Lufthansa-Russland-Streit Neue Irritationen über Überflugrechte

Erfolgsmeldung aus Berlin: Lufthansa Cargo darf vorerst russischen Luftraum nutzen. Prompt folgt das Dementi aus Moskau: Nichts ist entschieden. Russland hatte der Fluglinie die Überflugrechte entzogen - und eine Verlegung des Frachtdrehkreuzes von Kasachstan nach Sibirien verlangt.

Berlin - Die Erfolgsmeldung von Wolfgang Tiefensee hatte nur kurze Zeit Bestand. Die Lufthansa-Frachtflieger können vorerst bis Ende Februar 2008 russischen Luftraum überfliegen, hatte der Verkehrsminister heute Morgen in Berlin mitgeteilt. Das sei das Ergebnis von Verhandlungen mit seinem russischen Kollegen Igor Levitin.

Doch dessen Sprecher Timur Chikmatow erklärte prompt, es gebe noch keine Einigung. "Wir haben noch keine entsprechende Entscheidung getroffen", sagte er. Die russische Seite prüfe derzeit den Vorschlag der Bundesregierung. Eine Entscheidung sei aber nicht vor kommender Woche zu erwarten.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums wollte keine Details zu der angeblichen Einigung nennen. Das Ergebnis sei "noch zu frisch", hieß es.

Über eine mögliche Verlagerung des Lufthansa-Drehkreuzes vom kasachischen Astana ins sibirische Airport Krasnojarsk sollen nach Angaben aus Berlin im Dezember offizielle Verhandlungen beginnen.

Russland hatte Lufthansa Cargo im Oktober überraschend die Überflugrechte verweigert und vergangenen Freitag nach heftigem Streit und Einschalten der Bundesregierung bis zum 15. November wieder zugesagt. In der Zwischenzeit mussten die Maschinen einen Umweg fliegen.

Tiefensee erklärte, Voraussetzungen für eine Verlagerung des Drehkreuzes nach Sibirien seien die Sicherheit des Flughafens und die Möglichkeit, den Airport bei jedem Wetter anzufliegen. "Wir sind zuversichtlich, dass schnell eine langfristig tragfähige Lösung sowohl für die deutsche als auch für die russische Seite gefunden wird", erklärte der Minister.

Ein Sprecher der Lufthansa   verwies darauf, dass das Unternehmen Planungssicherheit brauche. Das sei nicht nur für Lufthansa Cargo wichtig, sondern für die gesamte deutsche Exportwirtschaft. Wenn die operationellen und kommerziellen Bedingungen stimmten, könne auch eine Verlagerung des Drehkreuzes nach Krasnojarsk in Erwägung gezogen werden, sagte der Sprecher.

Lufthansa hat bislang mehrfach betont, das Unternehmen lasse sich nicht erpressen. Die Entscheidung über eine Verlegung des Frachtdrehkreuzes von Kasachstan nach Russland dürfe nicht mit der Genehmigung von Überflugrechten verknüpft werden.

kaz/AP/Reuters/ddp

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