Lkw-Gebühr Nur jede zehnte Mautbrücke ist scharf geschaltet
Hamburg/Mainz - In einem Versuch hat das ZDF-Magazin "Frontal 21" die Funktionsfähigkeit der Maut-Brücken überprüft. Der zuvor zur Mauterfassung eingebaute Bordcomputer in einem Test-Lkw wurde dazu deaktiviert. Anschließend befuhr der Lastwagen einen gebührenpflichtigen Streckenabschnitt.
Das Ergebnis des Versuchs, den "Frontal 21" zuvor beim Betreiberkonsortium Toll Collect angemeldet hatte, fiel katastrophal aus. Denn eigentlich hätten die an den Autobahnen installierten Maut-Brücken den Gebührenpreller registrieren müssen. 90 Prozent der Brücken zeigten allerdings keinerlei Aktivitäten. Rund zwei Monate nach dem Start hat das System demnach mit erheblichen Lücken zu kämpfen.
Toll Collect wies Probleme gegenüber SPIEGEL ONLINE zurück. "Frontal hat Glück gehabt", sagte ein Sprecher. Er bestätigte aber, dass nicht alle Mautbrücken ständig im Beweismittelversand gegen Mautpreller aktiviert sind. Lediglich 10 Prozent meldeten an die Zentrale. "Eine 100-Prozent-Erhebung wäre angesichts des Aufwands nicht wirtschaftlich", erklärte der Sprecher.
Die Lkw-Maut hatte Anfang Januar mit großer Verspätung den Betrieb aufgenommen. Inzwischen sind nach Angaben von Toll Collect knapp 380.000 elektronische Mautgeräte, sogenannte On-Board-Units, in in- und ausländischen Fahrzeugen eingebaut. Damit ist laut Bundesverkehrsministerium ein hohes Maß an Marktdeckung bereits erreicht. "Rund 77 Prozent der Lkw-Fahrten werden mit einer Obu durchgeführt", sagte Verkehrsminister Manfred Stolpe vergangenen Freitag. 23 Prozent entfallen demnach auf Tickets an Kassenautomaten und das Einbuchen über das Internet.
Die Beanstandungsquote bei Mautprellern und sonstigen Nicht-Zahlern hat sich nach Ministeriumsangaben bei drei Prozent eingependelt. Der Umfang der Einnahmen aus Bußgeldverfahren sei noch nicht bekannt. Das Regelbußgeld liege zwischen 75 Euro bei Fahrlässigkeit des Lkw-Fahrers und 300 Euro bei Vorsatz des Fuhrunternehmers.