Passagierandrang Lufthansa fordert bessere Scanner an deutschen Flughäfen

Moderne Technik würde die Sicherheitskontrollen beschleunigen, sagt ein Vorstand der größten deutschen Airline. Dabei hat die das Durcheinander mitverschuldet.
Warteschlange vor dem Securitycheck des Hamburger Flughafens am Sonntag

Warteschlange vor dem Securitycheck des Hamburger Flughafens am Sonntag

Foto: Axel Heimken / dpa

Angesichts teils chaotischer Zustände an deutschen Flughäfen fordert die Lufthansa den Einsatz von modernerer Scannertechnik an der Security.

»Es gibt hochmoderne Technik, die die Sicherheitskontrollen deutlich beschleunigen würde. Stattdessen ist an den Flughäfen in Deutschland zumeist ältere Technik im Einsatz«, sagte der für Flotten und Infrastruktur zuständige Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser der »Bild am Sonntag«.

Modernere Scanner erforderten zum Beispiel nicht mehr, dass Flüssigkeiten und Computer aus der Tasche genommen  werden müssten. »Für unsere Kunden würde ich mir wünschen, dass die neuen Geräte so schnell wie möglich eingesetzt werden«, sagte Kayser.

Hotline unerreichbar

Die Lufthansa hat das Chaos mitverursacht, indem sie in der Coronakrise zu viel Personal abgebaut hat – ebenso wie der Frankfurter Airportbetreiber Fraport oder andere Branchengrößen. Die Menschen, derer sich die Unternehmen damals entledigten, fehlen ihnen nun an allen Ecken und Enden: ob am Check-in-Schalter und bei der Sicherheitsschleuse, an Bord und beim Gepäck. Oder beim Service.

So war die zentrale Lufthansa-Kundenhotline 069-86 799 799 auch am Sonntagvormittag unerreichbar, wie schon seit Wochen immer wieder. Anrufer kommen oft nicht einmal mehr in die Warteschlange. Wer Glück hat und dies doch schafft, wartet dann schon mal eine, eineinhalb oder zwei Stunden.

Laut dem Flughafenverband ADV haben die Dienstleister, die an der Abfertigung der Passagiere beteiligt sind, rund 20 Prozent weniger Personal als vor Corona.

Manager Kayser lehnte den Vorschlag von Innenministerin Nancy Faeser (SPD) ab, das Priority-Boarding für alle Fluggäste zu öffnen. »Das Priority Boarding der Flugzeuge ist zurzeit nicht das Problem. Auch das Auflösen von Fast-Lanes in den staatlichen Sicherheitskontrollen hilft in der aktuellen Lage nicht. Die Schlangen sind überall lang. Wir brauchen Lösungen für alle Passagiere.«

Allein die Konzernkernmarke Lufthansa hat schon mehr als 3000 Flüge im Sommer abgesagt; ihr zufolge entspricht das fünf Prozent der geplanten Starts. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich bei den Kunden offiziell entschuldigt, erwartet aber vorerst keine durchgreifende Besserung.

USA: mehr als 1000 abgesagte Flüge

Auch in anderen Staaten häufen sich Streichungen, massive Verspätungen und chaotische Szenen an Flughäfen. In den USA wurden am langen Wochenende zum Unabhängigkeitstag (4. Juli) allein am Samstag bis zum Nachmittag mehr als 600 Flüge gestrichen. Weitere mehr als 3300 Flüge waren laut der Website flightaware.com verspätet. Hauptgrund ist die Personalknappheit.

Bereits am Freitag waren 587 US-Flüge gestrichen worden. Auch für den Sonntag zeichnete sich ab, dass erneut viele Passagiere an den Airports festsitzen würden – bereits mehr als hundert Flüge wurden abgesagt. Dabei hatten viele Reisende das Chaos erwartet und hatten gar nicht erst gebucht.

Umso dichter dürfte der Verkehr auf den Highways sein. Dort soll über das Wochenende laut einer Prognose des Automobilverbandes AAA die Rekordzahl von 42 Millionen Bürgern vor dem Feiertag am Montag Strecken von mindestens 50 Meilen (80 Kilometer) mit dem Auto fahren – trotz Rekordpreisen für Benzin und Diesel.

che/Reuters/AFP
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