Living.com Möbelhaus vor dem Aus

Living.com, ein US-Internetkaufhaus für Möbel, gab bekannt, dass es ab sofort seine virtuellen Pforten schließen werde. Damit reiht sich eine weitere Internetfirma in die Dot.com-Todesliste ein.


Austin - Artig bedankt sich das Unternehmen auf der Homepage bei den ehemaligen Kunden und entschuldigt sich für eventuelle Unannehmlichkeiten. Weitere Informationen zu aufgegebenen Bestellungen soll es in den nächsten Tagen geben. Sogar über die Gründe für den Bankrott werden Interessierte aufgeklärt. Es heißt, dass der Kapitalmarkt mit seinem derzeitigen unfreundlichen Klima es der Firma unmöglich gemacht habe, neues Kapital zu gewinnen.

Noch im Februar hatte Living.com 41,5 Millionen Dollar an Wagniskapital aufgetrieben. Zur gleichen Zeit setzte der E-Commerce-Händler Amazon auf das Unternehmen. Amazon übernahm eine 18-prozentige Beteiligung an dem Start-up, Living.com sollte im Gegenzug 145 Millionen Dollar über die nächsten fünf Jahre für einen Link auf der Homepage des größten Internetkaufhauses zahlen. Noch am Tag der Schließung von Living.com verschwand dieser ebenso schnell, wie er aufgetaucht war.

Die 41,5 Millionen Dollar sind jetzt aufgebraucht, 275 Mitarbeiter entlassen und der Gang in den Konkurs steht Living.com bevor. Amazon will nicht mehr helfen und auch private Investoren werden wegen der Welle von Schließungen und Kurseinbrüchen zunehmend vorsichtiger bei Einstiegen in die New Economy. Living.com schreibt außerdem trotz der Millionen-Investments weiterhin rote Zahlen, was es nicht attraktiver macht.

Die Geschäftsidee, Möbel im Internet zu verkaufen, hat auch seine Haken. Da ein Probesitzen vor dem Kauf nicht möglich ist, muss der Kunde ein längeres Rückgaberecht haben. Andernfalls würde er vermutlich überhaupt nicht anbeißen. Der finanzielle Aufwand für das Unternehmen ist dagegen sehr groß, was mögliche Gewinne auffrisst.

Eine Sprecherin von Amazon sagte, dass das Ergebnis des Unternehmens nicht von dem Verlustgeschäft mit Living.com geschmälert werde. Anleger reagieren aber auch bei dem Branchenführer zusehends mit Skepsis auf die Entwicklung des Geschäfts. Beteiligungen wie die an Living.com sollten nämlich in den nächsten Jahren helfen, endlich Gewinne einzufahren. Auch die 145 Millionen Dollar, die Living.com Amazon zahlen wollte, werden in den Bilanzen fehlen.



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