Machtkampf bei Siemens Ex-VW-Manager Bernhard als Kleinfeld-Nachfolger im Gespräch

Tag X für Siemens-Chef Kleinfeld: Der Aufsichtsrat berät über seinen Vertrag - und einige Aufseher wollen ihn loswerden. Als möglicher Nachfolger wird einer Zeitung zufolge auch der frühere VW-Manager Bernhard genannt. Um Kleinfeld zu stärken, verkündete Siemens gestern spontan Quartalszahlen.


München - In der Siemens-Aufsichtsratssitzung steht heute ein heikler Programmpunkt auf der Tagesordnung: Der Vertrag von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer ist mehreren Berichten zufolge auch die Verlängerung des Kleinfeld-Vertrags mehr als unsicher. Kreisen zufolge sollte die Entscheidung gar nicht heute fallen, doch der Mischkonzern erklärte gestern nochmals: "Am Zeitplan für die Vertragsverlängerung von Dr. Kleinfeld hat sich nichts geändert." Der Entschluss falle heute.

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Wie der ausfällt, scheint unklarer denn je. Einige Aufsichtsräte - darunter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der designierte Oberaufseher Cromme, der heute gewählt werden soll - seien für Kleinfelds Ablösung, heißt es. Neben Linde-Chef Wolfgang Reitzle wird der "Süddeutschen Zeitung" zufolge in Aufsichtsratskreisen noch ein weiterer Nachfolgekandidat diskutiert: Der frühere Volkswagen-Manager Wolfgang Bernhard.

Die Sache sei nach wie vor offen. Auch das gestrige Dementi von Linde - ein Sprecher erklärte, Reitzle stünde für den Chef-Job bei Siemens nicht zur Verfügung - solle man nicht überbewerten, hieß es demnach in Aufsichtsratskreisen.

Kleinfelds Vertrag läuft im Herbst aus. In der Schmiergeldaffäre hat er zwar bisher eine weiße Weste. In Branchenkreisen wurde aber spekuliert, dass Siemens möglicherweise als Konzession an die mächtige US-Börsenaufsicht SEC auf einen kompletten Neuanfang setzen könnte. Schließlich seien mögliche Schmiergeldzahlungen auch noch zu Beginn von Kleinfelds Amtszeit als Vorstandsvorsitzender weiter gelaufen.

Um den angeschlagenen Chef im Gerüchte-Dschungel ein wenig zu schützen, verkündete Siemens gestern Abend spontan schon die wichtigsten jüngsten Quartalszahlen. Eigentlich sollten die erst am Donnerstag bekannt gegeben werden. Die Botschaft des Manövers ist klar: Seht her - Siemens macht glänzende Geschäfte. Der Gewinn sei unterm Strich im zweiten Quartal 2006/07 um 36 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Mischkonzern mit. Das operative Ergebnis der Bereiche verbesserte sich um 49 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro und damit stärker als von Analysten erwartet. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf gut 20,6 Milliarden Euro zu.

Aktionärsschützer sprechen sich wegen der guten Ergebnisse, die Kleinfeld erzielt, auch gegen seine Ablösung aus. "Man würde einen fähigen Konzernchef loswerden", sagte das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Reinhild Keitel, der "Berliner Zeitung". "Für eine Ablösung Kleinfelds wäre ich nur, wenn neue Erkenntnisse, die gegen ihn sprechen, vorliegen." Wenn der Aufsichtsrat erwäge Kleinfeld zu ersetzen, müsse man allerdings befürchten, dass dieser auch tatsächlich belastet sei, räumte Keitel ein.

ase/AFP/dpa-AFX



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