Machtkampf Großinvestor Icahn attackiert Time-Warner-Boss Parsons

Mit seinen ständigen Angriffen auf den Vorstand von Time Warner hat Großinvestor Carl Icahn Konzernchef Dick Parsons bereits auf Linie gezwungen. Jetzt wählt Icahn die nächste Eskalationsstufe - mit einem direkten persönlichen Angriff gegen Parsons.


London - "Parsons wurde an Bord geholt, um das Schiff Time Warner zu beruhigen, aber ich finde ihn nicht sympathisch", sagte Icahn der "Financial Times". Icahn wirbt bei den Aktionären für einen radikalen Umbau des Medienkonzerns und beabsichtigt, die Managementpraxis und die Führungsarbeit Parsons genauer unter die Lupe zu nehmen.

Time-Warner-Zentrale in New York: Sorge um die Moral der Mitarbeiter
AFP

Time-Warner-Zentrale in New York: Sorge um die Moral der Mitarbeiter

Mit seiner Attacke gegen Time-Warner-Chef Richard Parsons zog Icahn die Auseinandersetzungen auf eine persönliche Ebene. Icahn will unter anderem hinterfragen, wie und warum Parsons zwischen April und Mai 2001 rund 700.000 seiner Time-Warner-Aktien zu einem Preis von über 50 US-Dollar pro Anteil verkaufte. Kurz darauf brach der Aktienkurs des zuvor mit AOL verschmolzenen Unternehmens ein. "Ich weiß nicht, wie es der Moral der Mitarbeiter, deren Aktienoptionen sich seit seinem Amtsantritt nicht entwickelt haben, helfen soll, dass der vermeintliche Kapitän des Schiffes seine Aktien vor langer Zeit verkauft hat und dabei viel Geld verdiente. Viele Mitarbeiter verabscheuen das", sagte Icahn.

"Manipulativer Soundschnipsel"

Time Warner wies die Kritik als "aus grauer Vorzeit" stammend zurück. "Der Vorwurf ist ein manipulativer Soundschnipsel, der von der Tatsache ablenken soll, dass es dieses Managementteam war, das die Wende geschafft und das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs gebracht hat und einen Plan vorweisen kann, der das Unternehmen nach vorne bringt. Darüber sollten wir diskutieren", sagte ein Konzernsprecher der Zeitung.

Milliardär Icahn kontrolliert mit drei Hedgefonds rund drei Prozent der Anteile. Vergangene Woche gewann Icahn die Investmentbank Lazard für seine Sache. Dass Icahn gemeinsame Sache mit Lazard mache, zeige, dass er "keine großen Ideen" für Time Warner habe, sagte Parsons, der vor drei Jahren die Führung des Konzerns übernahm. Parsons räumte ein, dass die Aktie unterbewertet sei, gegen eine Zerschlagung wehrt er sich jedoch vehement.



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