Liechtenstein-Skandal Fast 1000 deutsche Steuersünder im Visier der Fahnder

Schlag gegen Steuersünder: Die Rostocker Staatsanwaltschaft hat gegen 996 deutsche Bankkunden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Durch Zufall kam sie an die Kontodaten der Sünder: Der Hauptangeklagte hatte sie dem Gericht übergeben, weil er sich damit entlasten wollte.


Rostock - Die Staatsanwaltschaft Rostock knöpft sich Steuersünder vor: Sie hat Ermittlungsverfahren gegen 996 deutsche Bankkunden wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. Die Einlagen der Kunden bei der Liechtensteiner Landesbank (LLB) bewegten sich zwischen 200.000 Euro und einstelligen Millionenbeträgen. Insgesamt weisen die Kontobelege laut Staatsanwaltschaft ein Anlagevolumen von über einer Milliarde Euro sowie die daraus erzielten Zinseinkünfte aus.

Schloss von Vaduz: Steuerparadies Liechtenstein
REUTERS

Schloss von Vaduz: Steuerparadies Liechtenstein

Auf die Schliche gekommen ist die Staatsanwaltschaft den Steuerhinterziehern durch Zufall: Eigentlich verhandelt das Rostocker Landgericht wegen mutmaßlicher Erpressung der Liechtensteiner Landesbank.

In dem seit April laufenden Prozess sind drei Männer angeklagt, die laut Staatsanwaltschaft rund 2300 gestohlene Datensätze über mögliche Schwarzgelder von LLB-Kunden erworben und die Bank sowie Kunden damit erpresst haben sollen. Die Verteidigung des Hauptangeklagten hatte Anfang August Kontobelege übergeben. Ziel war es früheren Angaben zufolge, im Prozess die Rolle der Bank zu beleuchten, was sich - so die Hoffnung der Verteidigung - strafmildernd auswirken könne. Er habe nur zeigen wollen, dass brisante Kundendaten nicht sicher seien, teilte der Angeklagte mit.

Doch so kam das Gericht an mehr als 2000 LLB-Kontobelege, die der Hauptangeklagte vorlegte. Damit konnte die Staatsanwaltschaft Steuersünder in fast allen Bundesländern ausfindig machen. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt seien keine Kontoinhaber ermittelt worden. Die meisten der Beschuldigten wohnen in München, Stuttgart und Frankfurt am Main.

Mit der Datenflut gelangten weitaus mehr mutmaßliche Steuersünder ins Visier der Fahnder, als bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit Schwarzkonten von Bundesbürgern bei der Liechtensteiner LGT-Bank zu Jahresbeginn. In beiden Fällen hatten Angestellte heimlich Kontendaten ausspioniert und an Mittelsmänner verkaufen wollen. Im LGT-Fall, der federführend von der Staatsanwaltschaft Bochum bearbeitet wird, wird gegen etwa 200 Konteninhaber ermittelt, darunter Ex-Postchef Klaus Zumwinkel. Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun.

cvk/dpa/ddp/Reuters



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