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17. Februar 2003, 15:46 Uhr

Mannesmann-Affäre

Ackermann denkt nicht an Rücktritt

Die Anklage gegen Josef Ackermann wegen der Mannesmann-Affäre könnte auch dem Ansehen der Deutschen Bank schaden. Trotzdem sieht Ackermann keinen Grund, sein Amt als deren Vorstandssprecher aufzugeben.

Ist sich keiner Schuld bewusst: Deutsche-Bank-Chef Ackermann
REUTERS

Ist sich keiner Schuld bewusst: Deutsche-Bank-Chef Ackermann

Frankfurt am Main/Düsseldorf - Bislang zeigte der 55-jährige Schweizer sich vor allem demonstrativ gelassen. Zahlreiche Rechtsgutachten hätten bestätigt, dass die damals an Mannesmann-Chef Klaus Esser ausgezahlten Boni absolut in Ordnung seien, hatte Ackermann noch am Rande der Bilanzpressekonferenz des Instituts Anfang Februar betont. Alle bekannten Politiker Deutschlands hätten ihm geraten, sich von der Anklage nicht beeindrucken zu lassen.

Am Montagmorgen hatte die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf bekannt gegeben, Anklage gegen Ackermann erhoben zu haben. Neben Ackermann müssen sich auch IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser wegen der üppigen Abfindungen im Zusammenhang mit der Mannesmann-Übernahme durch den britischen Mobilfunker Vodafone verantworten.

Ackermann, Zwickel und Esser sind nur die prominentesten Vertreter der Mannesmann-Affäre. Neben ihnen sind noch drei weitere Personen angeklagt. Da die Angeschuldigten die Anklageschrift noch nicht kennen, sind die Vorwürfe im Detail für die Öffentlichkeit noch nicht zugänglich.

Es geht um den Verdacht der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu bei der spektakulären Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor drei Jahren. Dabei sollen Abfindungen und Prämien von mehr als 100 Millionen Euro an Mannesmann-Manager und Pensionäre des Konzerns geflossen sein. Ein Teil der Zuwendungen ist nach Ansicht der Ermittler illegal gewesen.

Das Düsseldorfer Landgericht wird die fast 600 Seiten starke Anklageschrift nun den Beschuldigten zustellen - erst danach gelten sie als Angeklagte. Dann muss das Gericht entscheiden, ob es die Hauptverhandlung gegen die Wirtschaftsführer eröffnen wird. Es wäre einer der spektakulärsten Wirtschaftsstrafprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Betroffenen haben die Vorwürfe mehrfach als unbegründet zurückgewiesen.

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