Manager unter Druck Der Renditehunger der kleinen Leute

Von Karsten Stumm, Düsseldorf

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil wie sich der Druck auf die Konzernmanager verstärken wird


Und die geben den Druck weiter. Geschadet hat das den deutschen Unternehmen bisher allerdings nicht immer. Viele trennten sich von überflüssigen Beteiligungen. Manche Firmen wurden effizienter, etwa durch den Abbau von Hierarchiestufen. "Vor mehr als zwei Jahren hatten wir bei uns noch neun Stufen, jetzt sind es vier", sagt beispielsweise Lanxess-Chef Axel Heitmann zu manager-magazin.de. "Wir reagieren deshalb heute viel schneller, sind insgesamt viel wettbewerbsfähiger geworden."

Er hat es bewiesen. Als Heitmann die Bayer-Abspaltung Lanxess Chart zeigen übernahm, machten zwei Drittel der dazu gehörenden Gesellschaften Verlust. Inzwischen arbeiten 60 Prozent der jetzigen Lanxess-Firmen profitabel. Dabei hatte sich Ex-Bayer-Chef Manfred Schneider Jahre lang genau gegen diese Abspaltung zur Wehr gesetzt.

Bald allerdings, so unken Finanzexperten, werden Deutschlands Manager den Renditedruck auch von anderer Seite spüren. Und der kommt dieses Mal nicht von außen, sondern aus Deutschland und Europa selbst.

Das Beratungsunternehmen Mercer Human Resource hat ermittelt, dass mehr als die Hälfte von 21 befragten multinationalen Firmen mit Hauptsitz in Europa eine globale Vermögensanlage-Strategie entwickelt haben, um in Zukunft überhaupt die eigenen Betriebsrenten zahlen zu können. "Das ist auch kein Wunder, denn Pensionsverpflichtungen machen nicht selten einen großen zweistelligen Prozentsatz der Bilanzsumme aus", sagt Peter Doetsch, Geschäftsführer von Mercer Human Resource Consulting in Deutschland.

Doppelte Rendite-Herausforderung

"Und auch deutsche Unternehmen setzen mit ihrer Vermögensanlage-Strategie nicht nur auf festverzinsliche Wertpapiere. Sie legen sich zunehmend auch Aktien ins Depot - und dafür wollen sie eine ordentliche Rendite sehen", sagt der deutsche Manager eines Pensionsfonds hinter vorgehaltener Hand. "Bald werden deshalb unsere eigenen Firmen ihren Renditeanspruch ebenfalls offensiv gegenüber den Firmenleitungen anderer Unternehmen vertreten, deren Aktien sie halten. So, wie es heute zum Beispiel schon amerikanische Pensionsfonds gegenüber unseren Konzernen tun."

Damit würde sich der Kreis schließen. Noch müssen sich deutsche Konzerne und ihre Angestellten krumm machen, um die Renditeforderungen ausländischer Pensionsfonds zu stemmen. Bald aber müssten die Belegschaften der Dax-Unternehmen fürchten, auch noch für die Rentenansprüche deutscher Betriebsrentner profitabler werden zu müssen. Und umgekehrt werden deutsche Betriebsrentenmanager amerikanischen Firmenlenkern auf die Füße treten, ebenfalls mehr aus ihren Unternehmen herauszuholen.

Profitieren würden davon allerdings auch die unbeteiligten Kleinaktionäre der deutschen Parade-Unternehmen. Weil die Konzerne in den vergangenen drei Jahren tatsächlich immer rentabler wurden, stiegen die Kurse ihrer Aktien deutlich: Der Dax Chart zeigen legte von März 2004 bis heute von etwa 3650 auf 6700 Punkte zu. Das ist ebenfalls ein gehöriger Renditeschub. Und über den klagt niemand.



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