Luxus-Geschenke für Superreiche Cessnas, Millionen-BHs und Agenten-Sets

Die Helden der Wall Street kassieren dieses Jahr mehr ab als je zuvor. Doch was schenkt man Superreichen zu Weihnachten? Keine Sorge: Selbst für den, der scheinbar alles hat, gibt es noch irre Angebote - vom Klunker-BH für mehrere Millionen Dollar bis hin zum Gefecht-Event in echten Kampfflugzeugen.

Von , New York


New York - Oh Du Fröhliche - das Lied liegt dieses Jahr sicherlich so manchem Banker an der Wall Street auf den Lippen. Die fünf großen Investmenthäuser Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Bear Stearns beglücken ihre Angestellten zum Jahreswechsel mit Bonus-Ausschüttungen von summa summarum 36 Milliarden Dollar - 30 Prozent mehr als im vorigen Jahr. Allein 200 Millionen Dollar davon teilen sich die fünf Vorstandschefs, das macht 40 Millionen Dollar pro Nase.

Das will ausgegeben werden. Doch was schenkt man sich nur unter den Superreichen, wo man doch sowieso schon alles hat - und sich noch dazu eigentlich alles leisten kann? SPIEGEL ONLINE hat sich umgeschaut und festgestellt: Selbst in diesen Goldrauschtagen gibt es auch für den teuersten Geschmack noch passend irre Luxuspräsente. Der US-Einzelhandel setzt dieses Jahr verstärkt auf die anschwellende Kaufkraft der Krösusse. Und zwar mit einer Kategorie, die sie trefflich "Fantasy Gifts" getauft haben. Frei übersetzt Geschenke also, die für alle anderen nur Fantasievorstellung bleiben.

So bietet das Nobel-Kaufhaus Neiman Marcus in seinem Weihnachtskatalog ein speziell angefertigtes BMW M6-Cabrio - die "Neiman Marcus Limited Edition" an, in der "exklusiven" Farbe "Rubinschwarz", mit V-10-Motor und 500 PS. Preis: 139.000 Dollar. Alle 50 Exemplare waren, so Nieman Marcus, in "einer Minute, 32 Sekunden" ausverkauft. Weitere "Fantasy"-Angebote von Neiman Marcus: eine Hundehütte mit rotem "Mini-Lehnstuhl aus italienischem Leder" für 7000 Dollar, ein Charterflug ins All mit Richard Bransons Virgin Galactic, der für sechs Personsn 1,76 Millionen Dollar kostet, und ein kompletter Wasser-Vergnügungspark für den eigenen Garten mit 26 interaktiven Wasserfontänen und etlichen Wasserkanonen. Der ist schon ab 100.000 Dollar zu haben.

"Luxus ist ein Gefühlszustand"

Auch Saks Fifth Avenue war kreativ. Im Angebot ist : Etwa ein Tag beim nächsten Super Bowl in Begleitung eines Football-Spielers für 100.000 Dollar. Selbst der Billig-Einzelhändler Wal-Mart will nicht nachstehen: Er bietet eine Cessna für 2,7 Millionen Dollar an und eine London-Reise zu einem Tony-Bennett-Konzert für 44.000 Dollar.

"Zu Weihnachten sind die Leute verrückt und wollen sich verwöhnen", sagt Simon Williams, der Chef der Luxus-Beraterfirma Sterling Group. "Luxus ist ein Gefühlszustand." Und das gilt auch für den wohlhabenden Nachwuchs. Der kann sich eine Modelleisenbahn von FAO Schwarz für 10.000 Dollar wünschen, die etwas älteren unter den Junioren können mit einer kompletten Modenschau für Kids zu Hause beglückt werden - 25.000 Dollar, inklusive Designer.

Für die Erwachsenen empfiehlt der Reizwäschekonzern Victoria's Secret seinen "Sexy Splendor Fantasy Bra", einen vom Promi-Juwelier Mouawad in 300 Arbeitsstunden handgefertigten Klunker-BH. Aus 18-karätigem Goldfaden gewebt, bestückt mit über 2966 Diamanten und 22 Rubinen, in der Mitte mit einem tropfenförmigen 101-Karat-Diamantbrocken behängt, kostet der glitzernde Büstenhalter 12,5 Millionen Dollar.

Agenten-Set mit Blick-Dicht-Computer und Späh-Kamera

Wer den Geschmack des zu Beschenkenden nicht kennt, geht auf Nummer sicher. Die Firma "Unusual Villa Rentals" hat Luxusvillen in aller Welt im Angebot, für bis zu 325.000 Dollar pro Woche. Etwa ein Zehn-Zimmer-Anwesen im "Maja-Stil" in Nassau auf den Bahamas, 14.000 Quadratmeter mit fünf Swimmingpools, Wasserfällen, mehreren Jacuzzis, Privatkino, Basketball-Court, 15-Meter-Yacht, inklusive 1,7 Hektar Grundstück.

Apropos Bahamas. Sony hat sich passend zu seinem jüngsten, auch auf den Bahamas gedrehten James-Bond-Thriller "Casino Royale" etwas ganz Besonderes ausgedacht: das "James Bond 007 TX Spy Gear Bundle". Diese Ausrüstung für Möchtegern-Spione enthält "alles, was Sie bei Ihrer nächsten Mission brauchen", etwa zum Ausspähen der Börsenkonkurrenz, darunter eine digitale Zoom-Kamera und ein Notebook mit einblicksicherem "Privat-Bildschirm" -"ein Muss für Doppelagenten", wie das Unternehmen verkündet. Alles dezent präsentiert in einem Aluminiumkoffer, der sonst "ein Scharfschützengewehr und Munition enthält". Preis: 3199,99 Dollar im Weihnachtsangebot.

Wem so was zu langweilig ist, der kann sich beim Extremsport-Anbieter "Xperience Days" einen Adrenalinschub wünschen. Beispielsweise einen Flug in einer Marchetti S260, einem historischen Kampfflugzeug, (2390 Dollar, für zwei), "in einer Luftschlacht gegen einen Freund oder Kollegen". Der Flug wird auf Video mitgeschnitten und kann dann später der lieben Familie vorgeführt werden. Auch gerne gekauft: 34 Runden auf der Rennstrecke mit bis zu 280 Stundenkilometern in einem Formel-Eins-Monoposto. Kostenfaktor: 1999 Dollar.

"Instant-Bibliothek" mit seltenen Stücken

Doch selbst die Reichsten sparen. Wunderbare Second-Hand-Geschenke finden sich deshalb im Kleinanzeigenteil von "Trader Monthly", dem Hausblatt der Börsen-Jetsetter. Das drittgrößte Penthouse in Miami Beach wird dort etwa für 4,6 Millionen Dollar angeboten, eine Kawasaki Mean Streak Vulcan sogar schon für 9500 Dollar, eine Super-Automatic Espresso Machine für 7900 Dollar.

Das "Wall Street Journal" empfiehlt derweil als Geschenktipp der Saison ein Personal Global Positioning System - ein satellitengestütztes Navigationssystem für allzu beschäftigte Börsianer, die "auf der Straße in die falsche Richtung laufen und nicht nach dem Weg fragen wollen". Für rund 500 Dollar in jedem guten Elektronikladen zu haben, sehe das aus wie ein Blackberry oder ein MP3-Player, erklärt das Blatt - und einige Modelle verfügten auch über eine Sprachausgabe.

Außerdem auf dem Luxus-Wunschzettel des "Wall Street Journals" für dieses Jahr: Der "George-III.-Untersetzer" des Londoner Silberschmieds Robert Hennell für 1750 Dollar, oder "Instant-Bibliotheken", wie es sie im New Yorker Buchladen "Strand" am Meter zu kaufen gibt, mit seltenen Editionen in Französisch und Deutsch; in Leder gebunden kostet das extravagente Präsent rund 400 Dollar pro Fuß.

Und wer ein kleines Späßchen mag, kann für 375 Dollar auch alte Aktien des US-Energieriesen Enron mit dem Konterfei des im Juli verstorbenen CEO Ken Lay unter den Weihnachtsbaum legen. Der Philatelistenverein Scripophily bietet sogar ein ganzes "Skandal-Paket" an, mit Zertifikaten von Enron, WorldCom, Adelphia, Global Crossing: 199,95 Dollar, ungerahmt.



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