Medienbericht Lieferando kopiert offenbar tausendfach Restaurant-Websites

Die URL suggeriert, es handle sich um die Internetseite eines Restaurants. Wer sie anklickt, landet Recherchen des BR zufolge aber bei Lieferando. Der Sender zeigt, mit welchen Mitteln die Lieferplattform arbeitet.
Ein Lieferando-Fahrer in Berlin

Ein Lieferando-Fahrer in Berlin

Foto: Michael Kappeler/ DPA

Die gastronomische Lieferplattform Lieferando betreibt offenbar ein Netz aus sogenannten Schattenwebsites. Das zeigen Recherchen des Bayerischen Rundfunks. Dabei handelt es sich um Internetseiten, die vermuten lassen, sie gehörten Restaurants, die bei der Plattform angemeldet sind – tatsächlich wurden sie aber von Lieferando eingerichtet. Demnach habe der niederländische Mutterkonzern Just Eat Takeaway in ganz Europa ein Netz aus 120.000 Domains angelegt – 50.000 davon in Deutschland.

Viele der Gastronomen hätten nicht gewusst, dass Lieferando eine Website kopiert oder erstellt habe, berichtet der BR, auch wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ein Absatz dazu existiert.

Konkret ist vom Restaurant Jack Glockenbach im Zentrum Münchens die Rede. Lieferando hatte dem Bericht zufolge eine Website erstellt, deren URL der des Restaurants ähnlich ist. Wer es über eine Suchmaschine sucht, stößt zuerst auf die von Lieferando eingerichtete Website, von der der Nutzer auf die Lieferando-Startseite weitergeleitet wird. Der Betreiber des Restaurants kritisierte, Lieferando habe sich auf diese Weise »in den Vordergrund gedrängt«.

Auf Anfrage des BR verweist Lieferando darauf, dass diese Websites ein Service für die Restaurants seien. Die Erstellung der Seiten sei »vertraglich geregelt« und würde »unseren kleinen Restaurantpartnern zusätzliche Umsätze« einbringen.

Verschafft sich Lieferando einen Wettbewerbsvorteil?

Möglich ist allerdings auch, dass vor allem Lieferando von dem System profitiert. Etwa 13 Prozent Provision müssen Restaurants bei Bestellungen über die Plattform an den Konzern abtreten. Durch die Schattenwebsites erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde über Lieferando bestellt – und nicht direkt beim Restaurant. In letzterem Fall würde Lieferando keine Provision erhalten.

Der Experte für Kartellrecht und Professor für Bürgerliches Recht, Rupprecht Podszun von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, bezeichnet die Schattenwebsites im BR als ein Problem für die Gastronomie. Lieferando dränge sich zwischen Kunden und Restaurant, so der Kartellrechtler. Die Restaurants würden den direkten Zugang zum Kunden verlieren: »Die Art und Weise, wie das gemacht wird, halte ich für unfair und sicherlich für rechtlich der Überprüfung wert.«

bah