Managereinkommen Porsche und Lafontaine zanken über Wiedeking-Salär

Neuer Streit über Spitzengehälter: Die Jahresbezüge von Porsche-Chef Wiedeking könnten auf mehr als hundert Millionen Euro steigen - und die Linkspartei schäumt. Parteichef Lafontaine verlangt eine Begrenzung der Managerbezahlung. Porsche findet das skandalös.


Berlin - Angesichts des neuen Rekord-Jahreseinkommens von möglicherweise rund hundert Millionen Euro für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat die Linkspartei einmal mehr die Begrenzung von Managergehältern gefordert. Die Große Koalition sei "unfähig, diesem schamlosen Treiben der Manager-Selbstbedienung ein Ende zu setzen. Sie ist zu sehr mit den Spitzenmanagern verbandelt", sagte Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine der "Berliner Zeitung".

Porsche-Chef Wiedeking: Kritik an hohen Bezügen
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Porsche-Chef Wiedeking: Kritik an hohen Bezügen

Die Linke wolle Managergehälter auf das Zwanzigfache des Durchschnittverdienstes begrenzen, so wie es in Japan üblich sei. "Wenn die Bundesregierung davor zurückschreckt, sollte sie wenigstens den anderen Vorschlag der Linken aufgreifen und den Spitzensteuersatz für Einkommen oberhalb von 600.000 Euro drastisch erhöhen", forderte Lafontaine.

Porsche ist nach SPIEGEL-Informationen das Kunststück gelungen, dank seiner VW-Beteiligung mehr Gewinn als Umsatz zu machen. Der Stuttgarter Autobauer erwartet einem Analysten zufolge einen Gewinn von rund elf Milliarden Euro - bei einem Umsatz von 8,6 Milliarden Euro. Dies sind Relationen, die bislang noch keinem großen Unternehmen gelungen sind. Wiedekings Gehalt könnte im Zuge dieses Ergebnisses auf hundert Millionen Euro steigen. Porsche bezeichnet das als Spekulation - und reagiert scharf auf die Äußerungen Lafontaines.

"Da träumt ein Analyst vor sich hin, setzt spekulative, durch nichts zu belegende Zahlen in die Welt - und schon schlägt Lafontaine auf Herrn Wiedeking ein", sagte ein Porsche-Sprecher SPIEGEL ONLINE. "Dieser Vorgang ist skandalös, erst recht vor dem Hintergrund, dass auch ein Lafontaine weiß, dass die Gehälter von Managern von den Aufsichtsräten festgelegt werden und sie sich nicht selbst bedienen können."

FDP-Parteivize Rainer Brüderle sagte der "Berliner Zeitung": "Es ist Aufgabe der Eigentümer eines Unternehmens, über die Bezahlung der Spitzenmanager zu entscheiden. Wenn ein privates Unternehmen für gute Leistung viel Geld zahlt, ist es nicht Aufgabe der Politik, das zu bewerten." Der Staat müsse allerdings mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Eigentümer solche Entscheidungen auf der Hauptversammlung auch tatsächlich treffen können.

Der Stuttgarter Autobauer will seinen Anteil an Volkswagen Chart zeigen im September über die bereits angekündigten 36 Prozent hinaus ausbauen. "Wir haben fest vor, in diesem Jahr die 51-Prozent-Grenze zu überschreiten", sagte Porsche-Finanzvorstand Holger Härter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Nach der Zustimmung durch die Kartellämter gehe er davon aus, dass Porsche Chart zeigen den Anteil im September sukzessive aufstocken werde. "Wir wollen das Projekt jetzt in Ruhe durchziehen." Den Kaufpreis habe Porsche durch entsprechende Geschäfte bereits abgesichert.

Insgesamt müssen nach Porsche-Angaben mehr als 20 Kartellbehörden weltweit zustimmen. Inzwischen sei auch grünes Licht aus China gekommen, sagte Härter. Zuvor hatten bereits die USA, Australien, Brasilien, Mexiko, Israel, Russland und die Ukraine zugestimmt. "Aber einige Balkanstaaten brauchen beispielsweise noch weitere Unterlagen", sagte Härter. "Und die Beamten anderer südosteuropäischer Länder haben uns mitgeteilt, dass sie jetzt im Urlaub sind und erst Mitte September zu einer Entscheidung kommen werden."

kaz/ddp/dpa-AFX



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