Luftfahrt Russland feiert den Superjet 100

Es ist das erste Passagierflugzeug seit dem Ende der Sowjetunion - und auf ihm ruhen die Hoffnungen einer ehemaligen Supermacht: Russland hat heute den Superjet 100 vorgestellt und will damit an den Glanz vergangener Zeiten anknüpfen.


Moskau - Bislang waren es nur Kampfflugzeuge, die die Traditionsfirma Suchoi aus der sibirischen Stadt Komsomolsk baute - doch das soll sich jetzt ändern: Stolz präsentierte das Unternehmen heute im Fernen Osten des Landes ihr neues Passagierflugzeug "Superjet 100". Die erste neue Maschine dieser Art seit dem Ende der Sowjetunion wurde zunächst den 1000 geladenen russischen Gästen sowie ausländischen Investoren in Komsomolsk präsentiert.

Der Superjet 100: Das Flugzeug soll an alte Erfolge der russischen Luftfahrtindustrie anknüpfe
AFP

Der Superjet 100: Das Flugzeug soll an alte Erfolge der russischen Luftfahrtindustrie anknüpfe

Russland will mit dem Flugzeug seine Luftfahrtbranche wiederbeleben und an alte Zeiten anknüpfen. Der "Superjet" bietet Platz für 78 bis 98 Passagiere und wurde von der russischen Firma in Kooperation mit einstigen Feinden aus dem Kalten Krieg gebaut, etwa dem US-Konzern Boeing Chart zeigen. Der Superjet 100 soll den etablierten Herstellern auf dem Markt für Regionalflugzeuge wie dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier Chart zeigen oder der brasilianischen Firma Embraer Konkurrenz machen.

Nach einer Testphase 2008 will Suchoi 2009 bis zu 30 Flugzeuge produzieren. 71 Superjets 100 sind bereits bestellt - die meisten von der russischen Aeroflot, zehn aber auch von der italienischen Fluggesellschaft Itali. Ziel sei, in den nächsten 15 bis 20 Jahren 1000 Maschinen zu verkaufen, darunter 70 Prozent außerhalb Russlands, erklärte das Unternehmen. Der Erstflug wird noch für dieses Jahr erwartet, die Zulassung durch europäische und US-Behörden im nächsten Jahr.

Produktion beinah komplett eingestellt

Suchoi-Chef Michail Pogossjan begrüßte die "Geburt eines Kindes der neuen Zeit, einer modernen und integrierten Industrie". Klar ist: Mit dem neuen Passagierflieger will Russland wieder zu alten Erfolgen in der Luftfahrt anknüpfen - denn nach dem Zerfall der Sowjetunion geriet der Passagierflugzeugbau in eine dramatische Krise. Die Aufträge aus den kommunistischen Bruderstaaten fielen plötzlich weg, Russland selbst stand kurz vor dem Bankrott. In ihren besten Zeiten hatten die Sowjets mehr als hundert Verkehrsflugzeuge pro Jahr gebaut, in den neunziger Jahren kam die Produktion beinahe komplett zum Erliegen. Vergangenes Jahr wurden landesweit gerade noch acht Flugzeuge ausgeliefert. Airbus schafft das in einer Woche.

Präsident Wladimir Putin fordert deshalb schon lange, das Land wieder zu einer Luftfahrt-Großmacht zu machen. Der Favorit für seine Nachfolge, der für Militär- und Industriepolitik zuständige Vizepremier Sergej Iwanow, will bis zum Jahr 2024 zehn bis zwölf Prozent des Weltmarkts für Passagierflugzeuge erobern. Bisher liegt der russische Anteil bei weniger als einem Prozent.

Letztlich will Putin beweisen, dass die russische Flugzeugindustrie in Zukunft wieder mehr sein kann als bloßer Zulieferer für die westlichen Giganten Airbus und Boeing. Und darum, den verletzten Stolz einer ehemals großen Luftfahrtnation wiederherzustellen. Selbst Brasilien hat die Russen mit seinen Embraer-Flugzeugen überholt - und Brasilien ist ein Land, das man in Moskau allenfalls mit dem Export von Kaffee und Fußballspielern in Verbindung bringt.

Putin will den Beweis bringen, dass sein neues Russland zu mehr imstande ist, als Öl und Gas zu liefern. Das riesige Reich will demonstrieren, dass seine wiederentdeckte Rolle als Supermacht nicht nur auf dem Atomarsenal und den Rohstoffvorkommen basiert, sondern schon bald auf einem dritten Pfeiler ruhen wird: seiner Wirtschaftsmacht.

sam/Reuters/AFP



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