Lohnforderung IG Metall peilt fünf Prozent mehr an

Die IG Metall geht voraussichtlich mit einer Forderung von fünf Prozent mehr Geld in die anstehende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. Damit sind scharfe Konflikte bereits absehbar: Die Arbeitgeber sehen nach bisherigen Aussagen höchstens einen Spielraum von 1,2 Prozent.


Frankfurt am Main - Morgen wird der Hauptvorstand der IG Metall endgültig den Rahmen für die regional geführten Gespräche abstecken, die am 8. Februar beginnen. Dabei wird sich die Gewerkschaft wohl auf fünf Prozent einigen. Alle IG-Metall-Bezirke haben zuvor diese Forderung beschlossen - zuletzt Baden-Württemberg, Bayern und der Bezirk Küste.

IG-Metall-Chef Peters: Unternehmen zu Innovationen verpflichten
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IG-Metall-Chef Peters: Unternehmen zu Innovationen verpflichten

Die IG Metall rechnet mit schwierigen Verhandlungen für die insgesamt rund 3,4 Millionen Beschäftigten der deutschen Schlüsselindustrie. Gewerkschaftschef Jürgen Peters sagte, der Arbeitgeberverband Gesamtmetall arbeite seit geraumer Zeit "systematisch auf einen Konflikt hin", indem er falsche Erwartungen in den eigenen Reihen wecke. Der Tarifabschluss werde sicherlich "nicht annähernd" bei dem vom Arbeitgeberverband genannten maximalen Spielraum von 1,2 Prozent liegen.

Wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung rechne er mit einem Tarifabschluss von zwölf Monaten Laufzeit, sagte Peters. Die Forderung der Arbeitgeber nach Lohnerhöhungen in Form von Einmalzahlungen wies er als inakzeptabel zurück.

Gesamtmetall-Vize Otmar Zwiebelhofer, der zugleich Verhandlungsführer in Baden-Württemberg ist, nannte dagegen die Gewerkschaftsforderung "völlig wirklichkeitsblind und illusorisch". Arbeitsplätze müssten in Deutschland gehalten werden. Dies gehe nur mit einer Tarifpolitik, die sich am gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachs orientiere.

Arbeitgeber wollen Einstellungen belohnen

Die Verhandlungen beginnen am 8. Februar für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die Friedenspflicht endet am 28. März. In die letzte Tarifrunde im Jahr 2004 war die IG Metall mit der Forderung nach vier Prozent mehr Lohn und Gehalt gegangen und erstritt eine zweistufige Entgelterhöhung um zunächst 2,2 und dann 2,7 Prozent.

Dieses Jahr will die Gewerkschaft neben der Lohnerhöhung unter anderem einen Anspruch der Beschäftigten auf Weiterbildung sowie eine Verpflichtung der Unternehmen zu Innovationen durchsetzen, was Gesamtmetall aber bislang ablehnt. Der Arbeitgeberverband verlangt einen niedrigen und differenzierten Abschluss und hat die Tarifrunde unter das Motto "Arbeit in Deutschland halten" gestellt.

Zwiebelhofer schlug in den "Stuttgarter Nachrichten" vor, Betriebe, die Arbeitsplätze schaffen, zu belohnen. Wer Mitarbeiter einstelle, solle die Möglichkeit bekommen, seine Gesamtbelegschaft länger und ohne Lohnausgleich arbeiten zu lassen. Mit der Verknüpfung von Jobaufbau und Arbeitszeitverlängerung werde der IG Metall das "Totschlagargument", längere Arbeitszeiten kosteten Arbeitsplätze, genommen.

Der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer verlangte dagegen, dass "die Arbeitnehmer am Erfolg des Erwirtschafteten teilhaben, da sie in den vergangenen Jahren keine realen Zuwächse erzielen konnten." Sein baden-württembergischer Kollege Jörg Hofmann sagte, es sei mehr Einkommen für die Beschäftigten notwendig, damit die Binnennachfrage in Schwung komme. Dann würden auch neue Arbeitsplätze entstehen. Die Verhandlungen in dem einflussreichen Bezirk im Südwesten werden überlagert vom Streit über die Abschaffung der als "Steinkühler-Pause" bekannten Erholungszeiten für Band- und Akkordarbeiter.



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