Malader Chipkonzern Qimonda-Hilfe auf der Kippe

Für den angeschlagenen Chipbauer Qimonda wird es eng: Der Mutterkonzern Infineon verweigert notwendige Hilfszahlungen. Ohne das Geld will aber auch das Land Sachsen den Konzern nicht unterstützen.


Dresden/München - Der von der Insolvenz bedrohte Speicherchiphersteller Qimonda muss weiter um seine Zukunft bangen - obwohl das Bundesland Sachsen erst am Dienstag Finanzhilfen in Millionenhöhe zugesagt hat.

Proteste von Qimonda-Angestellten in Dresden: Infineon blockt Hilfsgelder
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Proteste von Qimonda-Angestellten in Dresden: Infineon blockt Hilfsgelder

Sachsen hatte für das Werk ein Darlehen über 150 Millionen Euro angeboten, wenn der Mutterkonzern Infineon die gleiche Summe beisteuert. Infineon lehnte das ab, signalisierte aber weitere Gesprächsbereitschaft. Die Forderung aus Sachsen übersteige bei weitem die Möglichkeiten des Konzerns, hieß es zur Begründung.

Die weltweite Chipkrise und der Preisverfall hatten zu Milliardenverlusten bei der Infineon-Tochter geführt. Der Konzern hält noch 77,5 Prozent an Qimonda und will diesen Anteil so schnell wie möglich loswerden. Bislang suchte Infineon aber vergeblich nach einem Abnehmer. Bei Qimonda sind weltweit 13.000 Menschen beschäftigt. Bis Frühjahr sollen im Werk Dresden von rund 3000 Stellen 950 abgebaut werden. Im Werk München sind es 600.

Infineon begrüßte zwar die Bereitschaft Sachsens, Qimonda unterstützen zu wollen. Die daran geknüpfte Forderung, als Mehrheitsaktionär ebenfalls einen "unkonditionierten dauerhaften Beitrag in Höhe von 150 Millionen Euro in bar" zu leisten, sei aber nicht zu erfüllen, erklärte der Münchner Halbleiterhersteller.

Man habe die Möglichkeiten in den Verhandlungen mit dem Freistaat frühzeitig zum Ausdruck gebracht, hieß es. "Infineon hat trotz der äußerst angespannten Marktlage einen Kredit angeboten in Verbindung mit dem Verkauf eines substanziellen Aktienpaketes an den Freistaat. Wir sind mit dem Angebot an die Grenze der noch vertretbaren Belastungen gegangen", sagte Vorstandschef Peter Bauer.

Hintergrund der sächsischen Rettungsbemühungen ist die Furcht vor den Folgen, die eine Insolvenz von Qimonda für den Halbleiterstandort Sachsen mit rund 1200 Firmen und etwa 40.000 Beschäftigten haben würde. Bricht Qimonda zusammen, sind zahlreiche weitere Jobs bedroht.

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung von Infineon. "Das ist schon deshalb bedauerlich, weil uns ohne ein Infineon-Engagement aus europarechtlicher Sicht die Hände gebunden sind, Qimonda zur Seite zu stehen", betonte Jurk am Dienstagabend. Er gehe davon aus, dass das nicht das letzte Wort von Infineon war.

suc/dpa



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