Luftfahrt "Geisterflugzeug" von Airbus nimmt Gestalt an

Der "Dreamliner" 7E7 soll Boeing endlich wieder eine Erfolgsstory bescheren. Derzeit aber lenkt Konkurrent Airbus wieder alle Aufmerksamkeit der Branche auf sich - die Europäer wollen den lang erwarteten A350 gegen die amerikanische Neuentwicklung in Position bringen.


Toulouse - Airbus wolle spätestens Anfang 2006 ein neues Verkehrsflugzeug auf den Markt bringen. Dies kündigte Noel Forgeard, Chef der Tochter des EADS-Konzerns Chart zeigen, in Toulouse nach der Übergabe eines Flugzeugs des Typs A300-600 an Air Hongkong an. Über Größe und Reichweite schwieg sich Forgeard aus. Allerdings dürfte es sich um ein Konkurrenzmodell zur 7E7 von Erzkonkurrent Boeing Chart zeigen handeln.



Die 7E7 ist laut Boeing eine neue Flugzeugfamilie in der Kategorie von 200 bis 300 Sitzen, die Strecken von 6500 bis 16.000 Kilometer abdeckt. Die mittelgroße Maschine soll nicht nur die Reichweiten heutiger Großraumflugzeuge bieten, sondern auch mit einer Geschwindigkeit von bis zu Mach 0.85 fliegen - der Geschwindigkeit der heutigen schnellsten Verkehrsflugzeuge - und dabei weniger Kraftstoff verbrauchen. Der Erstflug wird für 2007 erwartet, die Zulassung, erste Auslieferung und Aufnahme des Liniendienstes dann 2008. Der Airbus A380 ist das neueste und zugleich größte Zukunftsprojekt von Airbus und soll die jahrzehntelange US-amerikanische Marktführerschaft der Boeing 747 brechen. Die Entwicklung des doppelstöckigen Riesen wurde im Dezember 2000 begonnen. Zum Jungfernflug soll die A380 spätestens im Frühjahr 2005 starten. Suche nach dem Concorde-Nachfolger: Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget im Jahre 2001 stellte Boeing erstmals ein Modell des Sonic Cruiser (Foto) vor, mit dem die Tradition der Überschallflugzeuge fortgesetzt werden sollte. Nach den Anschlägen vom 11. September und der anschließenden Luftfahrtkrise wurde das Projekt ad acta gelegt. Jüngst aber meldete Airbus Überschallambitionen an.

Projektpläne - an was Boeing und Airbus arbeiten:
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Die Amerikaner setzen große Hoffnungen in die 7E7. "Ich glaube, dass die Fluglinien in Zukunft mehr Direktverbindungen auch von kleineren Flughäfen anbieten statt nur die großen Drehkreuze zu bedienen", sagte Alan Mulally, Chef der Boeing-Zivilflugzeugsparte, Ende Juli zu den Perspektiven für die Neuentwicklung.

Boeing verkauft die 7E7 als neue Flugzeugfamilie in der Kategorie von 200 bis 300 Sitzen für die Strecken von 6500 bis 16.000 Kilometer. Der mittelgroße Jet soll die Fluggesellschaften vor allem durch seinen niedrigen Verbrauch überzeugen.

Airbus hat die Amerikaner bislang ungehindert agieren lassen und sich auf das Prestigeprojekt A380 konzentriert. Mit dem Großraumflieger wollen die Europäer der Boeing 747 Kunden abspenstig machen.

Singapore Airlines wartet auf den neuen Airbus

Forgeard sah keinen Handlungsbedarf wegen der 7E7. "Es bedarf keiner besonderen Antwort auf die Präsentation dieses Flugzeuges durch Boeing", fertigte der Airbus-Chef den Konkurrenzflieger noch Mitte Mai ab. Die 7E7 sei vielmehr die Antwort auf den A330-200, für den es zurzeit keine ernst zu nehmende Konkurrenz gebe. Airbus habe hier bei den Aufträgen einen Anteil von 78 Prozent, hieß es damals.

Dass Airbus seinen wichtigsten Wettbewerber ungestört lässt, glaubten allerdings die Wenigsten. Zwar bestritt der Flugzeugbauer mit Nachdruck alle Spekulationen um das Projekt "A30X", obwohl kleine Entwicklungsteams für diese Idee eines neuen zweistrahligen Mittelstreckenjets tätig waren. Dennoch bekam das "Geisterflugzeug" A350 zunehmend Konturen. Sogar mit Rolls-Royce und anderen Triebwerksherstellern sei schon über neue Triebwerke gesprochen worden, heißt es in der Branche.

Erst kürzlich hat es weitere Signale für eine direkte Attacke auf die 7E7 durch Airbus gegeben. Das britische Luftfahrtmagazin "Flight International" berichtete, dass die renommierte asiatische Fluggesellschaft Singapore Airlines (SIA) überraschend einen allgemein erwarteten Großauftrag für die neue Boeing für wenigstens ein Jahr zurückgestellt. Grund: Bei SIA wolle man erst einmal abwarten mit welchen Leistungsdaten Airbus sein neues Konkurrenz-Projekt offerieren wird, und dann entscheiden.



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