Mannesmann-Prozess Ackermann verrät sein Gehalt - sonst nichts

Deutsche-Bank-Chef Ackermann will sein Schweigen zu den Vorwürfen im neuen Mannesmann-Prozess erst im November brechen. Der prominenteste Angeklagte äußerte sich heute nur zur Person und legte dabei sein Millionengehalt offen. Die anderen Angeklagten waren gesprächiger.


Düsseldorf - Josef Ackermann will erst am 2. November im Mannesmann-Prozess zu den Untreue-Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen. Das sagte der Rechtsanwalt des Vorstandschefs der Deutschen Bank Chart zeigen heute zum Auftakt des Mannesmann-Prozesses am Düsseldorfer Landgericht.

Unter gespannter Erwartung der Öffentlichkeit hatten die Angeklagten heute Vormittag um kurz vor 9 Uhr den Gerichtssaal betreten, um sich dem neuen Verfahren wegen Untreue zu stellen - alle bis auf Ackermann. Er kam einige Minuten später durch einen Seiteneingang. Er war dann auch der einzige Angeklagte, der auffiel, als das Gericht nach den persönlichen Daten fragte: Denn er machte präzise Angaben zu seinen Einkommensverhältnissen. Demnach verdient er als Spitzenmanager bei der Deutschen Bank 11,9 Millionen Euro jährlich. Mit weiteren Bezügen aus Aufsichtsratsmandaten und vor allem Kapitalerträgen komme er auf eine Summe von 15 bis 20 Millionen Euro.

Das sind die ersten Details aus dem spektakulärsten deutschen Wirtschaftsstrafverfahren, das nun schon zum dritten Mal vor Gericht verhandelt wird. Neben Ackermann wird fünf Angeklagten besonders schwere Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen: dem früheren IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, dem ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, dem Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser, dem damaligen Betriebsratschef Jürgen Ladberg und Manager Dietmar Droste.

Der Fall dreht sich um die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor sechs Jahren - damals angesichts des Kaufpreises von 180 Milliarden Euro die größte Fusion aller Zeiten. Im Detail geht es um die umstrittene Ausschüttung von Prämien und Pensionsabfindungen an Manager in Höhe von 57 Millionen Euro. Der Bundesgerichtshof hatte im Dezember die Freisprüche aus dem ersten Prozess aufgehoben: Deren Begründung sei rechtsfehlerhaft, die Beweiswürdigung lückenhaft. Deshalb verhandelt jetzt Richter Stefan Drees den Fall erneut vor dem Landgericht. Insgesamt sind zunächst 26 Verhandlungstage angesetzt.

Verteidiger rügen das Gericht

Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg rechtfertigte bei der Verlesung der Anklageschrift den Untreue-Vorwurf gegen die sechs Angeklagten damit, dass die Millionen-Zahlungen an amtierende und frühere Konzernmanager im Jahr 2000 "in keiner Weise den Interessen der Mannesmann AG entsprochen" hätten. Die Angeklagten hätten ihre Befugnis missbraucht, über fremdes Vermögen zu bestimmen, sagte Lichtenberg.

Die Angeklagten gaben sich zu Beginn des ersten Verhandlungstages betont gelassen und versuchten zunächst einen prozesstaktischen Winkelzug: Die Verteidiger des Ex-Konzernbetriebratschefs Ladberg kritisierten die Besetzung des Gerichts. Sie machten geltend, eine Ergänzungsrichterin zu dem Düsseldorfer Strafsenat sei vorschriftswidrig bestellt worden - die Strafkammer will am kommenden Verhandlungstag über den Antrag entscheiden, dem sich auch Funks Verteidiger angeschlossen haben.

Ansonsten sagte Esser vor Verhandlungsbeginn auf die Frage, mit welchen Erwartungen er in den Prozess gehe: "Nur mit den besten." Auch Funk äußerte sich optimistisch. Auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, sagte er: "Ja, natürlich."

Funk beklagt lange Dauer des Verfahrens

Funk geht davon aus, dass die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses seine Unschuld beweisen wird: "Die Verhandlung wird die Thesen im Anklagesatz der Staatsanwaltschaft widerlegen", sagte Funk in einer Erklärung vor dem Landgericht. "Zu keinem Zeitpunkt (...) habe ich eine Straftat der Untreue gesehen, erkannt oder erlebt." Es habe bei ihm oder seinen Kollegen im Aufsichtsrat wie Ackermann keine Pflichtverletzung gegeben. Funk beklagte die lange Verfahrensdauer, die für ihn wie ein "faktisches Berufsverbot" wirke. Durch die Berichterstattung der Medien sei er persönlich beschädigt worden.

Auch Zwickel, der einst im Mannesmann-Aufsichtsrat saß, beteuerte seine Unschuld: "Ich habe mir in strafrechtlicher Hinsicht nichts vorzuwerfen." Er gab zu, dass sich ihm die Beschlüsse über die umstrittenen Millionenzahlungen "nicht in voller Tragweite erschlossen" hätten, sagte aber auch: "Ein Geschenk ist die Zahlung an Dr. Esser nie gewesen."

Ackermann gab sich zurückhaltender als im ersten Prozess, bei dem er das legendäre Victory-Zeichen gezeigt hatte - er wollte sich vor Sitzungsbeginn nicht äußern. Der Ausgang des Prozesses könnte über die Zukunft von Ackermann als Chef von Deutschlands größter Bank entscheiden:Er hatte angekündigt, im Fall einer Verurteilung zurückzutreten.

tim/dpa/Reuters/DowJones/dpa-AFX/AFP

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