Machtkampf um VW Piëch düpiert Porsche-Chef Wiedeking

Brutal-deutliche Worte von Ferdinand Piëch, dem heimlichen Herrscher bei Volkswagen: Bei einem Auftritt in Italien diktiert er Porsche die Bedingungen für die geplante Fusion. Der Konzernsitz müsse in Wolfsburg bleiben - und Porsche-Chef Wiedeking dringend sein Verhalten ändern.


Piëch, Wiedeking: Klare Worte zum Porsche-Chef
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Piëch, Wiedeking: Klare Worte zum Porsche-Chef

Olbia - Ferdinand Piëch zeigt dem Management von Porsche Chart zeigen die Grenzen auf: Der durch die geplante Volkswagen-Übernahme in Nöte geratene Sportwagenbauer muss nach Auffassung des VW-Aufsichtsratschefs seine Schwierigkeiten aus eigener Kraft bewältigen. "Porsche muss seine finanziellen Probleme selbst lösen - Volkswagen wird das nicht tun", sagte Piëch am Montagabend bei der Vorstellung des neuen VW Polo in Olbia auf Sardinien.

Die finanziellen Risiken, die sich bei Porsche durch Optionsgeschäfte mit VW-Aktien angesammelt haben, kann Volkswagen Piëch zufolge nicht übernehmen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Volkswagen diese Risiken eingeht", sagte der VW-Aufsichtsratschef, der auch Porsche-Miteigentümer ist.

Ihm selbst sei es als Porsche-Aufsichtsrat nicht gelungen, sich Klarheit über die Höhe die Risiken aus den Optionsgeschäften zu verschaffen. "Ich weiß nicht, wie hoch diese Risiken sind", versicherte Piëch. Von Porsche verlangte Piëch nun mehr Transparenz. "Beide Unternehmen müssen voneinander wissen, woran sie sind", sagte er.

Die Porsche-Eigner, die Familien Porsche und Piëch, hatten sich vergangene Woche auf einen Zusammenschluss mit Europas größtem Autohersteller Volkswagen verständigt, um die durch die VW-Übernahme entstandene Finanzlücke zu schließen. Auf dem Stuttgarter Unternehmen lasten durch die Übernahme von 51 Prozent an VW Nettoschulden von neun Milliarden Euro.

Aus VW und Porsche soll nun ein integrierter Autokonzern mit zehn Marken entstehen. Nach Piëchs Aussagen kann von einer Fusion auf Augenhöhe allerdings keine Rede mehr sein. Im Gegenteil: Der Machtkampf scheint voll entbrannt. Mit seinen Worten machte der VW-Aufsichtsrat klar, wer im Konzern künftig das Sagen hat. Das bekam auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zu spüren.

Attacke auf Wiedeking

Auf die Frage, ob Wiedeking noch sein Vertrauen habe, antwortete Piëch: "Zurzeit noch. Das 'noch' können Sie streichen." VW-Chef Martin Winterkorn sei für Volkswagen "der Bessere". "Für Porsche war Wiedeking der Beste, sicher über 15 Jahre", fügte Piëch hinzu. Wiedeking sei "persönlich bemüht", den "Reifendefekt" zu beheben, der durch die Verschuldung von Porsche entstanden sei.

Piëch äußerte zugleich Zweifel, dass Wiedeking Markenchef in einem neuen VW-Porsche-Konzern werden wolle. "Der müsste sehr viele Stufen runtersteigen. Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut - ich weiß nicht."

Dazu muss man wissen, dass Piëch in der Vergangenheit mit Andeutungen bereits mehreren Managerkarrieren ein Ende bereitet hat. Zuletzt hatte Bernd Pischetsrieder seinen Hut nehmen müssen, nachdem der VW-Chefkontrolleur Zweifel angemeldet hatte, ob der VW-Chef noch das Vertrauen des Betriebsrates habe.

"Wolfsburg bleibt Konzernsitz"

Zudem stellt er nun klar, dass der Unternehmenssitz nach einem Zusammenschluss von Volkswagen und Porsche Wolfsburg sein wird. "Das ist seit sechs Wochen nicht mehr strittig", sagte er. Auch der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn sagte in Olbia: "Ich gehe davon aus, dass die Volkswagen-Zentrale in Wolfsburg bleibt."

Piëch sagte weiter, dass er eine Integration von Porsche in den VW-Konzern favorisiert. Insgesamt gebe es drei Wege für einen Zusammenschluss, darunter "zwei Fusionswege". Die Beteiligung eines arabischen Großinvestors, um die Finanzprobleme von Porsche zu lösen, lehnte Piëch indes ab. Die Dinge müssten erst "mit eigenen Werkzeugen in Ordnung gebracht werden".

Mit dem VW-Gesetz in seiner jetzigen Form habe er keine Probleme, fügte Piëch hinzu. "Ich war immer der Meinung, man könne mit dem VW-Gesetz leben. Die Zeit wird zeigen, dass es geht." Auch die Mitbestimmung habe sich bewährt. Die Arbeitnehmer hätten sich wichtigen Entscheidungen und Weichenstellungen nie verschlossen, sagte der Aufsichtsratschef.

suc/dpa/AP/Reuters



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