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Reisechaos Lufthansa erhöht die Zahl der Geisterflüge

Um den Flugbetrieb zu stabilisieren, will die Lufthansa weitere Flüge streichen. Auch sogenannte Ferryflights ohne Passagiere soll es vermehrt geben. Besonders betroffen sind Verbindungen am Abend.
aus DER SPIEGEL 28/2022
Lufthansa-Jets am Flughafen Frankfurt (2020)

Lufthansa-Jets am Flughafen Frankfurt (2020)

Foto: Kai Pfaffenbach / REUTERS

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Die Zahl der sogenannten Geisterflüge bei der Lufthansa steigt weiter. Gemeint sind damit Leerflüge, die nur Gepäck oder Crewmitglieder transportieren, aber keine Passagiere.

In einem internen Papier der Airline heißt es, von diesem Freitag an bis mindestens kommenden Donnerstag sollten neue Maßnahmen greifen, um den derzeit chaotischen Flugplan zu stabilisieren. Demnach sollen in dem Zeitraum ab dem Drehkreuz Frankfurt am Main 105 weitere Flüge gestrichen und 364 Geisterflüge durchgeführt werden.

Dies diene der »Stabilisierung der Crews« und einer Verbesserung der Gepäcksituation. Damit wären zwischen 57 und 76 täglich abgehende Verbindungen betroffen, je nach Wochentag und Verkehrssituation. Über eine mögliche Verlängerung der Maßnahme wolle man kommende Woche entscheiden.

Besonders betroffen sind Flüge am Abend (rund 37 Prozent) und am Nachmittag (etwa 17 Prozent). Die Geisterflüge könnten sowohl ohne Fracht und Gepäck, als auch mit Leercontainern oder nur mit Fracht stattfinden. Zudem könnte es auch Flüge geben, die nur mit sogenanntem Rush-Gepäck beladen sind – darunter versteht man Gepäck, das nicht rechtzeitig verladen werden konnte und den Passagieren hinterhergeschickt werden muss.

Ein Grund für diese Art von Flügen ist, dass die Flugzeuge zu einem anderen Abflugort gebracht werden müssen, damit nicht weitere Flüge ausfallen. Manche dieser Ferryflights behalten sogar ihre regulären Flugnummern, etwa nach Amsterdam, Mailand, Warschau und London-Heathrow. Das liegt unter anderem daran, dass sonst begehrte Start- und Landerechte verloren gehen könnten, wenn die Flüge nicht durchgeführt werden. Geisterflüge der Lufthansa-Tochter Air Dolomiti sollen generell ihre Flugnummern behalten.

Kritik an Vorstandschef Spohr

Lufthansa steht in der Kritik, weil der Betrieb der größten Fluglinie Europas derzeit unter massiven Problemen leidet. Arbeitnehmervertreter machen die Konzernführung um Vorstandschef Carsten Spohr für die Situation mitverantwortlich – es hätten zu viele Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

»Wir verspielen unseren guten Ruf und auf Dauer wird Lowcost-Service und -Zuverlässigkeit zu Premiumpreisen sicher nicht funktionieren«, heißt es in einem Brief an den Lufthansa-Aufsichtsrat, der von den Vorsitzenden der Betriebsräte und Personalvertretungen verschiedener Unternehmensteile unterzeichnet ist.

In dem Schreiben heißt es weiter, dass man die Kunden tagtäglich enttäuschen und zudem handlungsunfähig zusehen müsse, wie Passagiere strandeten und sich selbst überlassen würden, sei eines Dienstleistungsunternehmens unwürdig. Sparen um jeden Preis werde seit Jahren als Allheilmittel der Zukunftssicherung angesehen. Das Personal und der Kunde gerieten dabei völlig aus dem Blick. »Gerade das angeblich viel zu teure Personal hat in der Vergangenheit alle durch den Sparwahn hervorgerufenen Missstände ausgebügelt und vor dem Kunden kaschiert«, heißt es in dem Schreiben.

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