Mannesmann-Prozess Ackermann rechtfertigt Millionenprämien

Gesten der Überheblichkeit sparte sich Josef Ackermann heute, stattdessen beteuerte der Deutsche-Bank-Chef vor Gericht wortreich seine Unschuld: Er habe die Millionenabfindungen bei der Mannesmann-Übernahme nach bestem Wissen und Gewissen abgesegnet.


Düsseldorf - Josef Ackermann hat dazugelernt. Vor Prozessbeginn war der sonst für seine Großspurigkeit bekannte Deutsche-Bank-Chef schon möglichst unaufällig in den Saal geschlüpft. Kurz nach Verhandlungsbeginn startete er dann mit seiner Erklärung, warum er die Millionenabfindungen bei der Mannesmann-Übernahme absegnete. Wären nur die kleinsten Anhaltspunkte für Rechtsverstöße zu erkennen gewesen, "dann hätte ich nicht so entschieden, zumal ich keine eigenen Interessen hatte", beteuerte der 58-Jährige im Landgericht Düsseldorf.

Ackermann im Gerichtssaal: "Den Wert wollte ich erhalten"
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Ackermann im Gerichtssaal: "Den Wert wollte ich erhalten"

Neben Ackermann sitzen unter anderem Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, der frühere Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und Ex-Mannesmannchef Klaus Esser wieder auf der Anklagebank. Es geht um schwere Untreue beziehungsweise im Fall von Esser um Beihilfe zur Untreue. Den Angeklagten wird vorgeworfen, im Jahr 2000 die milliardenschwere Übernahme von Mannesmann durch Vodafone genutzt zu haben, um Managern und Ex-Vorständen ungerechtfertigte Abfindungen zuzuschieben. Damals waren rund 57 Millionen Euro an Prämien und Abfindungen an Top-Manager des Düsseldorfer Traditionskonzerns geflossen. Das neue Verfahren vor dem Landgericht Düsseldorf war nötig geworden, nachdem der Bundesgerichtshof im Dezember die Freisprüche aus dem Jahr 2004 aufgehoben hatte.

Es sei darum gegangen, mit den Prämien eine reibungslose Integration von Mannesmann in den künftigen Eigentümer Vodafone zu gewährleisten, verteidigte sich Ackermann heute. "Den geschaffenen Wert wollte ich erhalten, es ging mir um die Stabilisierung der Gegenwart im Interesse der Zukunft." Auch die Drei-Millionen-Euro-Prämie an Funk sei zurecht zugestanden worden. Diese Zahlung sei auch ein Signal der Versöhnung gewesen, das der neue Eigentümer nach dem monatelangen Übernahmekampf habe geben wollen, räumte Ackermann allerdings ein. Außerdem sei es "nicht richtig" gewesen, dass Funk zunächst selbst über seine Prämie mit entschieden habe, wodurch sie vor diesem Hintergrund nun "in einem schiefen Licht" erscheine.

Für Ackermann geht es um alles. Er wird wohl von seinem Posten als Deutsche-Bank-Chef zurücktreten, sollte er verurteilt werden. "Wenn Düsseldorf ihn verurteilen würde, glaube ich nicht, dass er weitermacht", hatte kürzlich ein Manager der Bank gesagt. Prozessbeobachter mutmaßen, dass Ackermann mit Hilfe der übrigen Angeklagten möglicherweise einen Deal mit der Justiz plant, sollte sich ein Schuldspruch abzeichnen. Ackermann würde dann die generelle Verteidigungsstrategie vorgeben und eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage anstreben.

Funk und Esser hatten sich bei der Neuauflage des spektakulären Wirtschaftsstrafprozesses bereits zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen geäußert und ihre Unschuld beteuert. Wann das Urteil gesprochen wird, ist derzeit noch vollkommen unklar. Vorerst sind 26 Verhandlungstage angesetzt. Sollte der Fall allerdings noch mal an eine andere Instanz weitergeleitet werden, könnte sich der Prozess im extremsten Fall noch über Jahre hinziehen.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Dezember 2005 die Freisprüche aus dem ersten Mannesmann-Prozess aufgehoben. Die Begründung für die Freisprüche sei rechtsfehlerhaft, die Beweiswürdigung lückenhaft gewesen, kritisierte der BGH. Deshalb verhandelt nun Richter Stefan Drees den Fall erneut vor dem Landesgericht.

ase/Ap/Dow Jones/Reuters



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