Luxusartikel Hurrikan löst Krokotäschchen-Krise aus

Während die Menschen im Katastrophengebiet noch ums Überleben kämpfen, sorgt sich die französische Luxusindustrie bereits um Spätfolgen des Hurrikans "Katrina". Alligator-Farmen in Louisiana wurden schwer getroffen - Nachschub für Handtäschchen und Gürtel wird knapp.


Dior-Modenschau mit Kroko-Outfit: 1500 Euro pro Haut
DPA

Dior-Modenschau mit Kroko-Outfit: 1500 Euro pro Haut

Paris - Aus Louisiana kamen bisher jedes Jahr 300.000 Kroko-Häute auf den Weltmarkt. Die meisten der weltweit gehandelten Häute stammen von gejagten Alligatoren, der Rest wird in 20 Zuchtfarmen produziert, von denen die Hälfte in Louisiana liegt.

Dan Lewkowicz, Chef der Gerberei "France Croco" fürchtet, dass es zu Engpässen kommen wird. Zudem wird die Jagdsaison voraussichtlich ausfallen. In Frankreich werden 70 Prozent der weltweit gehandelten Kroko-Häute gegerbt - um zu Uhrenarmbändern, Schuhen oder Handtaschen verarbeitet zu werden. Deren ohnehin beträchtlicher Preis dürfte nun weiter steigen.

Zuchtfarmen können die Reptilien nur mit viel Hege, Pflege und Geduld aufziehen - ein Grund, weshalb eine Alligatorhaut Preise von bis zu 1500 Euro erzielt. Hauptlieferant war bisher Louisiana mit seinen Alligatoren, Krokodilshäute kommen aus Simbabwe, Asien und Australien.

"Wir werden nächste Woche den Schaden auf unserer Farm im Süden von New Orleans begutachten", kündigt Lewkowicz an. Stromausfälle seien gerade jetzt besonders gefährlich, weil es Brutsaison sei, für die Wärme gebraucht werde. "Auch drohen die Tiere zu verhungern, weil das Personal geflüchtet ist", so der Chef-Gerber. Selbst wenn eine Farm nicht unter Wasser stehe, sei die Produktion gefährdet, meint Jean-Marc Bonneville, Chef des französischen Gerberverbandes. "Durch die starken Winde und den Einsturz von Gebäuden sind sicher viele Eier zerstört worden."

Diese Eier sind kostbar, weil Alligatoren ein komplexes Liebesleben haben. 20 bis 90 Eier legt ein Tier im Jahr vorzugsweise in sandigen Boden, die Kleinen schlüpfen nach 60 bis 100 Tagen. Mit 30 Zentimetern Länge und 80 Gramm Gewicht sind sie bei der Geburt eher winzig - außerdem wachsen sie nur 30 Zentimeter pro Jahr. Die langwierige Fortpflanzung machte aus den Reptilien eine der bedrohtesten Tierarten der Welt: Zwischen 1870 und 1970 wurden schätzungsweise zehn Millionen Alligatoren wegen ihrer Haut getötet. Dann wurden Beschränkungen eingeführt - die kurze, drei Wochen währende Jagdsaison hätte in Louisiana in diesem Jahr am 3. September anfangen sollen.

Da dürfte es schwer werden, die Nachfrage von Luxusmarken wie Hermès, Gucci, Vuitton und Prada zu befriedigen, fürchtet Hervé Loubert von der Gerberei Gordon Choisy. Wenn die Versorgung zusammenbreche, könnte es schon in den kommenden Monaten zu drastischen Preisanstiegen kommen. Das zeigte sich schon einmal nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien im Dezember 2004. Loubert: "Die Preise für Häute aus Indonesien stiegen um 50 Prozent".

Françoise Medgyesi, AFP



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