Manager-Geisel Französische Arbeitnehmer erzwingen Verhandlungen

Mit robusten Methoden wehren sich Frankreichs Arbeitnehmer gegen Sparmaßnahmen und Entlassungen: Bei einer Firma in Lothringen haben Angestellte jetzt erneut Verhandlungen über einen drohenden Stellenabbau durchgesetzt, indem sie das Management festsetzten.


Paris - In Frankreich gibt es einen neuen Fall von Manager-Geiselnahme: Wütende, von Entlassung bedrohte Mitarbeiter haben eine Gruppe von Vorgesetzten festgesetzt. Die fünf Manager kamen erst frei, nachdem die Führung des betroffenen Logistikunternehmens FM Logistic bei Metz in Lothringen neue Gespräche über den geplanten Stellenabbau zusicherte.

Zudem versprach die Firmenleitung, keine rechtlichen Schritte gegen die "Geiselnehmer" einzuleiten, berichtete der französische Radiosender France Info am Freitag. Rund hundert Mitarbeiter des Unternehmens hatten am Donnerstag fünf Vorgesetzte stundenlang in einem Versammlungsraum eingesperrt, um Gespräche über bessere Abfindungen zu erzwingen.

Die Geiselnahme durch wütende Mitarbeiter dauerte rund zwölf Stunden. Zunächst waren am frühen Abend zwei weibliche Führungskräfte freigelassen worden, die kleine Kinder Zuhause hatten. Wenige Stunden später kamen dann auch die anderen drei Manager frei.

Hintergrund: In dem Logistikzentrum sollen knapp 500 Jobs wegfallen. Der wichtigste Kunde Hewlett-Packard Chart zeigen hatte 2008 entschieden, die dort angesiedelten Verpackungsarbeiten für Drucker nach Malaysia zu verlagern. FM Logistic beschäftigt in Frankreich nach eigenen Angaben 4200 Mitarbeiter an 20 Standorten.

Bereits in den vergangenen Wochen waren Top-Manager von Firmen wie Sony Chart zeigen, Caterpillar Chart zeigen, Scapa und 3M von aufgebrachten Angestellten über Nacht festgehalten worden. Alle sagten nach den Geiselnahmen höhere Abfindungen zu. Eine Warnung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy verhallte scheinbar wirkungslos. Er hatte Anfang des Monats angekündigt, dass er solche Aktionen nicht mehr hinnehmen werde.

suc/dpa-AFX



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