Luxusprojekt in Katar Prunk-Perle im Meer

Die Bauprojekte am Persischen Golf werden immer größer, exklusiver - und immer teurer. Auch das Emirat Katar will am Immobilienboom teilhaben. Mit einer künstlichen Insel namens "The Pearl" macht man Dubai Konkurrenz.

Von Inka Ziegenhagen


Keine Woche vergeht, ohne dass am persischen Golf nicht irgendwo ein Spatenstich eine neue Großbaustelle einweiht. Unangefochtener Vorreiter in punkto Immobilien ist zweifelsfrei Dubai. Doch phantastische Renditeversprechen und Prestigegewinn locken auch die anderen Golfanrainer zu gewagten Bauvorhaben.

Mit einer Größe von 11.437 Quadtatkilometer ist das Emirat Katar gerade mal halb so groß wie Hessen. Die Hauptstadt Doha zählt derzeit 264.000 Einwohner - und ist damit kaum größer als Braunschweig. Doch ökonomisch betrachtet ist Katar kein Zwerg. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 40.000 US-Dollar pro Jahr übertrumpft das Emirat die Konkurrenz.


Künstliche Inseln sind am Golf en vogue. Während Dubai auf Inseln in Form von Palmen setzt und Bahrain ein Seepferdchen aus Sand und Stein entstehen lässt hat Katar die Perlenform für sich entdeckt. Eine Reminiszenz an die Vergangenheit, als viele Bewohner der Golfstaaten von der Perlenfischerei lebten.

"The Pearl", ein 400 Hektar großes künstliche Eiland, dass derzeit 20 Kilometer nördlich des internationalen Flughafens entsteht, soll 30.000 Menschen exklusives Wohnen ermöglichen. Auf 16 Millionen Quadratmeter Sand und Stein entsteht alles, was man mit Geld kaufen kann: 8000 Villen, Reihenhäuser und Appartements mit Meerblick, drei Luxushotels, Schulen, Kindergärten und Moscheen. Für das Vergnügen werden vier Häfen für insgesamt 700 Yachten, ein Yachtclub, Parkanlagen, Privatstrände, Restaurants und Einkaufsmeilen - selbstverständlich alles vom Feinsten - errichtet. Eine perfekt inszenierte Welt. Je nach Geschmack kann der stolze Käufer zwischen verschiedenen architektonischen Stilen wählen. Vorbilder für die Bauherren sind Gebäude der Toskana, Provence, Kataloniens oder Andalusiens.

Die Auswahl ist groß und hat natürlich ihren Preis. Für eine Villa an der Hauptpromenade - inklusive 2600 Quadratmeter Grundstück, Pool und Meerblick - sind etwa 3,5 Millionen US-Dollar zu zahlen. Etwas günstiger sind die Appartements. Für eine Eigentumswohnung mit 129 Quadratmeter Wohnfläche auf der Perleninsel verlangt der Bauherr, Katars United Development Company (UDC), 275.000 US-Dollar.

Selbstverständlich wird kräftig die Werbetrommel gerührt. Die Vermarktungstrumpfkarte: Bei The Pearl Qatar handelt es sich um "true freehold", so dass Ausländer einen rechtskräftigen Grundbucheintrag mit vollen Eigentumsrechten erhalten. Darüber hinaus wird dem Eigentümer und seinen Angehörigen - wie in anderen Golfstaaten auch - ein Visum auf Lebenszeit zugesichert. Die Zielgruppe beschränkt sich nicht nur auf Einheimische, sondern umfasst die High-Society der gesamten Welt. Schließlich ist der inländische Markt zu klein, um das Projekt gewinnbringend zu vermarkten.

The Pearl ist nicht das einzige Großprojekt des katarischen Immobiliensektors. Im Rahmen der so genannten North Beach sollen auf 32 Quadratkilometer zehn Hotels, zwei Golfanlagen, 3000 Villen, 12.000 Appartements, 300.000 Quadratmeter Geschäftsflächen und sechs Millionen Quadratmeter Büroflächen entstehen. Auch in der so genannten West Bay Area wird kräftig gebaut. 180 Hochhäuser sind derzeit geplant, wovon rund 36 bis 2008 fertig gestellt sein sollen.

Blickt man über die Grenzen Katars, so stellt man fest, dass die Immobilienprojekte in Katar alles andere als einzigartig sind. Die Phantasie der Architekten mag grenzenlos erscheinen - das Interesse der potenziellen Käufer ist es nicht. Angesichts des Baubooms am Golf stellt sich mancher kritischer Beobachter die Frage, wer in die zahlreichen Luxusresidenzen ziehen soll. Gewiss, das Käuferpublikum im Mittleren Osten ist zahlungskräftig und residiert gerne fürstlich. Doch außerhalb der Golfregion wissen die wenigsten, wo Katar liegt und was es zu bieten hat. In den Reiseführern findet man auf letztere Frage vor allem folgende Antworten: Sanddüne, Einkaufsmöglichkeiten, Badestrände - nichts was die Konkurrenz am Golf nicht auch bieten kann.

Auch das Gewähren von umfassenden Eigentumsrechten (freehold) dürfte schnell verspielt sein, da auch andere Länder fleißig an der Novellierung ihrer Immobiliengesetze feilen. Und zumindest für Europäer könnte die Nähe zu den Krisengebieten der Region doch kaufentscheidend werden. Dann vielleicht doch lieber das Original in Cannes.



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