Streit mit eigenen Piloten Lufthansa erwägt Gründung einer neuen Airline

Die Airline droht ihren Piloten mit der Gründung einer neuen Tochterfirma, die wichtige Aufgaben übernehmen könnte. Gewerkschafter warnen vor einer »Lufthansa Light« – und fordern eine Neuausrichtung des Konzerns.
Lufthansa-Maschinen am Flughafen München (Archivbild): Umstrittene Pläne

Lufthansa-Maschinen am Flughafen München (Archivbild): Umstrittene Pläne

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Der Lufthansa treibt nach eigenen Angaben die Planungen für einen neuen Flugbetrieb (AOC) nach deutschem Recht voran. Zuvor war in der vergangenen Woche eine viertägige Tarifklausur in Wiesbaden mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ohne grundsätzliche Einigung geblieben.

Der geplante Betrieb soll Zubringerflüge für die Drehkreuze München und Frankfurt abwickeln und Arbeitsplätze für die bislang unversorgten Piloten der in der Coronakrise eingestellten Tochter Germanwings bieten, heißt es in einem Schreiben an die Belegschaft. Es geht um rund 240 Pilotinnen und Piloten, denen sonst Ende März die Entlassung droht. Laut VC will der Konzern für den neuen Flugbetrieb den Markennamen Lufthansa nutzen.

Ende dieses Monats laufen die kurzfristigen Vereinbarungen zu Kurzarbeit und Sanierungsbeiträgen der rund 5000 Piloten bei Lufthansa und Lufthansa Cargo aus. Der Konzern hatte vor wenigen Wochen erklärt, trotz eines Personalüberhangs auf die zunächst angekündigte Entlassung von bis zu 1100 Beschäftigten zu verzichten. Dies setze aber Vereinbarungen über die Piloten der Germanwings sowie der Lufthansa Cargo voraus, die auch über allgemeine Kosteneinsparungen in den Cockpits zu erreichen wären.

Die VC hat sich bislang immer heftig gegen Versuche gewehrt, das Kerngeschäft unter der Marke Lufthansa an andere Flugbetriebe auszulagern, deren Piloten weniger verdienen. Dennoch wurde das Geschäft der Eurowings und der Langstreckentochter Eurowings Discover ausgeweitet, die auch weiterhin Piloten einstellen wollen. Zudem fliegt die Tochter Lufthansa Cityline mit kleineren Maschinen ebenfalls Zulieferverbindungen in die Drehkreuze.

VC-Präsident Stefan Herth bezeichnete die Strategie, immer neue Plattformen zu gründen und auch wieder zu schließen, als kurzsichtig und unkreativ. »Stattdessen sollte sich Lufthansa unbedingt auf die Verbesserung ihrer Produktqualität und auf effizientere Strukturen konzentrieren, statt ihr Heil in immer neuen Plattformen zu suchen.« Die Lufthansa Group müsse ganzheitlich neu ausgerichtet werden.

Gewerkschaften gegen »Lufthansa Light«

VC-Tarifvorstand Marcel Gröls sprach sich gegen eine zusätzliche »Lufthansa light« aus: »Eine weitere Zersplitterung der Tariflandschaft ist nicht in unserem Interesse und kann auch nicht im Interesse der Lufthansa liegen. Wir arbeiten deshalb an einem gemeinsamen Weg, der Lösungen für alle Beschäftigtengruppen in den Konzern-Cockpits bietet.«

Laut Lufthansa und VC kam es in der vergangenen Woche dennoch zu Teileinigungen. So sollen die rund zwanzig Fluglehrer der verkleinerten Bremer Verkehrsfliegerschule zur Lufthansa übernommen werden. Über ein Abfindungsprogramm bei der Frachtgesellschaft müsse noch weiter gesprochen werden. Es wurden weitere Termine vereinbart. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will am kommenden Donnerstag die Konzernbilanz für das Jahr 2021 vorstellen.

mamk/dpa-AFX
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