Logistikkonzern Post verbucht Milliardenverlust

Die Finanzkrise und das miese US-Geschäft haben der Deutschen Post 2008 hohe Verluste beschert. Erstmals seit der Privatisierung vor gut zehn Jahren und dem Börsengang im Jahr 2000 schreibt der Logistiker rote Zahlen - und zahlt trotzdem Dividende.


Bonn - Die Deutschen Post hat im vergangenen Geschäftsjahr hohe Verluste eingefahren: Der Logistikkonzern meldete am Mittwoch für 2008 ein Minus von knapp 1,7 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag der Gewinn nach Steuern noch bei 1,38 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg den Angaben zufolge um 0,8 Prozent auf 54,47 Milliarden Euro.

Post-Zentrale in Bonn: Umsatz und Ergebnis brechen ein
AP

Post-Zentrale in Bonn: Umsatz und Ergebnis brechen ein

Für die Post ist es der erste Verlust seit der Privatisierung der früheren Bundespost vor gut zehn Jahren und dem Börsengang im Jahr 2000. Vor allem im vierten Quartal sei das Ergebnis mit einem Minus nach Steuern von fast 3,2 Milliarden Euro massiv eingebrochen, teilte das Unternehmen mit. Gründe seien die Wirtschaftskrise und Verluste der Postbank Chart zeigen. Vor allem hätten aber Restrukturierungskosten in den USA die Bilanz belastet.

Der Umsatz schrumpfte im Zeitraum von Oktober bis Dezember wegen der weltweiten Wirtschaftskrise um 3,3 Prozent auf 14,02 Milliarden Euro. Die Post blieb damit unter den Erwartungen von Analysten.

Nach eigenen Angaben erreichte das Unternehmen zumindest seine operativen Ziele für 2008. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank vor Einmaleffekten zwar um 9,7 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro, lag damit aber im Bereich der bereits reduzierten Prognose. Die Post will über weitere Einzelheiten bei einer Telefonkonferenz am Donnerstag berichten.

Express-Chef wird ausgewechselt

Zudem erklärte der Logistiker den Abschied von Express-Chef John Mullen. Der Manager scheidet überraschend aus. Die Post nannte gesundheitliche Gründe für Mullens Rückzug. Er werde das Unternehmen als Berater weiter unterstützen, hieß es.

Mullen war seit 1994 im Konzern tätig. In ihrer Express-Sparte, dem Geschäft mit eiligen Sendungen, hatte die Post in den vergangenen Jahren mit roten Zahlen zu kämpfen. In den USA häuften sich mehrere Milliarden Euro Fehlbetrag an. Mullens Nachfolge tritt der 53-jährige Ken Allen an. Der Brite hatte zuletzt das Umbauprogramm der US-Sparte verantwortet.

Keine Prognose für 2009

Eine Besserung der Lage erwartet die Post nicht: Im ersten Quartal 2009 habe sich der "spürbare Nachfragerückgang" noch verschärft, teilte der Konzern weiter mit. Der Volumenrückgang könne sich sogar über die erste Jahreshälfte hinaus fortsetzen. Konzernchef Frank Appel gab entsprechend keine konkrete Prognose für 2009 ab.

Appel kündigte angesichts der schwierigen Lage ein Sparprogramm an. "Nun muss der Fokus mehr denn je auf Kostensenkungen und der Schaffung von Liquidität liegen", sagte der Unternehmenschef. Der Konzern habe bereits im vergangenen Jahr "energische Schritte" eingeleitet, um die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren und Barbestände zu erhalten.

Der Vorstand erhält neben seinem Grundgehalt für 2008 keine zusätzlichen Bonuszahlungen. Der Aufsichtsrat habe hier dem Wunsch des Vorstands entsprochen, sagte Post-Sprecherin Silje Skogstad. Auf eine Ausschüttung an die Anteilseigner will das im Leitindex Dax Chart zeigen notierte Unternehmen trotz des hohen Verlustes dagegen nicht verzichten. Die Aktionäre erhalten für 2008 eine Dividende in Höhe von 60 Cent je Aktie. Im Vorjahr gab es noch 90 Cent pro Post-Papier.

Teilverkauf der Postbank perfekt

Am Mittwoch hat die Post sich von einem Teil ihrer Postbank-Aktien getrennt. Die Deutsche Bank Chart zeigen hat in einem ersten Schritt wie geplant 22,9 Prozent der Anteile übernommen. Im Gegenzug beteiligt sich die Post mit rund acht Prozent an der Deutschen Bank.

Das Volumen der ersten beiden Tranchen liege wie im Januar vereinbart bei 3,8 Milliarden Euro, berichtete die Post. Allerdings habe man zusätzlich zu den schon im Januar übertragenen 3,1 Milliarden Euro bereits jetzt weitere 1,1 Milliarden Euro an Barmitteln erhalten. Die Differenz zu den ursprünglich erwarteten liquiden Mitteln sei auf Kurssicherungsmaßnahmen zurückzuführen. Der Barwert der gesamten Transaktion liege unverändert bei 4,9 Milliarden Euro.

suc/dpa/Reuters



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