Lipobay-Skandal Zahl der Todesfälle fast verdoppelt

Der Cholisterinsenker Lipobay kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Bayer musste jetzt die Zahl der Todesmeldungen im Zusammenhang mit dem umstrittenen Präparat drastisch nach oben korrigieren.

Leverkusen - Der Leverkusener Pharmariese habe nach der Marktrücknahme des Medikaments weitere Meldungen über Tote erhalten, teilte das Unternehmen am Freitag in Leverkusen mit. Insgesamt seien inzwischen rund hundert Menschen mit Muskelschwäche in zeitlichem Zusammenhang mit der Einnahme von Lipobay gestorben. Zum Zeitpunkt des Vertriebsstopps im August 2001 war die Zahl der Verdachtsfälle mit 52 beziffert worden.

Bayer-Sprecher Michael Diehl betonte, die gestiegenen Zahlen seien "praktisch vollständig auf die Meldung von Todesfällen" zurückzuführen, die bereits vor dem 8. August eingetreten, zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht gemeldet gewesen seien.

Der Aktienkurs des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns sank , nachdem die Nachricht am Freitag die Runde gemacht hatte, zeitweise um 3,28 Prozent unter die Marke von 35 Euro.

Die zusätzlichen Fälle seien auf Grund der hohen Aufmerksamkeit, die die Rücknahme des Medikaments ausgelöst habe, nachgemeldet worden, sagt Diehl weiter. Es handele sich um Patienten, die im allgemeinen neben Lipobay auch noch andere Arzneimittel genommen hätten. Lipobay war von Bayer Anfang August 2001 wegen ungewöhnlich häufiger Nebenwirkungen im Zusammenhang mit anderen Medikamenten weltweit vom Markt genommen worden.

Wegen der Todesfälle im Zusammenhang mit Lipobay droht dem Chemie- und Pharmakonzern zudem eine Sammelklage in den USA. Ein Gericht in Minnesota soll in nächster Zeit über eine Klage entscheiden, kündigte der Münchner Anwalt Michael Witti unlängst an. Stellvertretend für rund 4000 Betroffene aus der ganzen Welt will Witti gemeinsam mit US-Anwälten vor Gericht ziehen. Nach Ansicht von Bayer ist ein Prozess in den USA nicht zulässig.

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