Warnstreik bei Lufthansa Zahlreiche Fluggäste am Terminal gestrandet

In Frankfurt ist erst mal Schluss – vor allem Transitreisende kommen wohl nicht weiter. Am kleineren Flughafen Stuttgart kann Ver.di indes einen Erfolg vermelden: Rund 300 Mitarbeiter sollen mehr Geld erhalten.
Lange Schlangen im Terminal am Flughafen Frankfurt: Viele Reisende kommen nicht weiter

Lange Schlangen im Terminal am Flughafen Frankfurt: Viele Reisende kommen nicht weiter

Foto: Michael Probst / AP

Rund 300 Mitarbeiter des Bodenpersonals am Stuttgarter Flughafen erhalten nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di von August an mehr Geld. Durch die Einigung in den Tarifverhandlungen mit einer Tochtergesellschaft des Flughafens seien Warnstreiks dort »vom Tisch«, teilte der Landesverband der Gewerkschaft in Stuttgart mit. Der Warnstreik bei der Lufthansa habe am Stuttgarter Flughafen auch so eher geringe Auswirkungen, weil die Fluggesellschaft dort nur wenige Mitarbeiter beschäftige.

Am Montag habe man sich darauf geeinigt, dass die Mitarbeiter, die zum Beispiel am Check-in tätig sind und Gepäck abfertigen, in zwei Stufen mehr als 18 Prozent mehr Lohn erhalten sollen. Der neue Tarifvertrag läuft nach Angaben der Gewerkschaft bis Ende Juni 2023.

Die Einigung sei möglich gewesen, »weil der Arbeitgeber hier in Stuttgart, auch unter dem Eindruck des Warnstreiks bei der Lufthansa, verstanden hatte, wie ein Tarifergebnis im Jahr 2022 an einem Flughafen aussehen muss«, sagte Ver.di-Verhandlungsführer Jan Bleckert. »Lohnsteigerungen, die die Inflation echt und vollständig ausgleichen und sogar zusätzlich die Berufe ein Stück weit aufwerten. Nur so gibt es eine Chance, offene Stellen wieder zu besetzen.«

In Frankfurt kommen zahlreiche Reisende nicht weiter

Wegen des Warnstreiks des Bodenperspersonals bei Lufthansa sind am Frankfurter Flughafen dagegen zahlreiche Passagiere gestrandet. Nach anfänglicher Leere im Terminal bildeten sich am Mittwochvormittag vor den wenigen besetzten Schaltern lange Schlangen von Reisenden. Es handelte sich Augenzeugen zufolge meist um ausländische Touristen, die ihren Weiterflug umbuchen wollten. Lufthansa hatte bereits am Vortag die Passagiere gebeten, sich möglichst auf digitalen Wegen mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen, um neue Flüge oder zwischenzeitliche Unterkünfte zu organisieren.

Am größten deutschen Airport wurden am Mittwoch 725 von 1160 geplanten Flügen abgesagt, wie ein Sprecher des Betreibers Fraport mitteilte. Damit sind auch Flüge anderer Gesellschaften betroffen, die üblicherweise vom Lufthansa-Bodenpersonal mitbetreut werden. Lufthansa selbst hatte für Mittwoch die Zahl von 646 streikbedingten Flugabsagen genannt. Gestrichen wurden auch Flüge von Lufthansa-Konzerngesellschaften wie Swiss, Austria, Brussels oder Air Dolomiti. Darüber hinaus konnten auch unter anderem Maschinen von Croatian, United, Air Canada oder der polnischen LOT nicht abheben.

Ver.di und Lufthansa hielten sich gegenseitig vor, für die Lage verantwortlich zu sein. Lufthansa habe bewusst darauf verzichtet, nach der Warnstreikankündigung noch einmal zu verhandeln, sagte Ver.di-Streikleiter Marvin Reschinsky. Er hoffe nun auf ein schnelles, gutes Ergebnis.

»Das hat die Lufthansa selbst provoziert«

Dennis Dacke vom Ressort Luftverkehr im Bundesbüro der Gewerkschaft Ver.di verteidigte in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk  die Warnstreiks: »Das hat die Lufthansa selbst provoziert.«

In der zweiten Verhandlungsrunde sei auf den ersten Blick ein nicht annähernd inflationsausgleichendes Angebot vorgelegt worden, sagt Dacke. »Die Lufthansa hat wirklich innerhalb der Verhandlungen auch keine grundsätzliche Bereitschaft gezeigt, uns entgegenzukommen.« Natürlich rede man bei Tarifverhandlungen über Kompromisse. »Wenn man aber keine Kompromissbereitschaft zeigt, muss man an dieser Stelle mit den Konsequenzen als Airline leben.«

Lufthansa-Sprecher Martin Leutke bezeichnete den Warnstreik als »unnötig, überzogen und viel zu umfänglich«. Das Unternehmen habe schließlich ein substanzielles Angebot vorgelegt, über das man weiter hätte sprechen können. Verdi habe sich aber entschieden, den Konflikt auf dem Rücken der Passagiere auszutragen. »So einen Streik hätte es nicht gebraucht.«

ani/Reuters/dpa
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