Manager-Entgleisung Ackermann entschuldigt sich für Victory-Auftritt

Als er die Finger im Gerichtssaal zum Victory-V formte, hat Josef Ackermann dem Image der Deutschen Bank schwer geschadet. Jetzt sagte der Manager, es täte ihm leid.


Ackermann-Geste im Gericht: "Die hat das verstanden"
AP

Ackermann-Geste im Gericht: "Die hat das verstanden"

Frankfurt am Main - "Das war so nicht beabsichtigt", sagte der Deutsche-Bank-Chef am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. "Wenn der falsche Eindruck entstanden ist, ich respektiere nicht das Gericht, tut es mir leid."

Der Vorstandssprecher war mit einem Foto in die Schlagzeilen geraten, das ihn in siegesgewisser Pose unmittelbar vor Beginn des Mannesmann-Prozesses zeigte. Auf dem Titel des "Stern" wurde Ackermann damit gar zum Repräsentanten der "Arroganz der Mächtigen". Die "Titanic" startete eine satirische "Solidarität mit Ackermann"-Kampagne.

SPD-Generalsekretär sprach von einer "Verhöhnung der arbeitenden Menschen in Deutschland". Einen solchen Kommunikations-GAU hat die Bank nicht mehr erlebt, seit der damalige Vorsitzende Hilmar Kopper den 50-Millionen-Mark-Schaden, den die Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider Handwerkern zufügte, als "Peanuts" bezeichnete.

"Das ist erledigt"

Ackermann ist zusammen mit anderen Spitzenmanagern angeklagt, weil er dem Mannesmann-Management im Zusammenhang mit der Übernahme durch Vodafone Millionen-Abfindungen gewährte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue in schweren Fällen vor.

Ackermann erklärte, sein Siegeszeichen sei aus der Situation heraus entstanden. Er habe insgesamt 40 Minuten auf die Richterin gewartet und sei umringt von Fotografen gewesen. Sein Verteidiger habe ihm empfohlen, nicht zu sitzen und nicht in den Dokumenten zu lesen. "Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass da so ein Sturm der Entrüstung losgeht", sagte er .

Ackermanns Anwälte hatten den Blackout des Managers schon vorher zu rechtfertigen versucht. Der Bankchef sei von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser im Gerichtssaal an den Prozess gegen Popsänger Michael Jackson erinnert worden. Ackermann habe daraufhin spontan das Victory-Zeichen imitiert, mit dem Jackson seine Fans in der Welt begrüßte.

Ackermann kritisierte, dass die Medien diese aus dem Zusammenhang gerissene Geste zu einer Kampagne genutzt hätten. "Ich habe Politiker angerufen, die haben gesagt: Das passiert uns täglich und wir haben gelacht." Zur Klärung habe er der Vorsitzenden Richterin einen Brief geschrieben. "Die hat das verstanden. Das ist erledigt."

Der Satz, den der Banker vor Gericht sagte und der ihm nicht weniger Kritik eintrug als die gespreizten Finger, stammt allerdings nicht von Jackson, er ist original Ackermann: "Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen."



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.