Lokführertarife Bahn und GDL starten Verhandlungsmarathon

Für den Bahnvorstand und die GDL-Spitze werden es anstrengende Weihnachten: Ab heute verhandeln sie über die Gehälter der Lokführer - ein Gespräch, an das noch vor zwei Tagen niemand geglaubt hat. Der Ausgang ist ungewiss: Die Liste der Streitpunkte ist ellenlang.


Hamburg - Es passt zu der immer skurrileren Auseinandersetzung, dass um das Treffen ein riesiges Geheimnis gemacht wird. Von einem "neutralen Ort" ist nur die Rede, an dem sich die Verhandlungsführer der Lokführergewerkschaft GDL und der Bahn ab heute zusammensetzen wollen. Als Zeitpunkt für den Beginn hieß es: So bald wie möglich.

GDL-Chef Schell und Bahnchef Mehdorn: Angeblich sind sie sich gestern in wichtigen Punkten näher gekommen
DDP

GDL-Chef Schell und Bahnchef Mehdorn: Angeblich sind sie sich gestern in wichtigen Punkten näher gekommen

Die Gespräche sind delikat. Erst am Mittwoch hatte die GDL die Tarifverhandlungen mit dem Konzern urplötzlich abgebrochen, weil man keinerlei Lösungschancen sah. Die Bahn wolle die Gewerkschaft "ein für alle Mal tarifpolitisch in Abhängigkeit" bringen, sagte die Gewerkschaft zur Begründung für den Eklat. Der Konzern mache einen Kooperationsvertrag zwischen den drei im Konzern konkurrierenden Bahn-Gewerkschaften zur Voraussetzung für einen eigenen Lokführertarifvertrag. Die GDL will eine solche Vereinbarung aber erst später abschließen - und sich auch nicht so eng an die beiden anderen Arbeitnehmerorganisationen Transnet und GDBA binden, wie von der Bahn verlangt.

Nach einem Spitzentreffen von GDL-Chef Manfred Schell, Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hieß es gestern dann plötzlich: Nun wird doch wieder verhandelt. Tiefensee erklärte den Stimmungswandel mit der "konstruktiven Atmosphäre" in dem mehrstündigen Dreiergespräch. Man sei einander in ganz konkreten Punkten näher gekommen. Schell sagte im "heute-journal", es sei gelungen, "Nebenkriegsschauplätze wegzuräumen". Einzelheiten wurden aber nicht genannt. Und die hölzernen Formulierungen in der gestrigen gemeinsamen Erklärung Tiefensees, Schells und Mehdorns zeigen: Es wird nicht gerade weihnachtliche Kuschelstimmung herrschen bei den Gesprächen, die über die gesamten Feiertage hin fortgesetzt werden sollen.

Da hieß es etwa: "Herr Schell wiederholt noch einmal, dass, sollten die Verhandlungen einen Stand erreichen, der ein absehbares erfolgreiches Ende der Tarifverhandlungen in Aussicht stellt, die Arbeitskämpfe am 7. Januar 2008 nicht beginnen werden." Eigentlich wollten die Lokführer Anfang des neuen Jahres erneut die Arbeit niederlegen. Auch der letzte Verhandlungstag wurde gestern vorsichtshalber recht spät angesetzt - bis zum 6. Januar werde man versuchen, zu einer Lösung zu kommen, hieß es.

Auch Tiefensee mahnte vorsichtshalber, der Ausgang der Gespräche sei nicht sicher. Es gebe keine Erfolgsgarantie - denn eine Ansage von oben könne er nicht machen: "Es gibt kein Basta. Es gibt keine Weisung in Tarifkonflikten. Sondern die Tarifpartner müssen eine Lösung finden. Da ist es wichtig, auf die Folgen hinzuweisen, diese oder jene Formulierung zu finden".

ase/AP/dpa



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