Managergehälter Steinbrück entsetzt über Millionen-Bonus für HSH-Chef

Staatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. "Da kann einem schon der Kragen platzen", poltert er.


Berlin - Er ist für seine klaren Worte bekannt, die oft Empörung erregen - dieses Mal dürfte er einer Menge Menschen aus dem Herzen sprechen: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die Bonuszahlungen an den Chef der angeschlagenen HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, ungewöhnlich heftig kritisiert. "Da kann einem schon der Kragen platzen", sagte Steinbrück am Mittwoch. Nonnenmacher erhält trotz Konzernkrise und massiver Staatshilfen Bonuszahlungen von 2,9 Millionen Euro.

Bundesfinanzminister Steinbrück: "Eine Frage des Anstands"
DDP

Bundesfinanzminister Steinbrück: "Eine Frage des Anstands"

Die HSH Nordbank war in der Finanzkrise in extreme Schieflage geraten und musste von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein mit drei Milliarden Euro gerettet werden. Sie halten nach der Kapitalerhöhung 85,5 Prozent an der Bank.

Kritik auch an Landesregierungen

"Ich finde es unglaublich, dass sich manche Manager ihre Taschen mit dem Geld der Steuerzahler füllen. Ohne staatliche Hilfen in Milliardenhöhe gäbe es seine Bank heute nicht mehr", sagte Steinbrück weiter. Für ihn sei es "eine Frage des Anstands", ob Nonnenmacher oder manch anderer seiner Kollegen Millionenzahlungen einsteckten oder sie sogar einklagten, obwohl sie für Milliardenverluste verantwortlich seien.

Steinbrück kritisierte zudem die zuständigen Landesregierungen: "Mir fehlt ... auch jegliches Verständnis für die Landesregierungen in Kiel und Hamburg, die hier anscheinend beide Augen zudrücken wollen. Bei Hilfen des Bundes gibt es eine klare Regelung: Kapital ohne Gegenleistung gibt es nicht. Dazu gehören neben einer Obergrenze für Vorstandsgehälter auch ein Verzicht auf Bonuszahlungen. Das haben wir konsequent durchgesetzt, warum machen es die Länder nicht auch so?"

Falls die Länder mit maroden Landesbanken ihre Kreditinstitute über ein eigenes Bad-Bank-Modell sanieren wollen, erwartet der Bundesfinanzminister, dass diese sich dann an die vorgesehene "Beschränkung der Vorstandsvergütung auch bei landeseigenen Abwicklungsanstalten" halten und diese "auch entsprechend umsetzen".

sam/dpa

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Reziprozität 15.07.2009
1.
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
Ganz eindeutig: Nein! Was hat btw. die HSH Nordbank eigentlich im DeserTec-Konsortium zu suchen? Sollen die nicht die Kreditfinanzierung fuer den Mittelstand im Norden absichern?
dhanz, 15.07.2009
2.
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
Natürlich NEIN. Für die Zukunft muß man mit den Vorständen Verträge aushandeln, die die Möglichkeit von Bonuszahlungen STRENG an den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens koppeln.
der_pfau 15.07.2009
3. Bonus trotz Staatshilfe?
Und damit offenbart sich wieder eine alte Erkenntnis. Wer dreist genug ist, dem füllt man die Taschen. Hat den wirklich jemand gedacht, wir kehren von der freien zur sozialen Marktwirtschaft zurück?
japan10 15.07.2009
4.
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
HSH Nordbank ist doch ganz was besonderes. Da hat man einen Wirtschaftsmann als Minister und dieser wird rausgeekelt. Es zeigt, wie Machtlos doch unsere Politiker gegen diese Leute sind.
boell 15.07.2009
5.
Zitat von sysopStaatsgeld in Anspruch nehmen, aber dem Chef hohe Boni zahlen: Das Vorgehen der angeschlagenen HSH Nordbank empört Finanzminister Peer Steinbrück. Bonuszahlungen trotz Krise und Staatshilfe?
Ich finde das ganz in Ordnung. Schliesslich tun diese studierten Betriebswirte etwas mit ihren systemtragenden Banken für den Aufschwung der freien Kräfte des Marktes, ergo haben sie alle Unterstützung nötig und sei es in Form von Boni. Neid hilft nicht weiter, sondern Applaus.
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