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29. Oktober 2001, 06:49 Uhr

LTU

"Es sieht nicht gut aus"

Der Chartergesellschaft LTU droht offenbar schon in absehbarer Zeit die Pleite. Die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens reicht angeblich nur noch bis Mitte November, Reiseveranstalter suchen bereits Alternativen.

Bald nicht mehr startklar? LTU-Flieger in Düsseldorf
DPA

Bald nicht mehr startklar? LTU-Flieger in Düsseldorf

Hamburg - Für LTU sei die Lage besonders dramatisch, weil Anteilseigner Rewe keine zusätzliche Hilfe in Aussicht stelle, berichtet die "Financial Times Deutschland". "Rewe hat sich nicht über das bisherige Maß hinaus beteiligt und wird dies auch nicht tun", sagte Hans Reischl, Chef der Kölner Handels- und Tourismusgruppe.

Um die Bonität von LTU zu garantieren, hält Reischl eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen in Höhe von 300 Millionen Mark für notwendig. "Das Überleben von LTU hängt von der Landesbürgschaft und anderen Krediten ab", sagte er.

Ein solcher Schritt müsste von der EU genehmigt werden. Vertreter des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums führten bei der Generaldirektion für Transport und Verkehr in Brüssel bereits Gespräche, hieß es weiter. LTU hat nach eigenen Angaben alle Unterlagen für einen Bürgerschaftsantrag zur Verfügung gestellt.

Branchenkreise setzen offenbar nicht mehr auf ein Fortbestehen der LTU. "Es sieht nicht gut aus. Natürlich haben wir schon vorgesorgt", hieß es bei einem Veranstalter, der Fernreisen bislang über die LTU abwickelt. "Es wäre für den Wettbewerb nachteilig, künftig vor allem auf Condor angewiesen zu sein. Dennoch gibt es derzeit auf dem Markt wohl genügend Kapazitäten auch ohne die LTU-Maschinen", sagte ein Manager.

Dies zeige auch die klare Absage aus Hannover seitens des größten Reiseveranstalters TUI, sich stärker bei LTU zu engagieren, obwohl bisher zwei Drittel der Fernflüge der TUI über den Düsseldorfer Carrier abgewickelt würden. "TUI wird ohne LTU allerdings zumindest vorübergehend alle Fernflüge beim Konkurrenten Thomas Cook und dessen Ferienflieger Condor buchen müssen", sagte ein anderer Branchenkenner. Die Preussag-eigene Fluggesellschaft Hapag Lloyd fliegt seit Jahresbeginn keine Langstrecken mehr.

Der Chef der TUI-Mutter Preussag , Michael Frenzel, hatte zuletzt öffentlich erklärt, es gebe ein großes Interesse am Fortbestand von LTU. Ein finanzielles Engagement schloss der Manager aber aus.

In der Reisebranche wird zudem über die Zukunft der noch jungen Rewe-Touristik gesprochen. Der Handelskonzern habe bei seiner Übernahme der defizitären LTU-Touristik (Tjaereborg, Jahn Reisen) von Beginn an wenig Interesse an der gleichnamigen Fluggesellschaft gehabt. Es stelle sich erneut die Frage, ob Reischl seine Investitionen in die Touristiksparte am Ende nicht doch vor allem als "Steuerabschreibungsmodell" konzipiert habe.

Rewe ist mit 40 Prozent Anteil zweitgrößter LTU-Gesellschafter hinter Swissair, die 49,9 Prozent hält. Die Schweizer Fluglinie steht unter Insolvenzverwaltung. Für ihren Anteil wird ein neuer Investor gesucht, der die anteiligen Verluste der LTU in seine Bilanz aufnehmen kann. Eine Übernahme des Swissair-Anteils durch Branchenfremde aus rein steuerlichen Gründen schloss Reischl aus.

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