Luftfahrtkrise Ryanair-Chef O'Leary spürt nichts

Glaubt man den Worten von Ryanair-Chef Michael O'Leary, dann hat der Krieg im Irak und die anhaltende Luftfahrtkrise dem irischen Billigflieger bisher nicht geschadet. Das Gegenteil sei der Fall.


Bis 2005 Marktführer in Europa: Ryanair-Flugzeug
DDP

Bis 2005 Marktführer in Europa: Ryanair-Flugzeug

Berlin - "Wir registrieren sogar verstärkt Buchungen", sagte O'Leary am Mittwoch in Berlin. Während große Konkurrenten seit Weihnachten steigende Preise verlangten, setze Ryanair weiter auf Schnäppchenangebote. Dies werde von den Kunden angenommen und mache sich bezahlt.

In diesem Jahr werde Ryanair voraussichtlich 24 Millionen Passagiere befördern, sagte O'Leary. "Bis 2010 peilen wir die Marke von 75 Millionen an." Bereits 2005 will der umtriebige Selfmade-Unternehmer mit seiner Linie Marktführer in Europa sein - noch vor den großen Konkurrenten Lufthansa und British Airways. Die in den vergangenen Monaten georderten 250 Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 reichten für die Expansion aber aus. "Wir haben bis auf weiteres mehr als genug Flugzeuge."

300.000 Passagiere für die Route Berlin - London erwartet

Für die neue Verbindung zwischen Berlin-Schönefeld und London-Stansted rechnet Ryanair mit mindestens 300.000 Passagieren im Jahr. Bereits jetzt seien für diese Strecke mehr als 25.000 Tickets gebucht. Ab Mai seien zunächst drei Flüge täglich geplant. "In den nächsten ein bis zwei Jahren werden wir dann über mehr Verbindungen nachdenken." Wenn der Standort Schönefeld angenommen werde, könne die Zahl der täglichen Flüge auf fünf bis sechs erhöht werden.

Auch Verbindungen von Berlin in andere europäische Städte wie Glasgow, Dublin, Stockholm oder Mailand seien denkbar, sagte der Ryanair-Chef. Andere Standorte wie Frankfurt-Hahn seien dadurch aber nicht in Gefahr. Das Lockangebot in den ersten Wochen liegt bei 9,99 Euro für den einfachen Flug. Später soll der Preis bei rund 40 bis 50 Euro liegen. Auch von Altenburg-Nobitz bei Leipzig heben ab Mai Flugzeuge nach Großbritannien ab. Hier peilen die Billig-Flieger zunächst 80.000 Passagiere jährlich an.

Gespräche mit 73 Flughäfen

Der Standort Neuhardenberg bei Berlin sei eine Option für Ryanair, sagte O'Leary. "Es könnte schon sein, dass wir in Zukunft Neuhardenberg anfliegen." Konkrete Pläne gebe es derzeit aber nicht. "Wir sprechen gegenwärtig mit 73 Flughäfen in Europa." Der Standort sei wegen seiner Nähe zu Berlin und zu Polen interessant.

Dieter Johannsen-Roth, Geschäftsführer der Flughafen-Holding BBF, begrüßte die Entscheidung von Ryanair zu Gunsten des bei weitem nicht ausgelasteten Standortes Schönefeld. Auf die genauen Konditionen des Geschäfts gingen aber beide nicht ein. "Wir sind uns bei den Kosten entgegengekommen", sagte O'Leary.



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