Mannesmann-Affäre Esser fühlt sich willkürlich verfolgt

Drei Jahre nach der feindlichen Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunker Vodafone haben jetzt die Staatsanwälte das Wort. In dem spektakulären Wirtschaftsprozess um Abfindungen in Millionenhöhe sitzen die Spitzenmanager Josef Ackermann, Klaus Zwickel und Klaus Esser auf der Anklagebank.

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Mannesmann bleibt nur noch als Affäre im Gedächtnis: Vodafone-Zentrale Düsseldorf
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Mannesmann bleibt nur noch als Affäre im Gedächtnis: Vodafone-Zentrale Düsseldorf

Düsseldorf - Ex-Mannesmann-Chef Esser war der erste, der auf die Anklage reagierte. Willkürlich sei das Vorgehen der Juristen, die Wahrheit sei einfach: "Ich habe mich im Übernahmekampf äußerst korrekt verhalten".

Mit der Höhe seiner Abfindung hat Esser keine Probleme. Immer wieder verwies er darauf, dass die ihm gezahlte Anerkennungsprämie nicht einmal 0,2 Promille des Gewinnes ausgemacht habe, den die Aktionäre durch die Übernahmeschlacht erzielt hätten. "Ich bin der Meinung, dass die Höhe der Zuwendung am Erfolg des Managers gemessen werden soll."

"Jetzt ist Schluss mit den Verdächtigungen"

Deutsche-Bank-Vorstandsprecher Ackermann und IG-Metall-Chef Zwickel hatten die Vorwürfe bereits im Vorfeld vehement zurückgewiesen. Die IG Metall in Frankfurt ließ am Montag nach bekannt werden der Anklageerhebung verbreiten, dass sie eine schnelle Rehabilitierung Zwickels erwarte. "Jetzt ist Schluss mit Unterstellungen und Verdächtigungen", erklärte IG Metall-Sprecher Claus Eilrich. Zwickel werde alles tun, um seine Unschuld zu beweisen. Er habe weder den Prämien an Esser noch andere Entscheidungen zugestimmt, die ein den Vorwurf der Untreue rechtfertigten.

In der Öffentlichkeit hatte Zwickel die Abfindungen für Esser als unanständig hoch und für keinen Arbeitnehmer nachvollziehbar bezeichnet. Doch im Aufsichtsrat hatte er nicht dagegen gestimmt. Später räumte er ein, das sei ein Fehler gewesen.

Die Deutsche Bank zeigte sich am Montag zugeknöpft und wollte die Anklageerhebung nicht kommentieren. Auf der Bilanzpressekonferenz Anfang Februar hatte Vorstandschef Ackermann betont, dass eine Anklage ohne Grundlage sei. Gutachten belegten, dass sein Verhalten in der Abfindungsaffäre in Ordnung gewesen sei. Zuvor hatte der Aufsichtsrat des Bankhauses dem Bankchef den Rücken gestärkt: die Untreue-Vorwürfe seien willkürlich und nicht nachvollziehbar.

Zweijähriges Ermittlungsverfahren

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hatte am Montagmorgen nach zweijährigen Ermittlungen Anklage bei der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf erhoben. Die Behörde teilte mit, dass sechs Personen betroffen seien. Namen nannte sie nicht, weil zunächst die Betroffenen die Anklageschrift erhalten sollten. Ob das Landgericht über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheidet, sei in diesem Stadium reine Spekulation, meinte ein Gerichtssprecher.

In der Affäre geht es um Abfindungen und Prämien an Mannesmann-Manager und Pensionäre des Konzerns in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. Diese Zuwendungen sollen nach der spektakulären Übernahme des Düsseldorfer Traditionskonzerns durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone vor drei Jahren geflossen sein. Der Vorwurf der Ermittler lautet: Untreue oder Beihilfe zur Untreue.

Den Kontrolleuren hält die Staatsanwaltschaft vor, die horrenden Zahlungen an die Manager genehmigt und damit das Vermögen der Aktionäre geschädigt zu haben. Dabei geht es nicht um die Frage der Angemessenheit der Zahlungen, sondern um eine Rechtsgrundlage - die habe gefehlt.

Karriereknick für Ackermann?

Inwieweit sich die Eröffnung des Verfahrens auf die Karriere der Betroffenen auswirkt, ist derzeit noch offen. Zwickel hat bereits erklärt, dass er für eine neue Amtszeit als IG-Metall-Chef nicht zur Verfügung steht, Esser ist als Partner einer US-Investmnent-Gesellschaft quasi unkündbar.

Für Ackermann könnte es dagegen eng werden, auch wenn er zurzeit noch demonstrative Gelassenheit an den Tag legt. Denn nach der Anklageerhebung in der Mannesmann-Affäre droht ein langwieriger Prozess, der nach Einschätzung von Beobachtern den Chef der größten deutschen Bank und damit das Institut selbst schwächen könnte.

Innerhalb der Deutschen Bank seien zwei Szenarien denkbar: Ackermann könnte für die Dauer des Prozesses beurlaubt und sein Vorgänger, der jetzige Aufsichtsratschef der Bank, Rolf Breuer, wieder das Ruder übernehmen. Das zweite Modell: Ackermann tritt zurück und der für das Kreditgeschäft zuständige Vorstand Jürgen Fitschen wird auf den Chefsessel berufen.



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