamp um seinen Hof gekämpft, nun musste er aufgeben: Der letzte Landwirt in dem Ort Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler hat seinen Hof und die damit direkt verbundenen Flächen an den Betreiber RWE verkauft. Das bestätigte seine Anwältin. Vor einer Woche hatte das Oberverwaltungsgericht Münster entschieden, dass der Energiekonzern Heukamps Grundstück abbaggern darf. Im Rheinischen Revier fördert RWE jedes Jahr rund hundert Millionen Tonnen Braunkohle, um daraus vor allem Strom zu erzeugen.

Die Anwältin des Bauern erklärte, ihr Mandant habe schweren Herzens die Niederlage beim OVG gegen die Besitzeinweisung angenommen und für sich entschieden, die noch anhängigen Verfahren nicht weiterzuführen. »Mein Zuhause ist kein Spielball für Gerichte und Politik, die sich aus der Verantwortung für Klimaschutz ziehen wollen«, sagte der Landwirt laut einer Mitteilung der Initiative »Alle Dörfer bleiben«. »Nach zehn Jahren im Konflikt mit den Profitinteressen von RWE brauche ich eine Verschnaufpause.«

Räumungsstopp zurückgewiesen

Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass RWE das Grundstück des Landwirts am Braunkohletagebau Garzweiler abbaggern und dafür Vorbereitungsmaßnahmen treffen darf. Zuvor hatte bereits das Verwaltungsgericht Aachen einen entsprechenden Antrag auf einen vorläufigen Räumungsstopp zurückgewiesen.

Bauernhof von Landwirt Heukamp in Lützerath

Bauernhof von Landwirt Heukamp in Lützerath

Foto: Federico Gambarini / dpa

In Lützerath, einem Ortsteil der Stadt Erkelenz, südlich von Mönchengladbach und am Rand des Tagebaus Garzweiler, stehen nur noch wenige Gebäude. Damit die Bagger an die Kohle unter Lützerath kommen, werden die Einwohner des Orts seit 2006 umgesiedelt. Knapp hundert sind der Aufforderung nachgekommen – alle bis auf Eckardt Heukamp.

Aktivisten planen Demonstration

Seit Monaten leben Klimaaktivisten in Zelten, Wohnwagen und verlassenen Häusern vor Ort. Sie wollen verhindern, dass das Gelände für den Braunkohletagebau abgebaggert wird. Für den 23. April ist eine große Demonstration geplant.

Die Grünenabgeordnete Kathrin Henneberger spricht dem Landwirt ihre Solidarität aus: »Eckardt Heukamp hätte niemals in die Situation kommen dürfen, vor Gericht um seinen Bauernhof mit dem Kohlekonzern RWE streiten zu müssen«, schreibt sie in einer Stellungnahme. Die Braunkohle unter Lützerath sei nicht energiewirtschaftlich notwendig und solle angesichts der sich verschärfenden Klimakrise gar nicht mehr verfeuert werden. »Um die notwendige Zeit für die erforderliche Reformierung des Bergrechts sowie für die Erneuerbare Energiewende zu gewinnen, fordern wir weiterhin ein Moratorium für Lützerath.«

rai/dpa
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