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25. Dezember 2008, 12:05 Uhr

Madoff-Opfer

Elie-Wiesel-Stiftung verliert fast ihr gesamtes Vermögen

Immer mehr Namen von Opfern des Multimilliarden-Betrügers Madoff sickern durch - und es sind prominente: Die renommierte Elie-Wiesel-Stiftung gab jetzt bekannt, dass der Investor den größten Teil ihres Vermögens verzockt hat. Auch L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt muss wohl eine größere Summe abschreiben.

New York/Paris - Es ist nicht nur viel Geld, das fehlt, sondern könnte das Ende eines Lebenswerks sein: Die Stiftung des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel hat durch den Anlagebetrüger Bernard Madoff "so gut wie ihr gesamtes Vermögen verloren". Das teilte die Organisation am Donnerstag auf ihrer Internet-Seite mit.

Madoff-Opfer Wiesel: "15,2 Millionen Dollar durch den Wall-Street-Broker verwalten lassen"
AFP

Madoff-Opfer Wiesel: "15,2 Millionen Dollar durch den Wall-Street-Broker verwalten lassen"

Die Stiftung habe insgesamt 15,2 Millionen Dollar durch den Wall-Street-Broker verwalten lassen. Die Stiftung teilte gleichzeitig mit, sie werde sich auch weiterhin für das Lebenswerk ihres Gründers einsetzen und gegen Intoleranz und Ungerechtigkeit in der Welt kämpfen.

Madoff, der ehemalige Chef der Technologiebörse Nasdaq, richtete im wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte mit einem riesigen "Schneeball-System" nach eigenen Angaben einen Schaden von rund 50 Milliarden Dollar an. Die Behörden suchen weiter nach möglichen Helfern. Zuletzt nahmen Ermittler laut US-Medien einen engen Mitarbeiter und einen Wirtschaftsprüfer Madoffs ins Visier.

L'Oreal-Erbin Bettencourt ebenfalls betroffen

Zu weiteren prominenten Opfern gehört wohl auch die reichste Frau der Welt, die L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt. Auch sie habe einen Teil ihres fast 23 Milliarden Dollar schweren Vermögens bei Madoff investiert, schreibt die britische Zeitung "The Times" auf ihrer Internet-Seite. Sie soll ihr Geld über den Investmentfonds Access International Advisors angelegt haben - dessen Mitgründer Thierry Magon de la Villehuchet am Dienstag tot in seinem New Yorker Büro aufgefunden worden war. Der Investor habe sich die Pulsadern aufgeschnitten, hieß es aus Polizeikreisen.

Bettencourt gehört damit zu dem Kreis wohlhabender europäischer Kunden, die Presseberichten zufolge über den Fonds bis zu 1,4 Milliarden Dollar bei Madoff angelegt haben. Nach Informationen der Zeitung "La Tribune" hatte der Manager verzweifelt versucht, einen Teil der Investorengelder zu retten. Er habe diese Last nicht mehr ertragen können, zitiert das Blatt eine diesem nahestehende Person. Die Tat sei der Abschied eines Mannes gewesen, der sich nichts vorzuwerfen hatte. La Villehuchet habe immer mit aller gebotenen Sorgfalt gearbeitet. "Die Wahrheit ist, dass die ganze Welt bei Madoff investieren wollte."

sam/dpa/AFP

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