Lkw-Maut Speditionsgewerbe glaubt nicht an pünktlichen Start

Noch rund sechs Monate bleiben Toll Collect für den zweiten Anlauf, das System zur Erfassung und Inkasso der Lkw-Maut zu Laufen zu bringen. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung bleibt skeptisch.


Mautstelle an der A4: Keine Garantie für einen pünktlichen Start
DDP

Mautstelle an der A4: Keine Garantie für einen pünktlichen Start

Berin/Frankfurt am Main - "Wenn ich wetten müsste, würde ich tippen, dass die Maut im Januar nicht kommt", sagte BGL-Chef Karlheinz Schmidt der "Berliner Zeitung". Ein reibungsloser Ablauf der Maut-Erhebung sei noch nicht gewährleistet. Nach Aussage Schmidts kann das Betreiberkonsortium Toll Collect noch keine Rechnungen für die erfassten Gebühren zu erstellen.

Toll-Collect-Sprecher Harald Lindlar widersprach dieser Darstellung. "Ich weiß nicht, wo der Vorwurf herkommt", sagte er am Freitag in Berlin. Bei einer Demonstration im Juni seien 41 Rechnungen produziert worden. Sie könnten nur deshalb nicht massenhaft erstellt werden, weil es dafür noch keine Daten gebe. "Unsere Zuversicht nimmt jeden Tag zu", sagte Lindlar. Zwar könne Toll Collect keine Garantie für die pünktliche Einführung am 1. Januar 2005 geben, aber es gebe keine Indizien, dass das das Unternehmen es nicht schaffe.

Der Deutsche Speditions- und Logistikverband zeigte sich ebenfalls optimistisch. "Wir sehen auch, dass der Terminplan eng gesteckt ist", sagte Verbandssprecherin Barbara Rauch. Trotzdem sei Toll Collect auf gutem Wege. Es sei verfrüht, von einer Verschiebung zu sprechen.

Aktionärsschützer sieht Toll Collect in Gefahr

Wegen der milliardenschweren Schadenersatzforderungen des Bundes gegen Toll Collect warnten Aktionärsschützer unterdessen vor dem Aus des Konsortiums. Wenn die Forderungen berechtigt sein sollten, drohe der Ausstieg von Telekom und DaimlerChrysler, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Freitag im Hessischen Rundfunk. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp seien nach dem Aktiengesetz verpflichtet, finanziellen Schaden von ihren Unternehmen abzuwenden.

In letzter Konsequenz könnten sich die beiden Konzerne aus dem Konsortium zurückziehen, sollten der Schadenersatz die zu erwartenden Einnahmen übersteigen, sagte Nieding. Wegen des Maut-Debakels will Verkehrsminister Manfred Stolpe etwa 3,7 Milliarden Euro von Toll Collect fordern.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.