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22. August 2001, 11:20 Uhr

Mannesmann

Keine Entlastung für den Vorstand

Chris Gent und Klaus Esser müssen weiter zittern. Wegen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen verschob die Hauptversammlung ihre Entlastung.

Chris Gent und Klaus Esser: Abfindung oder Bestechung?
DPA [M]

Chris Gent und Klaus Esser: Abfindung oder Bestechung?

Düsseldorf - Über eine Entlastung früherer Vorstände und Aufsichtsräte von Mannesmann soll wegen laufender staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen erst die Hauptversammlung 2002 entscheiden. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf unter anderem gegen den ehemalige Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser, Vodafone-Chef Chris Gent sowie die Aufsichtsräte Klaus Zwickel und Josef Ackermann. Auf die Verschiebung habe sich das Kontrollgremium geeinigt, sagte Aufsichtsratsmitglied Wilhelm Haarmann.

Gent verteidigte vor der Hauptversammlung die umstrittenen Millionen-Abfindungen und verwies darauf, dass die Mannesmann-Gremien die Zahlungen genehmigt hätten. "Weder ich noch andere Vodafone-Manager oder Mitarbeiter haben zu irgendeiner Zeit Führungskräften oder Mitarbeitern von Mannesmann finanzielle Angebote oder Anreize gemacht." Die gezahlten Abfindungen, die auf Entscheidungen von Mannesmann-Gremien beruhten, seien von Vodafone jedoch nach Genehmigung der Mannesmann-Übernahme durch die EU am 12. April 2000 gewürdigt worden. Im Übrigen entsprächen die Abfindungen dem deutschen Recht und den Unternehmensstatuten von Mannesmann, sagte Gent. Zugleich sicherte Gent der wegen Untreue-Verdachts ermittelnden Staatsanwaltschaft Düsseldorf seine Kooperationsbereitschaft zu.

Eine Sprecherin des Unternehmens hatte bereits vor der Hauptversammlung gesagt, deutsche Anwälte, die sich die Vorgehensweise angeschaut hätten, hätten keine Konflikte mit dem deutschen Recht gesehen hätten.

Auch die IG Metall wies die Vorwürfe gegen ihren Chef Klaus Zwickel zurück. Die Gewerkschaft bekräftigte am Mittwoch ihre Darstellung, wonach Zwickel der Millionenprämie an Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser nicht zugestimmt hat. Zwickel habe sich als Aufsichtsrat von Mannesmann bei der Entscheidung im Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten "enthalten und damit nicht zugestimmt", sagte IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich.

Auf der voraussichtlich letzten Hauptversammlung hat der Mannesmann-Vorstand alle Fotografen und Kameraleuten bereits vor Beginn der Veranstaltung vom Versammlungsort verwiesen. Einen Grund für diese ungewöhnliche Maßnahme konnte ein Sprecher von Vodafone nicht nennen. Normalerweise gilt eine Fotografierverbot auf einem Aktionärstreffen nur während der Veranstaltung innerhalb des Versammlungsraumes. Für Mannesmann ist die Hauptversammlung wahrscheinlich das letzte Treffen in ihrer 110-jährigen Geschichte.

Das Unternehmen war im vergangenen Jahr nach einem mehrmonatigen spektakulären Abwehrkampf von dem britischen Mobilfunkunkonzern Vodafone übernommen worden. Auf der Hauptversammlung soll auch über eine Abfindung der rund 7400 freien Aktionäre entschieden werden, außerdem soll die Umbenennung des Traditionskonzerns in Vodafone beschlossen werden.

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