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Manager Lockere Runden

Der ehemalige Chef der Metallgesellschaft soll seinen aufwendigen Lebensstil teilweise aus der Firmenkasse finanziert haben.
aus DER SPIEGEL 8/1994

Vor dem Portal des Hauses 149 East 73. Straße Ecke Lexington Avenue mitten in New York lauern Fotografen und Reporter. Doch keiner hat es bislang geschafft, Heinz Schimmelbusch, 49, abzulichten.

Der ehemalige Chef der Metallgesellschaft vermummt sich mit Stehkragen und Hut. Das zehnstöckige Backsteinhaus in der vornehmen Upper East Side betritt und verläßt er meistens im Schutz der Dunkelheit.

In seinem Appartement 7b inmitten von Manhattan bereitet sich der gebürtige Wiener mit amerikanischen Anwälten auf einen drohenden Prozeß vor. Der im Dezember fristlos gefeuerte Manager hat nicht nur eines der größten deutschen Unternehmen an den Rand des Ruins gewirtschaftet - er soll sich auch persönlich bereichert haben.

Doch kann ein Mann allein einen Konzern dieser Größe an den Abgrund führen? Die Kleinaktionäre und ihre Vertreter wollen sich jedenfalls, trotz Schimmelbuschs persönlicher Verfehlungen, mit ihm als Sündenbock nicht zufriedengeben.

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung des Konzerns am Donnerstag dieser Woche werden aufgebrachte Aktionäre auch dem Aufsichtsrat die Entlastung verweigern. Sie werfen vor allem dem Vorsitzenden des Kontrollgremiums, dem Deutsche-Bank-Vorstand Ronaldo Schmitz, vor, seine Aufsichtspflicht schwer vernachlässigt zu haben. Einige Aktionäre fordern deshalb, die beantragte Sonderprüfung gegen den alten Vorstand auch auf Mitglieder des Aufsichtsrats auszudehnen (siehe Kasten).

Schmitz und seine Kollegen werden sich fragen lassen müssen, warum Schimmelbusch seinen aufwendigen Lebensstil teilweise aus der Firmenkasse finanzieren konnte. Besonders in New York lebte der Chef der Metallgesellschaft gern auf Kosten des Konzerns.

Es begann Mitte 1980 mit dem Kauf der Eigentumswohnung in der 73. Straße. Den Kaufpreis von 340 000 Dollar pumpte sich Schimmelbusch bei der New Yorker Tochterfirma der Metallgesellschaft. Er hatte gerade die Leitung des Regionalbereichs Nordamerika der Metallgesellschaft mit Sitz in New York übernommen.

Trotz des günstigen Zinses war dem Manager der Aufwand für die Stadtwohnung zu hoch. Schimmelbusch, inzwischen Vorstandsmitglied, vermietete sie an die Metallgesellschaft Corp. Über die liefen später die verhängnisvollen Ölgeschäfte, die zum Beinahe-Konkurs des Unternehmens führten.

Der Mieter zahlte dem Eigentümer seit 1984 jährlich rund 75 000 Dollar. Keiner störte sich daran, daß der Vermieter sein Mobiliar in der Wohnung beließ und diese als einziger bei seinen zahllosen Aufenthalten in New York bewohnte.

Anfang der neunziger Jahre, wenige Monate nach der Ernennung zum Konzernchef, legte Schimmelbusch neue Mietkonditionen fest. Der Mieter verpflichtete sich, die Wohnung zu renovieren.

Der Umbau fiel der Position des Eigentümers und Dauernutzers entsprechend aus. Er kostete die Metallgesellschaft Corp. 260 000 Dollar.

Standesgemäß repräsentierte auch die Gattin des Chefs. Wenn sich das Ehepaar in New York aufhielt, stand Schimmelbuschs Frau ein Firmenwagen nebst Fahrer zur Verfügung. Der Lincoln für 55 000 Dollar wurde eigens für die Chefgattin angeschafft, der Chefwagen kostete 65 000 Dollar.

Ferien mit den drei Kindern machten die Schimmelbuschs vorwiegend in den USA. Das war nicht nur wegen der Dienstwagen eine billige Sache. Die Metallgesellschaft Corp. mietete aufwendige Ferienhäuser für die Cheffamilie an, mal auf Long Island, mal in Palm Beach - zusammengerechnet für rund 60 000 Dollar.

Kontrolle fand offenbar nicht statt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß Schimmelbusch und sein gefügiger Finanzvorstand Meinhard Forster dem Frankfurter Controlling untersagt hatten, die US-Dependance zu prüfen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die für die Konzernbilanz zuständig war, hatte keinen Einblick in die New Yorker Verhältnisse. Abschlußprüfer war die US-Gesellschaft Arthur Anderson. Alle Anträge von KPMG, auch New York prüfen zu dürfen, wurden abgelehnt.

Von alledem, behaupten die deutschen Aufsichtsräte der Metallgesellschaft, hätten sie nichts gewußt. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung will Aktionär Ulrich Steinhärter wissen, warum kein Kontrolleur dem Konzernchef den unerlaubten Umbau einer Dienstvilla untersagte.

Ohne offizielle Genehmigung des Aufsichtsrats ließ Schimmelbusch seit zwei Jahren ein Haus der Metallgesellschaft in der Nähe der Zentrale zu einer luxuriösen Dienstvilla umgestalten.

Der millionenteure Umbau war längst zum Gespött im Management und im Aufsichtsrat geworden. Immer wieder schwärmte Schimmelbusch von einer Housewarming-Party. Doch die Behausung wurde nicht fertig, weil das Ehepaar Schimmelbusch immer neue Renovierungswünsche hatte.

Für Gesprächsstoff im Konzern sorgte auch der großzügige Umgang des Chefs mit Spesen. Banker, Betriebsräte und Kollegen ließen Schimmelbusch gewähren, weil sie offenbar mit dabeisein konnten, wenn der Manager die Puppen tanzen ließ.

Zu den üppigen Empfängen beispielsweise anläßlich der Hannover-Messe verpflichtete er nicht nur den Barkeeper des Berliner Hotels Kempinski. Hostessen der Messe wurden zu abendlichen Vergnügungsstunden mit den Geschäftsfreunden und Kollegen verpflichtet.

Manche Teilnehmer der lockeren Runden auf Firmenkosten möchten am liebsten die Akte Schimmelbusch schließen. Einige Aufsichtsräte sind offenbar schon bereit, dem Ex-Chef als eine Art Schweigegeld eine gute Abfindung zu zahlen.

Auch Schimmelbusch drängt auf eine schnelle Lösung der Finanzen. Zehn Millionen Mark verlangt er für die Auflösung seines am 19. November 1993 um fünf Jahre verlängerten Vertrages und für den Verzicht auf die Pension. Er sei auch mit weniger zufrieden, ließ er über seine Anwälte durchblicken. Y

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