Machtkampf um VW Piëch-Attacke drückt Porsche-Aktien ins Minus

Der Patriarch poltert, die Börse reagiert: VW-Aufsichtsratschef Piëch hat erstaunlich deutliche Kritik an Großaktionär Porsche und dessen Chef Wendelin Wiedeking geübt. Der Aktienkurs des Sportwagenherstellers rauscht in den Keller.


Frankfurt am Main/Olbia - Porsche-Aktionäre brauchten am Dienstag starke Nerven: Mit Abschlägen von teilweise über sieben Prozent haben die Papiere des Sportwagenbauers deutlich schwächer als der Gesamtmarkt notiert. Grund für das Minus waren offenbar Äußerungen von Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. Er hatte einer Fusion auf Augenhöhe zwischen dem Wolfsburger Autokonzern und Porsche eine Absage erteilt.

VW-Patriarch Piëch, Porsche-Chef Wiedeking: "Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut"
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VW-Patriarch Piëch, Porsche-Chef Wiedeking: "Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut"

Piëch diktiert jetzt den Stuttgartern, die mehr als 50 Prozent an Volkswagen halten und sich mit der Übernahme verhoben haben, seine Konditionen für einen Deal. Porsche müsse erst seine Schuldenprobleme in den Griff bekommen, bevor Entscheidungen über einen integrierten Autokonzern mit Volkswagen Chart zeigen getroffen werden könnten, sagte Piëch am Montagabend bei einer VW-Veranstaltung in Olbia auf Sardinien. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Volkswagen ein Risiko eines anderen Unternehmens übernimmt", betonte der VW-Patriarch.

Ihm selbst sei es als Porsche-Aufsichtsrat nicht gelungen, sich Klarheit über die Höhe der Risiken aus den Optionsgeschäften des Unternehmens zu verschaffen. "Ich weiß nicht, wie hoch diese Risiken sind", versicherte Piëch. Von Porsche verlangte Piëch nun mehr Transparenz. "Beide Unternehmen müssen voneinander wissen, woran sie sind", sagte er.

Auf die Frage, ob Porsche-Vorstandschef Wiedeking noch sein Vertrauen habe, antwortete Piëch: "Zur Zeit noch. Das 'noch' können Sie streichen." VW-Chef Martin Winterkorn sei für Volkswagen "der Bessere". "Für Porsche war Wiedeking der beste, sicher über 15 Jahre", fügte Piëch hinzu. Wiedeking sei "persönlich bemüht", den "Reifendefekt" zu beheben, der durch die Verschuldung von Porsche entstanden sei. "Es steht nicht an, ihn abzulösen, auch von mir nicht", sagte Piëch.

Der VW-Aufsichtsratschef äußerte indes Zweifel, dass Wiedeking Markenchef in einem neuen VW-Porsche-Konzern werden wolle. "Der müsste sehr viele Stufen runtersteigen. Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut - ich weiß nicht", sagte Piëch.

Kritik an Porsche-Finanzchef Härter

Deutlichere Worte fand Piëch für Porsche-Finanzchef Holger Härter, der die riskante Übernahme von Volkswagen maßgeblich eingefädelt hatte. Nach Härters Zukunft gefragt sagte Piëch, dieser habe die Banken mit seinem Verhalten vergrätzt und so die Situation von Porsche verschärft. Härter habe bei den Instituten günstig geliehenes Geld am Kapitalmarkt angelegt, um noch mehr Geld zu machen. "Das vergessen die Banken nicht", sagte Piëch. Je näher für Porsche der nächste Kredittermin gekommen sei, desto enger sei es geworden. VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sei "kreditfähiger".

Zudem ließ Piëch keinen Zweifel daran, dass Wolfsburg auch Sitz des neuen fusionierten Konzerns sein und das VW-Gesetz erhalten bleiben soll. Insgesamt geriet der Auftritt damit zur Machtdemonstration gegenüber Porsche. Erst vergangene Woche hatten sich die Eigner des Stuttgarter Autobauers, die Familien Porsche und Piëch, auf einen Zusammenschluss mit Volkswagen verständigt, um die durch die VW-Übernahme entstandene Finanzlücke zu schließen. Auf dem Stuttgarter Unternehmen lasten durch den Kauf von 51 Prozent an VW Nettoschulden von neun Milliarden Euro.

Aus VW und Porsche soll nun ein integrierter Autokonzern mit zehn Marken entstehen. Nach Piëchs Aussagen kann von einer Fusion unter Gleichen allerdings keine Rede mehr sein. Im Gegenteil: Der Machtkampf scheint voll entbrannt. Mit seinen Worten machte der VW-Aufsichtsrat deutlich, wer im Konzern künftig das Sagen hat.

Piëch stellte denn auch klar, dass er eine Integration von Porsche in den VW-Konzern favorisiert. Insgesamt gebe es drei Wege für einen Zusammenschluss, darunter "zwei Fusionswege". Die Beteiligung eines arabischen Großinvestors, um die Finanzprobleme von Porsche zu lösen, lehnte der frühere VW-Vorstandschef ab.

suc/Reuters/dpa/AP



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