Protest gegen Menschenrechtsverletzungen Londoner U-Bahn verbietet Katar-Werbung

Londons Verkehrsbetriebe haben eigentlich ein Werbeverbot für Staaten mit Menschenrechtsverletzungen. Für die WM gab es eine Ausnahme, doch die soll nun nicht mehr gelten. Katar ist empört – und droht mit dem Abzug von Investitionen.
Hier gibt es keine Katar-Werbung – und ab sofort auch nirgendwo sonst in Londons U-Bahn

Hier gibt es keine Katar-Werbung – und ab sofort auch nirgendwo sonst in Londons U-Bahn

Foto: Kirsty Wigglesworth/ dpa

Die Entscheidung kommt zwar spät, aber nun macht die städtische Verkehrsgesellschaft Londons ernst: Aus Protest gegen die Verletzung von Menschenrechten in Katar, dem Gastgeberland der Fußballweltmeisterschaft, wird in Bussen und U-Bahnen der Stadt nun keine Werbung mehr für den Wüstenstaat gemacht. Die Verkehrsgesellschaft Transport for London bestätigte der Zeitung »Financial Times«, dass seit dieser Woche keine solchen Anzeigen mehr gezeigt würden. Das berichtet das Blatt am Samstag.

Eigentlich hatte das Verkehrsunternehmen bereits vor einigen Jahren auf Anweisung des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan (Labourpartei) Werbung aus Ländern, in denen Homosexualität strafbar ist, unterbunden. Allerdings gab es rund um die Weltmeisterschaft dennoch zunächst eine Tourismuskampagne aus Katar auf Londoner Werbetafeln.

Bislang war Geld aus Katar in London omnipräsent

Die Reaktion aus Doha folgte auf dem Fuß: Katar kündigte an, bereits bestehende und geplante Investments in London und anderen britischen Städten auf den Prüfstand zu stellen, so die »Financial Times« unter Berufung auf eine involvierte Quelle in Katar. Der Insider sagte der Zeitung, man habe den Eindruck, dass katarische Investitionen in der britischen Hauptstadt nicht willkommen seien, und warf den Briten Doppelmoral vor. Eine offizielle Stellungnahme gab es zunächst nicht aus Doha.

In den vergangenen Jahrzehnten waren Investitionen aus Katar in London eigentlich omnipräsent: So gehört das Luxuskaufhaus Harrods katarischen Investoren, ebenso das Mega-Hochhaus The Shard, mit 310 Metern das höchste Haus Westeuropas. Auch am größten britischen Flughafen Heathrow und mehreren Hotelketten halten die Geldgeber aus Katar Anteile. Außerdem ist der Wüstenstaat im Energiebereich ein wichtiger Lieferant für das Vereinigte Königreich, etwa über Tanker, die Großbritannien mit Flüssiggas beliefern.

beb/dpa
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