Märkte im Minus Dow Jones bricht um fast sechs Prozent ein

Die Wall Street leidet weiter unter der Gefahr einer möglichen Rezession: Erneut musste der US-Leitindex Dow Jones deutliche Verluste verkraften - er stürzte um 5,7 Prozent ins Minus. Händler machten enttäuschende Quartalsbilanzen und einen sinkenden Ölpreis für die Talfahrt verantwortlich.


New York - Ängste über das Ausmaß einer drohenden Konjunkturflaute haben an den US-Börsen am Mittwoch einen Kurssturz ausgelöst. Verhalten ausgefallene Unternehmensberichte schürten bei den Anlegern die Sorge, dass die US-Konjunktur auf eine tiefe und langwierige Rezession zusteuere, hieß es am Markt. Der starke Dollar habe außerdem schwer auf den Rohstoffpreisen und damit auch auf den Aktien der Branche gelastet.

Händler in New York: Die Sorge vor einer möglichen Rezession drückt die Kurse massiv
AFP

Händler in New York: Die Sorge vor einer möglichen Rezession drückt die Kurse massiv

Nach einer drastischen Abwärtsbewegung im späten Handel fing sich der Dow-Jones-Index kurz vor Börsenschluss zwar wieder - dennoch ging er mit einem kräftigen Minus von 5,7 Prozent auf 8519 Zähler aus dem Handel.

Der marktbreite S&P-500-Index büßte zum Schluss 6,10 Prozent auf 896,83 Zähler ein. Der Nasdaq Composite Chart zeigen-Index verlor 4,77 Prozent auf 1615 Punkte. Der Nasdaq 100 Chart zeigenfiel um 3,61 Prozent auf 1237 Zähler.

Der US-Leitindex schloss leicht über dem Niveau von vorvergangenem Freitag, als er den Handel mit 8451 Zählern auf dem tiefsten Stand seit Mai 2003 beendet hatte. Sein Tagestief hatte der Dow Jones allerdings zuvor bei 8336 Zählern markiert: Zwischenzeitlich war er sogar um 7,5 Prozent abgestürzt. Hoffnung auf eine Erholung an den US-Börsen waren bereits gestern zunichte gemacht worden, als der Dow Jones nach einem positiven Wochenauftakt erneut mit einem deutlichen Minus aus dem Handel gegangen war.

"Verdammt, wir sind in einer Rezession"

Zuvor hatten Rezessionsängste und schlechte Nachrichten aus den USA schon den Dax nach unten gedrückt. Er schloss in Frankfurt 4,5 Prozent tiefer bei 4571 Punkten. Das Börsenbarometer lag damit nur noch knapp über dem Jahrestief von 4544 Zählern vom 10. Oktober. Der MDax Chart zeigen verlor 4,34 Prozent auf 5353,69 Zähler, der TecDax Chart zeigen 5,44 Prozent auf 530,97 Punkte.

"Es fehlen mutige Käufer am Markt", sagte der Frankfurter Aktienhändler Christoph Schmidt von der Wertpapierhandelsbank Fleischhacker. Keiner wage sich zurzeit aus der Deckung. Vielmehr würden vereinzelt Kursgewinne genutzt, um wieder aus dem Markt zu gehen.

Viele Anleger werteten den weiter fallenden Ölpreis, der auf rund 67 Dollar für ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl sank, als ein weiteres Anzeichen für eine Abkühlung der Weltwirtschaft. Auch die Titel von Ölfirmen gerieten deshalb unter Druck.

ConocoPhillips Chart zeigen, die drittgrößte US-Ölfirma, erklärte, die Exploration von Ölquellen und die Produktion werde 2008 geringer ausfallen als im Vorjahr. Ihre Aktien brachen daraufhin um knapp zehn Prozent ein. Die schlechten Nachrichten zogen die gesamte Branche mit in den Keller. Papiere von Exxon Mobil Chart zeigenverbilligten sich um 6,9 Prozent, Chevron Chart zeigen-Titel gaben 5,6 Prozent nach. "Wir befinden uns in einer Zeit, in der jeder erschocken feststellt: 'Verdammt, wir sind in einer Rezession'", sagte Analyst Bruce Zaro von Delta Global Advisors.

Bei den Finanztiteln geriet die Aktie der US-Bank Wachovia Chart zeigen nach einem Rekordverlust von 23,9 Milliarden Dollar im dritten Quartal unter Druck. Es ist der bisher höchste Verlust einer US-Bank im Zuge der weltweiten Kreditkrise. Die Aktie fiel gut drei Prozent.

Die Papiere von Apple Chart zeigen widersetzten sich dem allgemeinen Abwärtstrend und legten um 6,5 Prozent zu. Die Firma verzeichnete einen Gewinnsprung im vergangenen Vierteljahr und steigerte den Verkauf des neuerdings UMTS-fähigen iPhones um das sechsfache. Gemessen am Umsatz ist Apple nach eigenen Angaben nun weltweit drittgrößter Handy-Hersteller hinter Nokia Chart zeigen und Samsung Chart zeigen Electronics.

Auch McDonalds-Papiere widersetzten sich dem Abwärtstrend und notierten unverändert. Die weltgrößte Schnellrestaurant-Kette steigerte ihren Gewinn deutlicher als erwartet. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Belastungen schauen viele Kunden offenbar auch bei Essengehen genauer auf den Preis - und vertilgen Burger lieber bei McDonalds als in teureren Restaurants.

amz/dpa/Reuters/AP



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