Löschfahrzeug-Produktion Das Geschäft mit dem Feuer

Deutsche Sicherheitstechnik ist gefragt - auch in der Wirtschaftskrise. In Brandenburg schraubt ein ehemaliger VEB Löschfahrzeuge in Handarbeit zusammen, das Ergebnis sind Feuerwehrautos nach Maß. Verkauft werden sie nach Saudi-Arabien und an die US-Armee.

Aus Luckenwalde berichtet Henning Zander


Luckenwalde - 400 Liter Wasser pro Minute, dazu 2800 Liter Luft und ein wenig Seife: Die Druckluftschaumanlage der Firma Rosenbauer läuft auf Hochtouren. Der Schaum wird durch die Schläuche gepresst, er löscht Brände besser als jeder Wasserstrahl - und hinterlässt weniger Schäden.

Die vier Männer der Feuerwehr Bayreuth sind begeistert. Sie sind extra ins brandenburgische Luckenwalde gekommen, um ihr neues Löschfahrzeug entgegenzunehmen. Es stammt von der Firma Rosenbauer Feuertechnik - und wie jedes Fabrikat ist es ein Einzelstück. Die Druckluftschaumanlage war ein besonderer Wunsch der Bayreuther Feuerwehr.

"Das ist nahezu hundert Prozent Handarbeit", wirbt Rosenbauer-Prokurist Uwe Neumann. Zwar ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben, was ein Feuerwehrauto leisten muss. Doch zu einem guten Teil kann jede Feuerwehr eigene Wünsche äußern. Während die Landfeuerwehren großen Wert darauf legen, dass ihre Fahrzeuge autonom arbeiten können, selbst Strom produzieren und auch einen großen Wasservorrat haben, geht es in der Stadt darum, schnell und wendig enge Straßen durchqueren zu können.

Das Geschäft boomt - trotz Wirtschaftskrise und knapper öffentlicher Kassen. Das Luckenwalder Werk ist voll ausgelastet, rund 246 Großfahrzeuge stehen für dieses Jahr in den Auftragsbüchern. Von Kurzarbeit keine Spur.

Das Werk wurde 1878 gegründet

Das Werk in Luckenwalde kann auf eine lange Tradition zurückblicken. 1878 wurde die Firma gegründet. Nach der Enteignung 1948 wurde sie zum Volkseigenen Betrieb (VEB), der einen Großteil der Löschfahrzeuge und Drehleitern der DDR baute. Nach der Wende drohte das Aus, 1995 wurde Insolvenz angemeldet. Mit dem neuen Eigentümer Rosenbauer konnte sich der Betrieb wieder aufrappeln.

Rund 160 Mitarbeiter beschäftigt Rosenbauer heute vor Ort, allein in diesem Jahr wurden zusätzlich 20 neue Leute eingestellt. "Wir spüren einen hohen Nachholbedarf bei der Sicherheitstechnik", sagt Geschäftsführer Franz Berger. "Es scheint, als hätten sich viele Kommunen durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung entschlossen, ihren Fuhrpark zu erneuern."

Und auch im Ausland kommen die deutschen Feuerwehrautos gut an. So lieferten die Brandenburger im vergangenen Jahr einige Dutzend Löschfahrzeuge an die US-Armee in Afghanistan. "Wir profitieren davon, dass unser Mutterkonzern international aufgestellt ist", sagt Franz Berger. Rosenbauer International ist als Lieferant der US-Armee gelistet.

In Arabien sind Feuerwehrautos weiß - wegen der Hitze

Das Geschäft mit dem Feuer ist international - und es wächst immer weiter. Bereits die Hälfte der Rosenbauer-Produktion geht ins Ausland. Selbst in Saudi-Arabien wird die Qualität der Luckenwalder geschätzt. Gerade erst haben sie zwei Löschfahrzeuge in den Wüstenstaat verkauft. "Die Wagen müssen bei einem Brand ohnehin größte Hitze aushalten. Das ist auch in Saudi-Arabien nicht anders", erklärt Neumann .

Nur auf das traditionelle Feuerwehrrot musste bei der arabischen Lieferung verzichtet werden: Die Wagen sind weiß - dunkle Farben würden sich zu sehr aufheizen, in der Fahrerkabine würde es unerträglich heiß.

Rosenbauer nutzt die Fahrgestelle großer Nutzfahrzeughersteller wie MAN, Mercedes oder Scania. In Luckenwalde wird dann das hinzugefügt, was aus einem normalen Lkw ein Feuerwehrauto macht.

Das ist zum einen die Mannschaftskabine, die sich hinter dem Fahrerhaus befindet. Die Vorarbeiten hierfür erledigt das Mutterwerk im österreichischen Leonding, in Luckenwalde wird die Kabine dann verkabelt und mit dem Fahrerhaus zu einer Einheit montiert. Das Herz eines Löschfahrzeugs ist allerdings der sogenannte Gerätekoffer. Er macht rund zwei Drittel des ganzen Fahrzeugs aus. In seinem Kern befindet sich der Löschwassertank, der bei größeren Fahrzeugen 5000 Liter fassen kann.

Viele Mitarbeiter sind selbst bei der Feuerwehr

In Luckenwalde gehört Rosenbauer zu den größten Arbeitgebern. Die meisten Mitarbeiter stammen aus der direkten Umgebung, viele haben schon in der DDR für den Betrieb gearbeitet. "Für diese Arbeit braucht man Erfahrung", sagt Prokurist Neumann. "Das geht nicht im Akkord."

So wie bei Detlef Voigt. Der 55-Jährige montiert Halterungen für den Gerätekoffer. An ihnen werden später die Strahlrohre, Druckschläuche und das Sprungtuch eingehängt. Nichts darf sich während des Einsatzes verheddern oder blockieren. "Gute Entnehmbarkeit" heißt dies im Jargon der Feuerwehr. Ohne Verzögerung muss der Löschtrupp mit seiner Arbeit beginnen können, jede Minute kann Leben retten.

Detlef Voigt weiß, was die Kameraden im Einsatz brauchen. Er selbst ist bei der freiwilligen Feuerwehr in Gottow, einem Nachbarort von Luckenwalde. "Das ist ein unbezahlbarer Erfahrungsschatz", schwärmt Rosenbauer-Prokurist Neumann. Jeder fünfte Mitarbeiter engagiert sich privat bei der Feuerwehr. Da ist gute Arbeit Ehrensache.



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