Made-in-Germany-Streit Künast verteidigt ihre Vorschläge

Verbraucherministerium Renate Künast hat die Kritik an ihrem Vorschlag, verstärkt heimische Produkte zu kaufen, als unpassend zurückgewiesen und noch nachgelegt: Deutsche Kunden sollten auch bereit sein, für deutsche Agrarprodukte mehr zu bezahlen.

Dresden - "Man soll hinschauen, wo die Waren herkommen", sagte Künast der "Sächsischen Zeitung", und: "Die Leute sollten wissen, was sie kaufen." Damit bekräftigte sie ihre Vorschläge, im Sinne des Arbeitsplatzerhalts wenn möglich Produkte aus Deutschland zu kaufen. Diese Anregungen der Ministerin waren in den vergangenen Tagen auf teils heftige Kritik von Handel und Industrie gestoßen.

Künast sagte, Schuld an der Abwanderung von Jobs sei auch, dass Kunden hier zu Lande aus Preisbewusstsein billigere, im Ausland gefertigte Produkte kaufen. "Die Geiz-ist-geil-Mentalität löst eine der größten wirtschaftlichen Schäden hierzulande aus und macht viele Arbeitsplätze kaputt." Wenn sich diese Haltung durchsetze, werde bald überhaupt nichts mehr in Deutschland produziert. Es hätte dann auch keinen Sinn mehr, "hier Erdbeeren oder Wein anzupflanzen", sagte Künast.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hatte Künasts Vorstoß als billige Bauernfängerei gewertet. "Ein Boykott ausländischer Waren hier bei uns wäre da sehr schädlich", sagte Verbandssprecher Hubertus Pellengahr der "Bild"-Zeitung unter Verweis auf Deutschlands Rolle als Exportweltmeister.

Künast: Handelsverband ist scheinheilig

BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Wartenberg forderte Künast auf, ihren Aufruf noch einmal zu überdenken. Die Ministerin trete eine "unselige Diskussion" los, sagte er. "Denn was wäre die Konsequenz, wenn die Japaner und Amerikaner keine deutschen Autos mehr kauften und wenn andere Länder keine deutschen Maschinen mehr bestellten?"

Künast hatte in der "Bild am Sonntag" gesagt, jeder könne etwas für mehr Beschäftigung in Deutschland tun, indem er sich überlege, "wo die Produkte hergestellt worden sind, die er kauft". Babypuppen kämen aus China, Strampler aus der Türkei, Turnschuhe aus Vietnam. "Das gibt es alles auch von deutschen Herstellern", hatte die Grünen-Politikerin erklärt.

Künast sagte nun, das Herstellungsland sei auch ein Markenzeichen. "Natürlich wird der Basmati-Reis, den ich kaufe, nicht in Deutschland hergestellt. Und der Kaffee wächst auch woanders. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, der mich kritisiert, hat zum Beispiel kein Interesse daran, dass die Menschen fair gehandelten Kaffee trinken. Denn wer verdient am meisten am Kaffee? Das sind die deutschen Unternehmen und nicht die Bauern in den Entwicklungsländern."

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