Lufthansa Unangenehme Zeitung aus Flugzeugen verbannt

Die "Financial Times Deutschland" könnte ihren größten Einzelabnehmer verlieren. Die Deutsche Lufhansa empörte sich über einen Artikel und stoppte an einem Tag die Verteilung der Zeitung an ihre Fluggäste.


Frankfurt - Die Fluggesellschaft bestätigte am Montag in Frankfurt, dass sie am 30. März keine Ausgaben der "FTD" in ihren Flugzeugen und an den Flugsteigen verteilt habe, da die Zeitung aus internen und vertraulichen Lufthansa-Unterlagen berichtet habe. Sie drohte damit, ihr Abonnement von 15.000 Exemplaren im Wiederholungsfall zu kündigen.

Die Lufthansa wirft die FTD von Bord
AP

Die Lufthansa wirft die FTD von Bord

Die "FTD" bezeichnete das Vorgehen der Lufthansa als "nicht hinnehmbaren Eingriff in die Pressefreiheit". Der stellvertretende "FTD"-Chefredakteur Christoph Keese sagte, die Lufthansa versuche, die Pressefreiheit einzudämmen und die Redaktion einzuschüchtern. An dem Bericht Ende März gebe es "nichts zurückzuziehen" und auch "nichts Illegales". Die Lufthansa sollte auch nicht versuchen, über die bestellte Auflage zu versuchen, Einfluss auf die Redaktion zu nehmen.

Die "FTD" hatte am 30. März berichtet, dass die Airline den Verkauf eines erheblichen Teils ihrer Finanzbeteiligungen plant. Ohne das Abstoßen solcher Anteile unterschritte der Konzern sein Zielergebnis für 2000 deutlich, hatte es geheißen. Die "FTD" berief sich dabei auf ein internes Konzernpapier. Rund einen Monat zuvor hatte die Zeitung bereits exklusiv über angebliche Fusionspläne der Lufthansa-Tochter Cargo mit einer Frachttochter der Deutschen Post berichtet. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hatte sich in einem Kommentar für das Firmen-Magazin "Lufthanseat" sowohl über die undichten Stellen im eigenen Konzern als auch über die Berichterstattung der "FTD" beschwert. Die Zeitung habe sich mit der Veröffentlichung "ungelegter Eier" diskreditiert, kritisierte er. Das Blatt räume "einem jungen Nachrichtenjäger Raum ein, obwohl sie wissen müsste, wie sensibel und entscheidungsoffen solche Papiere" seien.



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